Prozess geht in London weiter

Boris Becker vor Gericht: Entlastet eine fehlende Unterschrift den Ex-Tennisstar?

Boris Becker trifft vor dem Southwark Crown Court ein.

Boris Becker trifft vor dem Southwark Crown Court ein.

London. Als Boris Becker in der Mittagspause gemeinsam mit seiner Partnerin Lilian de Carvalho Monteiro das Gerichtsgebäude in London unweit der Themse verließ, wirkte er entspannt, lachte sogar. Der Grund war womöglich, dass das Verhör eines wichtigen Zeugen mutmaßlich in seinem Sinne verlief. Dieser räumte während der Befragung durch Beckers Verteidiger Jonathan Laidlaw nicht nur ein, dass ein wichtiges Dokument in dem Fall nicht unterschrieben wurde, es kam auch zum Vorschein, dass er ernsthafte Zweifel an der Redlichkeit eines Beraters des einstigen Wimbledonsiegers hatte.

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Seit Montag muss sich das deutsche Tennisidol vor dem Londoner Gericht Southwark Crown Court verantworten. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft wiegen dabei schwer. Becker soll während seines Insolvenzverfahrens, das 2017 startete, Vermögenswerte nicht ordnungsgemäß angegeben haben, nicht ehrlich gewesen sein, das Verfahren bewusst erschwert haben, wie die Anklägerin Rebecca Chalkley betonte. Zu den Dingen, die Becker unterschlagen haben soll, gehören unter anderem Wohnungen sowie insgesamt neun Pokale aus seiner Zeit als Tennisprofi. Würde Becker in allen 24 Punkten verurteilt, drohen ihm bis zu sieben Jahre Haft.

Ob es so weit kommt, scheint nach dem vierten Tag der Verhandlung jedoch weiter offen. Am Donnerstag konnte Beckers Verteidigung einen wichtigen Zeugen in den Gerichtsverfahren befragen: den Chefinsolvenzverwalter Mark Ford. Weil dieser sich gerade von einer Covid-Erkrankung erholte, wurde er von seinem Zuhause aus in den fensterlosen Gerichtssaal zugeschaltet und daraufhin ausführlich durch Boris Beckers Anwalt Jonathan Laidlaw vernommen. Dabei hatte der Verteidiger spezifische Themen im Blick, die Becker in dem Fall entlasten sollen.

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Prozessauftakt gegen Boris Becker: Es drohen bis zu sieben Jahre Haft

Am Montag startete in London der Prozess gegen Boris Becker – für den ehemaligen Tennis-Profi geht es um sehr viel.

Boris Becker: Ist er nicht so arglos, wie es die Verteidigung nahelegt?

Dazu gehört unter anderem die Frage, ob Becker ein in dem Fall wesentliches Dokument selbst ausgefüllt hat. Es handelt sich dabei um eine Auskunft zu seinen Vermögenswerten zu Beginn des Insolvenzverfahrens. Die Verteidigung argumentierte, dass die Angaben nicht in Beckers Handschrift gemacht wurden und es überdies nicht unterschrieben wurde. Mark Ford bestätigte im Rahmen der Befragung, dass die Signatur tatsächlich fehlt. Ein Versäumnis aufseiten der Behörde, wie Michael Bint, ein weiterer Insolvenzverwalter, schon am Mittwoch vor Gericht nahelegte.

Beckers Anwalt Laidlaw insistierte während der Befragung Fords überdies auf eine weitere Besonderheit. Dem Umstand nämlich, dass der Insolvenzverwalter in einem Schreiben ernsthafte Bedenken an einem von Becker im Verlauf des Verfahrens beauftragten Berater äußerte. Ford stellte vor allem in Frage, ob dieser die für den Fall relevanten Informationen „ungefiltert“ an die Behörde weitergibt. Laidlaw wollte wissen: „Haben Sie in Ihrer Karriere jemals zuvor solch einen Brief geschrieben?“ Ford verneinte, betonte dann jedoch, dass Becker seine Berater ja frei wählen könne.

Während die Verteidigung in der ersten Woche des Prozesses unter anderem nachzuweisen versuchte, dass Becker kooperativ war, jedoch mit seinem Berater eine schlechte Wahl getroffen habe, betonte die Staatsanwaltschaft gestern am späten Nachmittag noch einmal, dass es durchaus Hinweise darauf gebe, dass der einstige Tennisstar womöglich nicht so arglos ist, wie es die Verteidigung nahelegt. Dabei erinnerte sie unter anderem daran, dass Becker vor 20 Jahren schon einmal vor Gericht stand, wegen Steuerhinterziehung nämlich. Damals wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

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