Ex-Tennisstar in London vor Gericht

Boris Becker über seine Insolvenz: „Ich habe mich geschämt, dass ich pleite war“

Boris Becker trifft am Gericht ein.

Boris Becker trifft am Gericht ein.

London. Seit einer Woche steht Boris Becker in London vor Gericht. Wartet mit seiner Partnerin Lilian de Carvalho Monteiro gegen 9 Uhr morgens in der Schlange. Geht durch dieselbe Sicherheitskontrolle wie Anwälte und Journalisten. Leert im Zuge dessen immer wieder aufs Neue seinen schwarzen Trolley oder auch Kisten gefüllt mit Aktenordnern, lässt sich von den Mitarbeitern des Sicherheitspersonals mit einem Metalldetektor abscannen. Warum er den öffentlichen Eingang wählt? Vielleicht, weil vor dem Gericht alle gleich sind und er ohnehin erscheinen muss. Vielleicht aber auch, um dem Eindruck entgegenzuwirken, dass er etwas zu verbergen hat.

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Denn schließlich ist es das, was ihm die Staatsanwaltschaft unterstellt. Becker soll im Zuge seines Insolvenzverfahrens, das 2017 startete, Vermögenswerte unterschlagen haben, darunter Wohnungen, Gelder und Pokale. Boris Becker, der mit 17 Jahren der jüngste Wimbledon-Gewinner der aller Zeiten war, setzt angesichts der Anschuldigungen jedoch auf Sieg und weist alle 24 Anklagepunkte der Staatsanwaltschaft zurück. Im Fall einer Verurteilung drohen Becker bis zu sieben Jahre Haft. Im Vorfeld kündigte sein Verteidiger Jonathan Laidlaw an, dass dabei vor Gericht auch viele persönliche Dinge zur Sprache kommen würden.

Schwierig, mit „seinem Namen“ ausreichend Geld zu verdienen

Am Montag war es dann so weit. Boris Becker nahm er auf der Anklagebank Platz, um sich ausführlich zu seinem Fall zu äußern. Seine Insolvenz im Jahr 2017 sei „ein Schock“ gewesen, sagte der 54-Jährige: „Ich habe mich sehr geschämt, weil es in der ganzen Welt Schlagzeilen machte. Ich ging durch die Tore von Wimbledon und es war in den Nachrichten. Es war mir sehr peinlich, dass ich pleite war.“

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Dabei ging es zu Beginn der Befragung vor allem darum, zu klären, wie er überhaupt in solch eine Lage geraten konnte. Denn schließlich saß Becker vor einer Jury, in welcher die meisten nicht etwa Millionen, sondern im Schnitt nur etwa 30.000 Pfund (rund 35.000 Euro) pro Jahr verdienen. Warum Boris Becker dennoch in finanzielle Probleme geriet und schließlich den Überblick verlor, versuchte sein Verteidiger zu verdeutlichen.

Dabei reichten die Fragen Jonathan Laidlaws an den früheren Tennisstar weit zurück, bis zu den Anfängen der Karriere. Becker habe sich, so wird im Verlauf der Aussage deutlich, schon damals vor allem auf seine Berater verlassen. Sie hätten alles für ihn geregelt, damit er sich auf seine Karriere konzentrieren konnte. Dabei habe er auf deren Expertise vertraut, wie er betonte. „Ist das etwas, das sie bis zuletzt so gehandhabt haben?“, will sein Verteidiger wissen. „Leider ja“, antwortete Becker mit ruhiger Stimme, in der Reue mitschwingt.

Prozessauftakt gegen Boris Becker: Es drohen bis zu sieben Jahre Haft

Am Montag startete in London der Prozess gegen Boris Becker – für den ehemaligen Tennis-Profi geht es um sehr viel.

Während sich Becker als Tennisprofi noch einen großen Stab von Beratern habe leisten und diverse Wohnungen schlicht habe „cash“ bezahlen können, habe sich seine finanzielle Lage im Laufe der Jahre zusehends verschlechtert. Es sei, wie Becker sagte, immer schwieriger geworden, mit „seinem Namen“ ausreichend Geld zu verdienen. Als Grund führte der 54-Jährige unter anderem an, dass die deutsche Presse auf seine Ehe mit Barbara Becker, einer schwarzen Frau, negativ reagiert habe. Dabei antwortet er immer kurz und knapp und nur exakt auf die Frage seines Verteidigers.

Während seine Einnahmen also stetig gesunken seien, blieben die Ausgaben hoch und stiegen unter anderem durch die Scheidung von Barbara Becker im Jahr 2001 schließlich weiter. Erwähnt wurden dabei auch die Unterhaltszahlungen für seine Söhne in Höhe von rund 25.000 Dollar (rund 23.000 Euro) im Monat.

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Darum verkaufte Becker seine Finca nicht

Als sich die finanzielle Lage im Verlauf der Jahre weiter zuspitzte, habe Becker versucht, im Jahr 2015 seine Finca auf Mallorca zu verkaufen. Dazu kam es jedoch nicht, wie dieser betonte. Unter anderem, weil er nicht mehr den gewünschten Wert erzielen konnte, da zu diesem Zeitpunkt allgemein bekannt gewesen sei, dass er diese verkaufen müsse. Er habe jedoch bis zum Beginn des Insolvenzverfahrens im Jahr 2017 gehofft, dass sich dieses durch den Verkauf des Anwesens, welches laut Becker mehrere Millionen Euro wert sei, doch noch abwenden lasse.

Besonders bitter für Becker ist wohl, dass sein Insolvenzverfahren vermutlich schon beendet sein könnte. Denn diese dauern in Großbritannien nur ein Jahr. Der leitende Insolvenzverwalter Mark Ford, der auch im Verlauf des Prozesses zu Wort kam, beschwerte sich im Jahr 2018 jedoch darüber, dass Teile des Vermögens von Boris Becker nicht auffindbar seien, darunter der Erlöse aus Verkäufen sowie Pokale aus seiner aktiven Zeit als Tennisspieler. Das Verfahren zog sich daraufhin in die Länge.

Die Verhandlung selbst geht aktuell jedoch deutlich schneller voran als erwartet. Die Beweisaufnahme soll laut Angaben der Staatsanwaltschaft womöglich schon Mitte der Woche geschlossen werden. Danach erfolgen die Schlussplädoyers durch den Verteidiger sowie die Anklägerin sowie eine Zusammenfassung des Falls durch die Richterin. Schließlich zieht sich die Jury zur Beratung zurück, um daraufhin zu verkünden, in welchen Punkten sie Becker für schuldig oder auch unschuldig hält. Die Richterin entscheidet auf dieser Grundlage dann über das Strafmaß.

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