Reportage im Bunker des Präsidenten

Wolodymyr Selenskyj: So gut ist der ukrainische Präsident geschützt

Wolodymyr Selenskyj trifft US-Minister Blinken in Kiew.

Wolodymyr Selenskyj trifft US-Minister Blinken in Kiew.

Sydney. Besuche in der Ukraine sind derzeit an der Tagesordnung: Der britische Premier Boris Johnson, die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und US-Außenminister Antony Blinken sind zu Solidaritätsbesuchen in Kiew zu Gast gewesen. Auch mehrere Medienvertreter wurden inzwischen in der ukrainischen Hauptstadt empfangen, darunter der australische Reporter Tom Steinfort, der für die Sendung „60-Minutes“, ein Reportageprogramm beim australischen Privatsender Channel Nine, arbeitet. Der Reporter flog mit seinem Produktionsteam in die Ukraine.

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Erlebnis habe „Hollywoodthriller“ geglichen

Steinfort teilte seine Erlebnisse vor und zwischen dem Dreh in einem Artikel für die Tageszeitung „Sydney Morning Herald“. Demnach bekam er erst vor Ort genaue Anweisungen, wo er sich mit Selenskyj treffen sollte. Steinfort erhielt um 22:39 Uhr eine SMS auf sein Handy, die ihn über den Ort des Treffens informierte. „Dies ist Ihre Standort-PIN, um den Präsidenten zu treffen (…) bitte seien Sie pünktlich“, hieß es darin. Steinfort schrieb, das Erlebnis habe einem „Hollywoodthriller“ geglichen. „Und ironischerweise waren wir auf dem Weg, einen Mann zu treffen, der den größten Teil seines Arbeitslebens als Schauspieler verbracht hat.“

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Weitet Moskau seinen Krieg auf Transnistrien aus?

In der selbsternannten prorussischen Republik Transnistrien hatte es dieser Woche mehrere Anschläge gegeben. Sie könnten Russland als Vorwand für eine Okkupation dienen. Israel hat seine Bürger aufgefordert, die von der Republik Moldau abgespaltene Region zu verlassen.

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Dann machte er sich mit seinem Team und einigen Gastgeschenken in der Hand zu dem geheimen Bunker in Kiew auf, in dem sich der Staatschef derzeit aufhält. Der Reporter brachte dem ukrainischen Präsidenten eine Packung australische Kekse sowie eine Flasche Rotwein mit.

Doch noch bevor er in die Nähe des Präsidenten kam, wurden diese Geschenke beschlagnahmt, wie Steinfort berichtete. „Wir müssen diese zum Testen wegschicken, bevor wir sie dem Präsidenten geben, wir können keine Strahlenvergiftung riskieren“, sagten die Soldaten zu Steinfort.

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Penible Untersuchung der Kameraausrüstung

Auch der Weg zum letztendlichen Aufenthaltsort des Präsidenten war alles andere als unkompliziert. So mussten Steinfort und sein Team mehrere Straßensperren passieren, die von bewaffneten Truppen patrouilliert wurden. Neben einer Passkontrolle wurde auch ihre Kameraausrüstung penibel untersucht und durch ein Röntgengerät geschickt. Letztendlich wurden die Australier sogar von Hunden nach Sprengstoff beschnüffelt.

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Dass die Sicherheitsvorschriften so scharf sind, liegt selbstverständlich daran, dass es bereits mehrere Attentatsversuche auf Selenskyj gab. Ende April wurde durch einen Bericht im „Time“-Magazin bekannt, dass Truppen des russischen Präsidenten Wladimir Putin gleich zu Beginn der russischen Invasion in der Ukraine versuchten, den ukrainischen Präsidenten und seine Familie auszuschalten. Laut Steinfort sind inzwischen zehn Attentatsversuche vereitelt worden.

Das Treffen selbst fand letztendlich in demselben Raum statt, in dem sich der Präsident zuvor mit US-Außenminister Antony Blinken zu persönlichen Gesprächen getroffen hatte. Es ist nicht der normale Aufenthaltsort des Präsidenten – trotzdem hatte der Raum, in dem das Interview stattfand, eine präsidiale Atmosphäre mit Kronleuchtern, großen ukrainischen Flaggen und einem Gemälde der Patronin von Kiew, Oranta, wie Steinfort berichtete.

In Moskau gefährdet, in Berlin fehl am Platz

Am Morgen ihrer Hochzeit begann der Krieg. Am Abend gingen sie auf die Straße. Am nächsten Tag wurden Polina Oleinikova und Arshak Makichyan verhaftet. Seit einem Monat leben die jungen russischen Aktivisten nun in Berlin, in Sicherheit. Und möchten doch am liebsten zurück.

In dem Gebäude selbst waren die Fenster mit Sandsäcken bedeckt und sämtliche Lichter ausgeschaltet, sodass der Komplex von keinem potenziellen russischen Bomber gesichtet werden kann. Einige Türen waren zudem mit übereinandergestapelten Aktenschränken und Stühlen blockiert, wie der australische Reporter berichtete. Im Interview selbst sprach Selenskyj über die eigene Bedrohung, die Sorge um sein Volk und darüber, die Menschlichkeit in einem Krieg nicht zu verlieren.

Vor dem Dreh gelang es dem australischen Reporter aber auch, einige private Momente auszutauschen. So berichtete ihm Selenskyj, wie sehr er Australien liebt und erzählte ihm eine Geschichte darüber, wie er vor vielen Jahren Sydney besucht und sich beim Joggen am Morgen verlaufen hatte. An die Hilfsbereitschaft wildfremder Menschen, die ihm halfen, sein Hotel wiederzufinden, erinnere er sich noch heute, meinte er.

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