„Nur noch Schule und Fußball“

Jan Kaufmann freut sich auf das Werder-Internat, das im Bremer Weserstadion (im Hintergrund) integriert ist. pr.

Jan Kaufmann freut sich auf das Werder-Internat, das im Bremer Weserstadion (im Hintergrund) integriert ist. pr.

Der Weg dorthin war für den 14-jährigen Schüler des Rintelner Gymnasiums Ernestinum steinig, verbunden mit eiserner Disziplin und Durchhaltevermögen. „Ein Jahr lang dreimal in der Woche zum Training nach Bremen in den Werder-Sportpark, am Wochenende zum Spiel oder Turnier unterwegs in ganz Deutschland – über 40 Stunden pro Woche auf Achse für das große Ziel. Ein Zeitaufwand, der an die Substanz geht“, erzählt Jan Kaufmann. Vater Ralf Kaufmann fügt hinzu: „Meine Frau und ich haben in der letzten Saison insgesamt knapp 60000 Kilometer für den Fußball zurückgelegt.“

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Jan Kaufmann begann mit dem Fußballspielen im zarten Alter von vier Jahren in der G-Jugend des SC Rinteln (SCR). Schnell wurde sein Talent entdeckt. Weil er fast täglich mit seinen älteren Brüdern Tim und Felix auf der heimischen Wiese bolzte, lernte er schnell, sich gegen die Großen körperlich durchzusetzen. Dabei schaute er sich Tricks und technische Raffinessen ab und legte schon frühzeitig die Basis für taktisches Verhalten und kluges Abspiel.

Bis zu den D-Junioren blieb er beim SCR. Danach wechselte Jan zum TSV Pattensen, weil dort ein Ex-Jugendtrainer von Hannover 96 mit dem Nachwuchs auf hohem Niveau arbeitet. Das TSV-Team eilte von Sieg zu Sieg. Das blieb auch den 96-Scouts nicht verborgen, sie beobachteten die Spieler regelmäßig und boten dem Rintelner einen Wechsel zum Bundesligisten an. Ein zweites Angebot kam vom SV Werder Bremen.

Nach reiflichen Überlegungen entschied sich Jan zu einem Wechsel an die Weser in das U14-Team, mit der Option, nach einem Jahr in das Internat aufgenommen zu werden. „Das Fahren waren wir ja gewohnt“, so Vater Kaufmann. „Schon während der Saison in Pattensen ging es fünfmal in der Woche zum TSV – hin und zurück jedes Mal 130 Kilometer.“

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Die Wahl zugunsten von Werder fiel auch, weil das Leistungszentrum der Grün-Weißen den Talenten erstklassige Voraussetzungen wie ein perfektes Umfeld mit optimalen Trainingsanlagen bietet. Werder verstehe es als seine Aufgabe, talentierte junge Spieler leistungsgerecht sowohl im sportlichen als auch persönlichen, schulischen und beruflichen Bereich für die Zukunft auszubilden, so Ralf Kaufmann. Dafür würden optimale Rahmenbedingungen geschaffen. Dazu gehöre eine hohe Anzahl an hauptamtlichen Trainern mit Fußballlehrer-Lizenz.

Darüber hinaus wolle Werder Werte wie Fair Play, Toleranz und Respekt vermitteln. „Es ist schon beeindruckend, wie die Identifikation mit dem Verein und dem Gefühl, mit der Werder-Raute auflaufen zu dürfen, vermittelt wird. Das Ganze ist wie eine große Familie. Nachwuchs und Profi-Kicker nebeneinander – das ist hier eine Selbstverständlichkeit“, berichtet Ralf Kuhlmann.

Das Jahr in Bremen ist für den Nachwuchskicker seit Mai 2014 Stress pur. Nach der Schule geht es Dienstag, Donnerstag und Freitag um 14.30 Uhr auf Tour zum Training. Zwei bis drei Stunden nervtötende Fahrt auf der Landstraße, hin und zurück 280 Kilometer, dann Training von 17.30 bis 19 Uhr, anschließend Rückfahrt – Ankunft in Krankenhagen zwischen 21.30 und 22 Uhr. Aber der Tag ist für Jan dann noch nicht beendet. „Oft konnte ich die Hausaufgaben im Auto nicht vollends erledigen, der Rest musste dann halt am späten Abend gemacht werden“, sagt er. Am Wochenende geht es zum Punktspiel – sonnabends oder sonntags Abfahrt gegen 8 Uhr, Rückkehr nicht vor 16 Uhr.

Seit zwei Jahren ist Jan in eine Welt abgetaucht, in der sich fast alles um den Fußball dreht: „Für mich gibt es nur noch Schule und Fußball. Dafür betreibe ich einen immensen zeitlichen Aufwand. Weit über 70 Stunden bin ich in der Woche unterwegs.“ Alles wird dem großen Ziel – Profi-Fußballer – untergeordnet.

Das hat auch seine negativen Folgen. Soziale Kontakte brechen ab, Freundschaften schlafen ein.

Es wird geschätzt, dass eine erfolgreiche Karriere als Fußballer sich nur zu 30 Prozent auf das Talent gründe. Der Rest ist eiserne Disziplin, Zielstrebigkeit, Wille, unbändige Durchsetzungskraft, Fleiß und eine große Portion Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein Leistungsvermögen dem richtigen Trainer zeigen zu können.

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Jan Kaufmann ist für sein Alter schmächtig, eher klein, verfügt aber über eine große Spielintelligenz. Der Ball ist sein Freund, deshalb kann er sich auch immer wieder gegen körperlich robustere Konkurrenz erfolgreich in Szene setzen. Er gewinnt viele Zweikämpfe, hat ein Auge für die Spielsituation, für den richtigen Pass und Führungsqualitäten. Er weiß aber auch, dass man sich auf dem Erreichten nicht ausruhen darf. Für ihn gilt: „Training, Training und nochmals Training.“ Niemals ein „Kann ich schon“ – denn: „Es geht immer noch besser.“

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