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Segelfliegen

LSV Rinteln: Reinhard Schramme spürt grenzenlose Freiheit

Im Cockpit eines Segelflugzeugs fühlt sich Reinhard Schramme pudelwohl.

Im Cockpit eines Segelflugzeugs fühlt sich Reinhard Schramme pudelwohl.

Rinteln. Es ist nicht leicht, sich mit Reinhard Schramme zu verabreden. Sein Rhythmus wird nämlich vom Wetter bestimmt. Statt für Öffentlichkeitsarbeit interessiert er sich mehr für Thermik, Wolkenbildung und Windgeschwindigkeit. Der 68-Jährige ist Segelflieger, aber nicht irgendeiner. Er war zweimal Deutscher Meister, er war Europameister und er stand bei der Weltmeisterschaft auf dem Podium. Schramme war im Trainerteam der Deutschen Nationalmannschaft und ist heute beim Bundesligisten LSV Rinteln.

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„Er ist unser Coach und unsere treibende Kraft“, erklärt Vizepräsident Dieter Vogt seine Rolle. Dass Reinhard Schramme Menschen begeistern kann, liegt sicher auch an seiner Ausstrahlung – ruhig, ausgeglichen und stressresistent. Vor allem aber ist er ein Flugexperte, von denen es in dieser Ausprägung nur ganz wenige in Deutschland gibt. Deshalb ist er ein Glücksfall für den LSV Rinteln.

Luftfahrt pur

Schramme ist nicht nur mit den leichten Segelfliegern unterwegs, er war Kapitän bei der Lufthansa, flog mit der Boeing 747 jahrelang um die ganze Welt. Wenn er das nüchtern und seriös erzählt, kann man ihn sich gut in schicker Uniform in dieser Rolle vorstellen. Bis vor zehn Jahren machte er das, war jeweils fünf Tage nicht daheim in Obernwöhren, sondern irgendwo anders auf dem Planeten Erde.

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Doch der Segelflug war ihm eigentlich immer wichtiger. „Das ist Luftfahrt pur“, schwärmt er. „Es ist ein Spiel mit dem Wind, du brauchst Höhengewinn, du brauchst volle Konzentration.“ Die war zwar im hochtechnisierten Jumbo auch erforderlich, aber in der Segelfliegerei gehe die Faszination von der Einfachheit und dem ruhigen Einklang mit der Natur aus.

Das Wetter muss immer mitspielen

Dass er sein ganzes Leben der Fliegerei widmen sollte, zeichnete sich schon in der Kindheit ab. Er bastelte kleine Wurfmodelle, die durch den Garten segelten, sein Vater nahm ihn zu den Heeresfliegern mit. Deshalb war früh klar, dass er sich für die Aufnahmeprüfung bei der Lufthansa bewirbt. „Man braucht eine gute Tagesform und Glück, um das zu bestehen“, erinnert er sich. Schramme hatte beides, wurde in Bremen und in den USA für den Traumberuf des Piloten ausgebildet. Vorteilhaft für seinen Einstieg bei der Lufthansa war sicher auch, dass er bereits mit 16 Jahren mit dem Segelflugzeug unterwegs war. Als er 57 war, stieg er aus und widmete sich nun voll und ganz dem geliebten Hobby, in dem er so erfolgreich ist.

Dass der LSV Rinteln nach seiner letztjährigen Deutschen Meisterschaft und der zwischenzeitlichen erneuten Tabellenführung das Bayern München der Segelfliegerei wird, glaubt Schramme allerdings nicht. „Wir sind hier zwar ein unglaublich gutes Team, es ist ein echter Wohlfühl-Verein und es läuft alles perfekt“, sagt er. Doch im Segelflug gehöre mehr als im Fußball auch immer Glück dazu, besonders mit dem Wetter. Immerhin sei es aber gelungen, dass man in der deutschen Segelflugszene mittlerweile wisse, wo Rinteln genau liegt. Als der LSV in die deutsche Leistungsspitze vorstieß, gab es während der ersten Preisverleihungen bei den Offiziellen geografische Lücken. „Der LSV Rinteln wurde unterschätzt“, freut sich Schramme.

So funktioniert die Bundesliga

Doch wie genau funktioniert die Segelflug-Bundesliga eigentlich? Beim Fußball oder Handball müssen die Bälle ins Tor, aber wie wird die Leistung in der Luft gewertet? Geflogen wird immer an den beiden Tagen des Wochenendes und gemessen wird das Durchschnittstempo der besten drei Piloten der 30 Bundesliga-Vereine. Geflogen kann überall werden. Theoretisch könnte also der LSV Rinteln sein gesamtes Equipment einpacken und der guten Thermik hinterherfahren. Praktisch macht er das aber nicht. Das Durchschnittstempo wird direkt im Cockpit registriert und mit einem Index für das Segelflugzeug, mit dem man unterwegs ist, abgeglichen. So entstehen die Punktzahl und der Tabellenstand, der permanent im Internet abrufbar ist und über den Bildschirm in der öffentlichen Vereinsgaststätte „Cumulus“ des LSV Rinteln tickert.

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Segelflug ist unabhängig

Die Teamleistung besteht auch darin, dass sich befreundete Piloten per Funk gegenseitig über gute Bedingungen informieren. Geflogen wird bis 2000 Meter Höhe und auf Sicht. Seit einigen Jahren sind aber auch Kollisionswarner in den Flugzeugen eingebaut. Unfälle sind extrem selten, Außenlandungen bei ausbleibenden Aufwinden gehören aber zur Ausbildung und zum Geschäft. Dabei entstehen bisweilen schräge Geschichten. Als Reinhard Schramme zum Beispiel vor Jahren in der Nähe von Walsrode niederging, wurde er von der örtlichen Bäuerin mit großem Aufwand bewirtet. Später übergab sie ihm treuselig den Schlüssel zum Gehöft und verschwand mit freundlichem Gruß zum Sport.

Der positive Unterschied von Berufsfliegerei und Segelflug besteht für Schramme auch in der Unabhängigkeit: „Mit der Boeing war die Richtung vorgegeben und die Kontrolle perfektioniert. Hier bin ich mein eigener Herr und spüre tatsächlich grenzenlose Freiheit.“ Einen einzigen Nachteil habe das Segelfliegen aber. Das Hobby ist freizeitintensiv, weil es durch das Wetter fremdbestimmt ist. Reinhard Schramme verbringt deshalb nicht nur viel Zeit in der Luft, sondern auch auf dem Flugplatz in den Rintelner Wiesen. Seine Frau hat sich aber über die Jahre daran gewöhnt. „Zumindest weiß sie, wo ich gerade bin“, sagt Schramme.

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von Jörg Bressem

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