Bushidos Frau sagt gegen Clanchef aus: „Das ist eine völlige Überwachung“

Anna-Maria Ferchichi mit ihrem Ehemann, dem Rapper Bushido. (Archivfoto)

Anna-Maria Ferchichi mit ihrem Ehemann, dem Rapper Bushido. (Archivfoto)

Berlin. Im blau-weißen, langen Sommerkleid kommt die Ehefrau von Rapper Bushido in den altehrwürdigen Saal 500 des Berliner Landgerichts. Was die Zeugin Anna-Maria Ferchichi in dem Strafprozess gegen den angeklagten Clanchef Arafat Abou-Chaker am Montag berichtet, ist auch ein Einblick in schlechte Zeiten ihrer Ehe. In Phasen, in denen Arafat Abou-Chaker als langjähriger Geschäftspartner des Rappers in dessen Leben und seiner jungen Familie dominierend eingegriffen haben soll. Es sei zur Zerreißprobe gekommen, schildert die 39-Jährige mit Babybauch und langem, offenen Haar. Die Schwester von Sängerin Sarah Connor wird von schwarz vermummten Personenschützern in den Saal gebracht.

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Bushido, der auch Nebenkläger ist, war bereits an 25 Prozesstagen als Zeuge befragt worden. Auch er steht unter Personenschutz. Am Montag ist der Musiker nicht im Gericht dabei. Er kümmere sich um die Kinder, sagt sein Anwalt. Das Paar hat vier gemeinsame Kinder, darunter Zwillinge, Anna-Maria zudem einen Sohn aus erster Ehe. Vor kurzem verkündete Bushido auf Instagram, dass er mit seiner Frau Drillinge erwarte.

Dem 45-jährigen Hauptangeklagten Abou-Chaker werden Straftaten gegen seinen einstigen Geschäftspartner Bushido vorgeworfen - Beleidigung, Freiheitsberaubung, versuchte schwere räuberische Erpressung, Nötigung und gefährliche Körperverletzung. Drei mitangeklagte Brüder aus einer arabischstämmigen Großfamilie sollen Mittäter sein. Die Vier haben sich im Prozess bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Ihr Mann sei „kaputt gearbeitet“ worden

2011 sei Abou-Chaker noch freundlich zu ihr gewesen, doch nach ihrer Hochzeit mit Bushido habe er sich immer mehr in ihr Leben eingemischt. Er habe auf ihrer Hausbaustelle in Kleinmachnow bestimmt, habe ihren Mann als Privatfahrer warten lassen und verlangt, dass sie keinen Alkohol trinke. Arafat habe die Finanzen verwaltet, ihr Mann habe sein Erbe der Clan-Familie überschreiben sollen. „Wir hatten keine Mitsprache, null.“ Abou-Chaker habe sie als Schlampe und Hure beschimpft.

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Ihr Mann stehe zwar mit beiden Beinen im Leben, doch bei Abou-Chaker sei er so devot gewesen, so die Frau. „Mein Mann hatte nie etwas gesagt.“ 2013 sei ihr Mann psychisch sehr labil gewesen, als seine Mutter starb. Er sei depressiv gewesen, kaum ansprechbar. „Da hat Arafat seine Chance gesehen.“ Ihr Mann sei „kaputt gearbeitet“ worden, völlig in sich gekehrt, es „war kein Raum für die Familie“. Rechnungen, Kontoauszüge habe sie nie gesehen.

Frau Ferchichi redet schnell, springt von einem Jahr ins nächste und wieder zurück, eine Pause muss der Richter anordnen. Und weiter geht es. „Das ist keine Freundschaft, das ist eine völlige Überwachung, ein völliges Ansichziehen aller Dinge“, habe sie damals zu ihrem Mann gesagt. Erst nach Jahren habe sie gesehen, wie ihr Mann unter dem Druck gelitten habe.

„Mein Mann hat getan, was Arafat gesagt hat“

Bushido hatte seine Beziehungen zu Abou-Chaker nach mehr als einem Jahrzehnt privatem und geschäftlichem Miteinander aufgelöst. Dieser habe das laut Anklage nicht akzeptieren wollen und unberechtigt eine Millionen-Zahlung sowie die Beteiligung an Bushidos Musikgeschäften für 15 Jahre gefordert. Der Rapper sei bedroht, beschimpft, im Januar 2018 in einem Büro eingesperrt und mit Wasserflasche und Stuhl attackiert worden.

Anna-Maria Ferchichi gilt als starke Frau an Bushidos Seite. Er habe es ihr zu verdanken, dass er die Trennung von Arafat Abou-Chaker gewagt habe, hatte der Rapper im Prozess gesagt. Als er von der Bedrohung seiner Familie im November 2018 erfuhr, habe er zunächst aus „Angst und Ehre“ geschwiegen. Im Januar 2019 habe er dann gegen Arafat Abou-Chaker bei der Polizei ausgesagt.

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Warum sie nicht schon früher mit der Faust auf den Tisch geschlagen habe, will der Richter wissen. „Ich habe so angekämpft gegen dieses Konstrukt, noch und nöcher, immer wieder hab ich dagegen gekämpft“, sagt die werdende Mutter. Es sei wie in einem Schauspiel gewesen, in der jeder seine Rolle gehabt habe und ihr Mann der Gefangene gewesen sei. „Mein Mann hat getan, was Arafat gesagt hat.“

Sie kämpft mit den Tränen, als sie erzählt, wie sie nach einer Ohrfeige Bushidos und Arafat Abou-Chakers Drohungen in ihrer Küche mit Hilfe der Polizei auszieht und sich von Bushido trennt.

Doch sie sei zu ihrem Mann zurückgekehrt, unter der Bedingung, Arafat aus ihrem Privatleben herauszuhalten. „Und das hat er gemacht.“ Die Befragung sollte am Mittwoch fortgesetzt werden. In dem seit zehn Monaten laufenden Prozess sind Termine bis Dezember festgelegt.

RND/dpa

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