Wie ein Lehnsherr aus dem Mittelalter: Die Politikverachtung des Joe Kaeser

Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser hat sich auf Twitter über Bundestagsabgeordnete geäußert.

Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser hat sich auf Twitter über Bundestagsabgeordnete geäußert.

Berlin. Der frühere Siemens-Chef Joe Kaeser hat über ein Erlebnis während eines Fluges getwittert. Er habe inmitten von Abgeordneten gesessen, die sich hörbar über das Wochenende gefreut und nebenbei Interna über den Gang hinweg ausgetauscht hätten.

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Das Verhalten der Abgeordneten mag ungeschickt gewesen sein – genau beurteilen kann das niemand, der nicht dabei war.

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Wer Kaesers Tweets gelesen hat, weiß jedoch eins: Nicht jedem, der an der Spitze eines Konzerns viel Geld verdient hat, gelingt es, die wünschenswerte Bodenhaftung zu behalten. Denn Kaeser schreibt tatsächlich, er rechne gerade ungefähr aus, wie viele der Abgeordneten er mit seiner Einkommensteuer finanziere. Und befindet: Er wisse nicht, ob dieses Geld nicht besser ausgegeben werden könnte – etwa für höhere Bezüge von Pflegekräften und Polizistinnen und Polizisten.

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Die Versuchung des Populismus

Wenn Kaeser sich wirklich für höhere Löhne für Pflegekräfte und andere einsetzen möchte, ist das ein lobenswertes Anliegen. Wenn er das gegen die Bezüge von Abgeordneten gegenrechnet, gibt er jedoch der Versuchung des Populismus nach.

Es ist Normalität, dass Manager in einer Spitzenposition ein Vielfaches eines Kanzlergehalts verdienen. Gleichzeitig müssen sich Spitzenpolitikerinnen und -politiker viel stärker öffentlicher Kritik stellen als Spitzenvertreterinnen und -vertreter der Wirtschaft. Das ist kein Grund zur Klage. Dass Politikerinnen und Politiker öffentlich kontrolliert werden, ist richtig und gehört zum Wesen der Demokratie.

Klar ist aber auch: Wie der Staat Steuergeld verwendet, ist Sache derer, die dafür demokratisch legitimiert sind. Kaesers Worte erinnern an einen mittelalterlichen Lehnsherrn, der meint, qua Besitz alles bestimmen zu dürfen. Wenn ein hoch bezahlter Manager eine Haltung nach dem Motto „Ich finanziere die doch alle“ einnimmt, spricht daraus ein schlimmes Maß an Politikverachtung. Geld stinkt nicht. Selbstüberhöhung schon.

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