von daniel kultau LINDHORST

„Ich bin ungern Statist“

von daniel kultau LINDHORST. Das Olympische Motto „Dabei sein ist alles“ reicht ihm allerdings nicht. Der beste Rollstuhl-Badmintonspieler Deutschlands peilt bei der ersten paralympischen Teilnahme seines Sports eine Medaille ein. „Ich bin ungern Statist“, verrät Wandschneider. „Ich möchte der erste deutsche Badminton-Spieler überhaupt sein, der Olympiasieger wird.“ Damit dies klappt und die Reise ins mehr als 9000 Kilometer entfernte Tokio Realität wird, muss er in den nächsten beiden Monaten den Grundstein legen. „Im Januar und Februar absolviere ich ein Intensivtraining, und im März steht dann das erste Turnier in der Türkei an.“

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Der 55-Jährige liegt in der Parabadminton-Weltrangliste aktuell auf Rang zwei. Nur der Südkoreaner Sam Seop Lee ist in der Behinderungsklasse WH-1 besser. In seinem Spezialrollstuhl muss er am Netz blitzschnell nach vorne und hinten fahren.

Seine bisherigen Reisen haben ihn schon durch die ganze Welt geführt. Mehr als ein Dutzend Länder hat er bereits, darunter Thailand, Guatemala und Südkorea. Zuletzt war das Urgestein der deutschen Nationalmannschaft in Australien und im südfranzösischen Rodez unterwegs. 27 Nationen schickten insgesamt 159 Athleten zu den Europameisterschaften in das kleine Städtchen. In dem Mekka für Blaukäseliebhaber lieferte Wandschneider auf dem Parkett in beeindruckender Weise ab und sicherte sich durch Siege im Einzel und Doppel gleich zweimal Gold. Bei den Australian Open in Geelong gelang ihm der dritte Platz. „Die Tiere und die Natur waren absolut beeindruckend“, blickt er auf seine erste Reise nach Down Under zurück.

Wandschneider trainiert sechsmal die Woche, täglich vier bis fünf Stunden. Praktisch: Der erste Bundesolympiastützpunkt für Parabadminton eröffnete vor wenigen Tagen in Hannover. Der vierfache Vater und Großvater verbringt die Hälfte des Jahres in Lindhorst, die andere Hälfte ist er in Spanien, wo er gleichzeitig Ferienhäuser vermietet. Seit einem Unfall im Jahr 2000 sitzt er inzwischen im Rollstuhl, seit 2001 spielt er in diesem Badminton, bemerkt aber inzwischen auch Verschleißerscheinungen „vor allem im Bereich der Schulter“.

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Bis zu den Paralympics sind 16 Turniere angesetzt, acht von ihnen kommen in die Wertung – und die besten acht Spieler qualifizieren sich für Tokio. Unterstützt wird er von der Deutschen Sportstiftung, die ihn monatlich finanziell fördert. Der Deutsche Sportbund (DSB) sowie der Landessportbund Niedersachsen (LSB) übernehmen zudem die Kosten für vier Turniere. Mindestens acht, eher zwölf muss Wandschneider aber spielen. Um sich seinen Traum vom Olympiasieg ermöglichen zu können, ist der 54-Jährige auf Spenden angewiesen. Kurz vor Weihnachten bekam er von der Bückeburger „Praxisgemeinschaft Dr. Richter, Dr. Schulz und Weitkemper“ eine Finanzspritze in Höhe von 333,33 Euro. „So eine gute Sache unterstützen wir gerne“, sagte Andreas Schulz. Viele von Wandschneiders Kollegen sind Vollprofis und können sich voll und ganz auf den Sport konzentrieren.

Wandschneider hofft nun auf weitere Spenden, um sich die Reisen zu den Turnieren in aller Welt ermöglichen zu können. Informationen für Interessierte gibt es per E-Mail an t.wandschneider@outlook.de. Sollte genug zusammenkommen, hätten die Schaumburger einen großen Anteil am möglicherweise ersten Deutschen Olympiasieger im Badminton aller Zeiten.

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