Erfolg im Zivilprozess

Depp versus Heard: Jury gibt Johnny Depp vor Gericht recht – größtenteils

Laut Urteilsschrift hat Johnny Depp das Zivilverfahren gegen seine Ex-Frau Amber Heard gewonnen – doch zu welchem Preis kommt der Sieg?

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Pyrrhussieg für Johnny Depp: Der US-Schauspieler hat im Zivilprozess gegen seine Ex-Frau und Kollegin Amber Heard einen Erfolg erzielt. Die Geschworenen bestätigten am Mittwoch Depps Vorwurf, Heard habe ihre Missbrauchsvorwürfe gegen ihn erfunden. Zugleich gaben sie auch Heard recht, die erklärt hatte, sie sei von Depps Anwalt verleumdet worden, als dieser ihre Missbrauchsvorwürfe als Schwindel bezeichnete.

Das Gericht in Fairfax im Staat Virginia sprach Depp 10,35 Millionen Dollar (rund 9,65 Millionen Euro) Schadenersatz zu und Heard zwei Millionen Dollar. Damit fand ein Zivilverfahren ein Ende, das vor einem weltweiten TV-Publikum zur Schlammschlacht ausgeartet war. Experten befanden, dass sowohl Depps als auch Heards Ruf nun völlig ruiniert sei.

Johnny Depp gewinnt Prozess gegen Amber Heard fast vollständig

Schauspieler Johnny Depp erringt fast vollständigen Sieg gegen seine Ex-Frau Amber Heard.

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Keine Reaktion von Heard bei Urteilsverkündung

Heard nahm das Urteil unbewegt entgegen und erklärte später, sie sei untröstlich, besonders im Hinblick darauf, was es für andere Frauen bedeute. „Es ist ein Rückschlag. Es stellt die Uhr zurück auf eine Zeit, in der eine Frau, die sich zu Wort meldete und ihre Meinung sagte, öffentlich gedemütigt werden konnte. Es hält die Idee auf, dass Gewalt gegen Frauen ernst genommen werden muss“, twitterte sie.

Depp war nicht im Gerichtssaal und erklärte, die Geschworenen hätten ihm sein Leben zurückgegeben. „Ich hoffe, dass mein Bemühen um die Wahrheit anderen Männern und Frauen, die sich in meiner Situation befinden, geholfen hat und dass diejenigen, die sie unterstützen, niemals aufgeben“, schrieb er auf Instagram.

Heard hatte Depp in einem Gastbeitrag für die Zeitung „Washington Post“ Missbrauch und häusliche Gewalt vorgeworfen. Depps Name wurde in dem Artikel nicht genannt, doch sahen er und seine Anwälte einen klaren Hinweis auf Vorwürfe, die Heard im Rahmen ihrer Scheidung 2016 erhob. Der Star der Piratenfilme „Fluch der Karibik“ verklagte Heard wegen Verleumdung auf Zahlung von 50 Millionen Dollar. Heard antwortete mit einer Gegenklage auf 100 Millionen Dollar.

Gastbeitrag aus Bosheit?

Depp musste nicht nur beweisen, dass er Heard nie geschlagen hatte, sondern auch, dass ihr Gastbeitrag aus Bosheit geschrieben wurde, ihn verleumdet und seinen Ruf geschädigt hat. Der größte Teil des Zivilprozesses drehte sich um die Frage, ob Depp Heard tatsächlich misshandelt hat. Dabei kamen zahlreiche hässliche Details aus ihrer nur knapp anderthalb Jahre währenden Ehe ans Licht. Millionen Zuschauer verfolgten das Verfahren im Fernsehen. In Internetmedien wurde jede Regung der einstigen Eheleute verfolgt und kommentiert.

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Heard sagte aus, Depp habe sie mehrere Male körperlich und sexuell attackiert. Zur Sprache kam etwa ein angeblich handgreiflicher Streit in Australien, wo Depp eine Fortsetzung der Piratenfilmsaga „Fluch der Karibik“ drehte. Dort soll er bei der Auseinandersetzung eine Fingerkuppe verloren haben. Heard gab wiederum an, Depp habe mit einer Schnapsflasche einen sexuellen Übergriff auf sie verübt.

Heard, die Aggressive in ihrer Beziehung?

Depp bestritt, jemals gewalttätig gegenüber Heard gewesen zu sein. Vielmehr sei sie die Aggressive in ihrer Beziehung gewesen. Beide warfen sich gegenseitig vor, die Karriere des jeweils anderen zerstört zu haben.

Depp sagte in seinem Schlusswort, der Prozess habe ihm die Chance geboten, seinen Namen reinzuwaschen, nachdem ihm in einem Verfahren in Großbritannien bescheinigt worden war, dass er als Ehefrauenschläger bezeichnet werden dürfe. Heard nannte den Prozess eine Heimsuchung, weil Depp eine Schmutzkampagne gegen sie losgetreten habe.

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Die Jury musste nicht nur darüber befinden, ob es Misshandlungen gab, sondern auch, ob Heards Zeitungsbeitrag rechtlich als Verleumdung eingestuft werden kann. Die siebenköpfige Jury beriet für etwa zwölf Stunden verteilt über drei Tage und musste einstimmig entscheiden.

10,35 Millionen Dollar Schadenersatz für Depp

Die Geschworenen sprachen Depp zehn Millionen Dollar Schadenersatz zu und fünf Millionen Dollar Strafschadenersatz. Die Richterin Penney Azcarate erklärte jedoch, die zweite Summe werde aufgrund der Gesetze in Virgina auf 350 000 Dollar begrenzt. Dadurch erhält Depp 10,35 Millionen Dollar.

Bei der Prüfung von Heards Gegenklage berücksichtigte die Jury drei Aussagen eines Anwalts von Depp. Die Geschworenen kamen dabei zum Schluss, dass eine der Äußerungen den Tatbestand der Verleumdung erfülle: Der Anwalt hatte Heard zu Unrecht vorgeworfen, dass sie gemeinsam mit Freunden das Zuhause verwüstet habe, das sie mit Depp bewohnt habe, um diesen vor der Polizei schlecht zu machen.

Eric Rose, ein in Los Angeles ansässiger Experte für Kommunikation und Krisenmanagement, sieht die Reputation der Ex-Eheleute nachhaltig beschädigt. In dieser Hinsicht habe das Verfahren keinen Gewinner hervorgebracht, sagte er. „Sie haben sich gegenseitig zerfleischt.“ Es werde für Filmstudios nun schwieriger werden, Depp oder Heard anzuheuern, da die Studios Gefahr liefen, einen großen Teil ihres Publikums potenziell zu verprellen. Denn die Fans seien jetzt in Anhänger von Depp oder Heard gespalten.

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Seine Piratenrolle als Captain Jack Sparrow in „Fluch der Karibik“ hat Depp bereits verloren, für den dritten Film der Fantasy-Reihe „Phantastische Tierwesen“ wurde er letztlich ersetzt. Heards Karriere als Schauspielerin war bisher überschaubar: Ihr bleiben fürs erste nur zwei Projekte: eine Nebenrolle in einem kleinen Film sowie die Fortsetzung von „Aquaman“, die im kommenden Jahr in die Kinos kommen soll.

RND/AP

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