Zschäpe als „Herrin über Leben und Tod aufgespielt“

Die Witwe Elif Kubasik (l) und weitere Angehörige eines der NSU-Opfer trauern am 04.04.2016 in Dortmund.

Die Witwe Elif Kubasik (l) und weitere Angehörige eines der NSU-Opfer trauern am 04.04.2016 in Dortmund.

München. Der Nebenklage-Anwalt Mehmet Daimagüler hat im NSU-Prozess eine lebenslange Freiheitsstrafe für die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe gefordert. Er unterstützte damit am Dienstag die Forderung der Bundesanwaltschaft. Daimagüler sagte in der Fortsetzung seines Plädoyers, seine Mandanten nähmen Zschäpes Entschuldigung nicht an.

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Mitangeklagter S. soll Bewährungsstrafe bekommen

Für den mutmaßlichen Waffenbeschaffer Carsten S., der als einziger der fünf Angeklagten im Prozess um den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) voll geständig war, beantragte Daimagüler eine Bewährungsstrafe. Er verlas dazu ein Statement der Tochter des in Nürnberg erschossenen Ismail Yasar, in dem sie die Entschuldigung von S. annahm. Persönlich äußerte sie sich nicht. Die Bundesanwaltschaft hatte für den Mitangeklagten drei Jahre Jugendstrafe gefordert.

Das Plädoyer ist mehrfach unterbrochen worden

Daimagüler sagte, Zschäpe sei ein vollwertiges Mitglied des NSU gewesen. Sie habe sich als „Herrenmensch“ und „Herrin über Leben und Tod aufgespielt“. „Was haben Sie denn für Deutschland getan?“, fragte Daimagüler die Hauptangeklagte direkt. Daimagüler hatte sein Plädoyer bereits an den beiden vorangegangen Verhandlungstagen begonnen. Sein Vortrag wurde am Dienstag erneut von den Verteidigern unterbrochen.

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Angela Merkel habe ihr Versprechen einer Aufklärung nicht eingelöst

Die Witwe des vom NSU ermordeten Dortmunder Kioskbetreibers Mehmet Kubasik hat eine unzureichende Aufklärung des Verbrechens beklagt. „Hier im Prozess sind meine Fragen nicht beantwortet worden“, sagte Elif Kubasik vor dem Münchner Oberlandesgericht. „Warum Mehmet? Warum ein Mord in Dortmund? Gab es Helfer in Dortmund?“, fragte sie. Unklar sei auch, was der Staat über den NSU gewusst habe. Insofern habe Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr Versprechen einer umfassenden Aufklärung aus dem Jahr 2012 nicht gehalten. Kubasik griff in ihrem Plädoyer die Hauptangeklagte Beate Zschäpe direkt an: Es sei schwer für sie, den Anblick dieser Frau auszuhalten. Deren Aussage sei „einfach ekelhaft“ gewesen. „Es ist alles Lüge, was sie sagte.“ Auch die Form, wie sich Zschäpe entschuldigt habe, sei verletzend und beleidigend gewesen. „Ich hatte das Gefühl, sie macht sich lustig über uns“, sagte Kubasik.

Von dpa/RND

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