Mallorca meldete falsche Corona-Zahlen: Reisewarnung bleibt

Militärangestellte in Palma de Mallorca überwachen die Meldung von Corona-Fällen.

Militärangestellte in Palma de Mallorca überwachen die Meldung von Corona-Fällen.

“Der Tourismus ist weg, und der kommt auch erst mal nicht wieder” – das sagte ein deutscher Tourist auf Mallorca etwa eine Woche, nachdem das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für die Baleareninsel ausgesprochen hatte. Das war am 14. August, seit fast einem Monat gilt Mallorca inzwischen als Risikogebiet. Während im September normalerweise die Hauptsaison langsam ausklingt, bietet sich im Corona-Jahr 2020 ein anderes Bild: Viele Hotels, Restaurants und Geschäfte sind geschlossen, die beliebte Playa de Palma wirkt wie leergefegt.

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In den vergangenen Tagen sah es so aus, als wäre Besserung in Sicht. Die Zahlen sanken deutlich, ein Mallorca-Urlaub in den Herbstferien schien möglich. Während der Wert der Neuinfektionen auf sieben Tage zum Zeitpunkt der Einstufung zum Risikogebiet bei 66,81 pro 100.000 Einwohner lag – und damit deutlich über dem kritischen Wert von 50 – und sogar noch weiter anstieg, sank die Sieben-Tage-Inzidenz nun vier Tage in Folge auf unter 40 geblieben, das berichtet das “Mallorca Magazin”.

Doch nun kommt alles anders. Adé Herbsturlaub, es wird wohl bei der Reisewarnung bleiben: Wie die “Mallorca Zeitung” berichtet, wurden zehn Tage lang falsche Zahlen aus Mallorca nach Madrid gemeldet. Ein Übertragungsfehler habe die niedrigen Zahlen zu verantworten - tatsächlich aber liege der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen 14 Tagen bei 120 bis 170. Die Zeitung beruft sich auf Eugenia Carandell, Direktorin im balearischen Gesundheitsministerium.

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Die Inzidenz ist ein entscheidendes Kriterium für die Bundesregierung für die Einstufung von Regionen und Ländern als Risikogebiete. Sie prüft, wie viele Menschen sich innerhalb der vergangenen sieben Tage durchschnittlich auf 100.000 Einwohner infiziert haben, der Grenzwert ist 50. Der “Informatikfehler” auf Mallorca solle binnen zwei Tagen behoben werden, es dann werden wieder verlässlich Neuinfektionen mit Covid-19 erfasst.

Auswärtiges Amt: “Maßgeblich sind konsistente Trends”

“Wir verfolgen die Lageentwicklung und das Infektionsgeschehen auch auf den Balearen intensiv”, hieß es am Freitag aus dem Auswärtigen Amt gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Die derzeit bestehende Einstufung als Risikogebiet und die Teilreisewarnung könnte aufgehoben werden, wenn sich die Sieben-Tage-Inzidenz unterhalb des Schwellenwertes von 50 Fällen pro 100.000 Einwohner kumulativ in den letzten sieben Tagen stabilisiere. “Maßgeblich sind dabei aber konsistente Trends”, so ein Sprecher des Auswärtigen Amtes.

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Thomas Bareiß, hatte hingegen schon Ende August Hoffnung gemacht: Würden die Zahlen unterschritten werden, könne auch wieder “aufgemacht” werden, sagte er dem Sender ntv. Am Freitag zeigte er sich noch optimistisch bezüglich einer baldigen Öffnung: “Die Zahlen gehen wieder zurück. Das heißt, wenn wir in den nächsten Tag vielleicht auch vom RKI das grüne Licht bekommen, damit dann das Reisen auf Mallorca auch wieder möglich ist.” Mit den neuen Zahlen rückt eine Öffnung von Mallorca aber wieder in weite Ferne.

Mallorca: Petition für Aufhebung der Reisewarnung

Unabhängig der Corona-Infektionszahlen, die sich auch in Mallorca oft auf lokale Hotspots zurückführen lassen, sorgt die Reisewarnung für Unmut auf der Insel. Es wurde sogar eine Onlinepetition gestartet, die eine Aufhebung der höchsten Warnstufe des Auswärtigen Amtes fordert. Bislang haben mehr als 4600 Menschen unterschrieben. Initiiert wurde die Unterschriftenaktion von Resident Mario Krsek, er will die Petition bei der deutschen Bundesregierung einreichen.

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Er schreibt zur Begründung seiner Forderung, dass sich die Fälle ohnehin auf wenige Bereiche der Insel – El Arenal de Llucmajor, Pere Garau/Son Gotleu und Inca – beschränken würden. Zudem sei die Reisewarnung für die Wirtschaft der Insel und die deutsche Tourismusbranche extrem schädlich. Der Stadtteil Son Gotleu ist am Wochenende sogar wieder in den Lockdown gegangen, Geschäfte wurden geschlossen, Menschen dürfen den Stadtteil nicht verlassen oder betreten, berichtet die “Südwest Presse".

Tatsächlich hat sich auf Mallorca inzwischen eine Art “Winterschlaf" breitgemacht. So haben beispielsweise 72 Prozent der Hotels geschlossen, weil zu wenig Gäste vor Ort sind, als dass die Öffnung sich wirtschaftlich rechnen würde. Auf der Insel trägt der Tourismus eigentlich rund 35 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, etwa 200.000 Arbeitsplätze hängen an dem Wirtschaftszweig. Doch nach der Reisewarnung stornierten die meisten Veranstalter die Buchungen – von Tui über DER Touristik bis Schauinsland.

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