Schließungen wegen Corona

Weniger Klassenfahrt, mehr Familien: Wie sich die Jugendherbergen in Deutschland verändern

Moderne Gestaltung: Die Jugendherberge in Nottuln (NRW).

Moderne Gestaltung: Die Jugendherberge in Nottuln (NRW).

In den vergangenen zwei Jahren hat das Deutsche Jugendherbergswerk (DJH) 21 Unterkünfte schließen müssen. Von 441 Häusern im Jahr 2019 bestehen aktuell noch 422. Der Verband hatte es in der Pandemiezeit nicht leicht: Während der Lockdowns blieben die Häuser geschlossen, Ausnahmen bildeten kurzzeitige Umwidmungen zum Beispiel als Impfzentren.

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Die Kerngeschäfte der Jugendherbergen sind und bleiben jedoch klassischerweise Schulklassen und Gruppen, die auch zwischen den Lockdowns nur verhalten Reisen mit vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern gebucht haben.

„Arge Existenznöte“ beim DJH Mecklenburg-Vorpommern

Das hat vor allem lokal Spuren hinterlassen: Sein Verband sei in „arge Existenznöte“ geraten, sagte Kai-Michael Stybel, Vorstandsvorsitzender des DJH-Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern, der Deutschen Presse-Agentur im April.

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Zum Vergleich: Während die gesamte Übernachtungsbranche in Mecklenburg-Vorpommern laut statistischem Amt im Jahr 2020 einen Verlust von 18 Prozent verzeichnete, lagen die Kinder- und Jugendreiseanbieter dort im Segment „Jugendherbergen und Hütten“ bei minus 57 Prozent.

Deutschlandweit bietet sich ein ähnliches Bild: 2021 habe man insgesamt 910.000 Übernachtungen durch Schul- und Klassenfahrten gezählt, etwa 260.000 mehr als 2020 – aber eben auch rund 2,7 Millionen weniger als 2019. Zusammen mit den übrigen Gästen wie Familien oder anderen Gruppen verzeichnet das DJH im vergangenen Jahr rund 3,9 Millionen Übernachtungen (300.000 mehr als 2020 mit rund 3,6 Millionen). Im Jahr 2019 sind es rund sechs Millionen mehr gewesen (insgesamt 9,8 Millionen).

In Mecklenburg-Vorpommern schließt fast ein Drittel der Jugendherbergen

Zur anlaufenden Saison in Mecklenburg-Vorpommern öffnet jetzt fast ein Drittel weniger als vor der Pandemie ihre Pforten. Während dort im Jahr 2019 noch 16 Jugendherbergen Gästinnen und Gäste begrüßten, seien es drei Jahre später noch elf Häuser. Unter anderem in Güstrow, Zingst und Ueckermünde mussten Unterkünfte schließen.

Stralsund: Blick auf ein Unterkunftsgebäude auf dem Gelände der Jugendherberge in Stralsund.

Stralsund: Blick auf ein Unterkunftsgebäude auf dem Gelände der Jugendherberge in Stralsund.

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Die Gründe für dauerhafte Schließungen in ganz Deutschland seien allerdings nicht nur auf Corona zurückzuführen, sondern auf vielschichtige Gründe wie zum Beispiel den Brandschutz, erklärt Justin Blum, Sprecher des DJH. „Grundsätzlich lässt sich festhalten, dass das Deutsche Jugendherbergswerk nach wie vor über eine Vielzahl an Häusern im ganzen Land verfügt und es im Zuge der Pandemie (zum Glück) zu keinem größeren Verlust an Jugendherbergen gekommen ist“, bilanziert Blum gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

Nachfrage zieht wieder an

Für das kommende Jahr stelle man „eine große Nachfrage an allen Standorten“ fest, nicht nur bei den Unterkünften am Wasser. „Wir sind zuversichtlich, in diesem Jahr einen guten Schritt nach vorne zu machen“, sagt Blum. Dazu wolle man gezielt Lehrende und Schulen ansprechen und sie bei der Reiseplanung unterstützen.

Der Schriftzug „Jugendherberge“ steht vor der Jugendherberge in Stralsund.

Der Schriftzug „Jugendherberge“ steht vor der Jugendherberge in Stralsund.

Für die Schülerinnen und Schüler sei es wichtig, wieder gemeinsam im Klassenverbund zu verreisen. „Jetzt gilt es, diese wichtigen Erlebnisse und auch das außerschulische Lernen schnellstens wieder möglich zu machen, um die weiterhin spürbaren Folgen der Pandemie abzufedern“, sagte DJH-Hauptgeschäftsführer Julian Schmitz. Die Reisen im Klassenverband und in Gruppen seien wichtig „für Kinder und Jugendliche sowohl für die eigene als auch für die Entwicklung in der Gemeinschaft“, so Schmitz.

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Familienurlaub in Jugendherbergen zunehmend beliebt

Aufwind habe man während der Pandemie bei den Buchungen durch Familien festgestellt, vor allem in den Ferienzeiten. „Besonders gefragt bei Familien sind die DJH-Jugendherbergen am Wasser“, sagt Blum. Mutter, Vater und Kinder haben die Zimmer der Jugendherbergen laut Blum als „günstige und lohnenswerte, weil auch nachhaltige Alternative für den Kurztrip oder den Urlaub neu entdeckt.“

Dieser Trend halte auch im Jahr 2022 weiter an. „Sehr beliebt sind zum Beispiel unsere Jugendherbergen im Bereich ‚Außergewöhnlich übernachten‘“, sagt Blum und verweist auf Zimmer in Baumhaus, Boot, historischem Umformwerk und weitere.

mit dpa

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