Fußball / Interview

„250 Euro? Dann mache ich es besser selbst!“

Torben Brandt (links) und Führungsspieler Björn Schütte haben ein gemeinsames Ziel: Nicht nur erfolgreichen, sondern auch attraktiven Fußball spielen. Foto: jö

Torben Brandt (links) und Führungsspieler Björn Schütte haben ein gemeinsames Ziel: Nicht nur erfolgreichen, sondern auch attraktiven Fußball spielen. Foto: jö

Spielertrainer stehen häufig ganz besonders in der Kritik. Sie müssen mit einer guten Aufstellung und Taktik, aber daneben auch als Spieler überzeugen. Hat dieses Führungsmodell ausgedient?
Nein, denn es hat ja auch große Vorteile. Ich kann kein Theoretiker sein, weil ich mich der Aufgabe auf dem Platz selbst stellen muss. Ein Spielertrainer spürt unmittelbar, was dort passiert, kann deshalb besser auswechseln und weiß, in welcher Verfassung der Einzelne gerade ist. Ein Spielertrainer ist ganz dicht dran. Mit diesen Kenntnissen gebe ich meinen jungen Leuten gerne ganz persönliche Aufgaben, die allein dazu dienen, dass sie sich individuell verbessern.
Sie sind ein Verfechter des attraktiven Fußballs und können sich wunderbar darüber ärgern, wenn das Spiel anderer Mannschaften simpel angelegt ist.
Mir kann niemand erzählen, dass es Spaß macht, dem Gegner permanent hinterherzulaufen und destruktiv zu spielen, auch wenn es im Einzelfall womöglich erfolgreich ist. Wir arbeiten daran, das Spiel zu dominieren, wollen 70 Prozent Ballbesitz haben und den Ball laufen lassen. Wenn wir auswärts spielen, möchte ich, dass die Zuschauer sagen: "Hey, Nienstädt spielt aber wirklich guten Fußball!" Unser Spiel soll einen Wiedererkennungswert und eigenen Stempel haben. Wenn neutrale Zuschauer am Samstag nach Nienstädt kommen, weil sie unser Spiel attraktiv finden, dann haben wir unser Ziel erreicht. Meine Spieler müssen doch spüren, warum sich das Training und die Vorbereitung lohnt. Außer der vebesserten Kondition muss für sie wahrnehmbar sein, dass wir uns spielerisch verbessern. Nur Qualität setzt sich auf Dauer durch, davon bin ich überzeugt.
Ist die offensive Ausrichtung ein Grund, warum es der SV Nienstädt 09 im Sommer versäumte, seine wacklige Abwehr zu verstärken?
Rein nominell sind wir auch in der Defensive ausreichend versorgt, wenn ich davon ausgehe, dass uns Marc-Philipp Drewes und hoffentlich auch Stefan Horstmann wieder zur Verfügung stehen. Probleme hatten wir bisweilen in der Innenverteidigung, in der Sören Peters häufig sehr viel leisten musste. Um Verstärkungen haben wir uns durchaus bemüht. Mein Wunschkandidat hat mir aber erklärt, bei seinem derzeitigen Verein, einem Bezirksligisten, 250 Euro im Monat zu erhalten, sogar ohne jeglichen Leistungsnachweis. Wie sein Verein sich das leisten kann, ist mir schleierhaft. Da können und wollen wir nicht mithalten. Bei diesen Tarifen mache ich die Abwehrarbeit zur Not selbst.
Wie gelangen dem SV Nienstädt 09 trotz fehlender finanzieller Mittel so spektakuläre Neuverpflichtungen wie die von Jan Carganico?
Wenn wir mit neuen Spielern sprechen, geht es nicht ums Geld, sondern um sportliche Aspekte. Es muss sich fügen, und bei Jan Carganico und Julian Hoffmeyer weiß ich, dass sie sportlich und menschlich absolut zu uns passen. Jan hat seine Wurzeln übrigens in Nienstädt, Julian kann mit dem Fahrrad zum Sportplatz kommen. Bei unseren Personalaktivitäten achten wir darauf, dass die Spieler aus dem Umkreis kommen, schon allein wegen der entstehenden Fahrtkosten. Dass viele Spieler in unserer Jugend groß wurden und nun zu uns zurückkehren, zeigt, dass Nachwuchsarbeit häufig sehr positive Sekundäreffekte hat. Phi lipp Böhning mussten wir nicht groß umwerben. Er ist mit seinem Pass zu uns gekommen. Wir sehen uns durch solche Vorgänge bestätigt. Es scheint wieder Spaß zu machen, in Nienstädt Fußball zu spielen.
Wenn sich der SV Nienstädt 09 so gut verstärkte, dann müsste in der kommenden Saison eigentlich die Meisterschaft ein Thema werden.
Ich habe kein Problem, über Meisterschaft und Aufstieg in die Landesliga zu sprechen. Spielerisch gehörten wir schon in der letzten Saison zur Spitzengruppe. Wir sind diesmal sicher kein Titelfavorit, sehen aber unsere Chancen.
Und dann? Werden wir Torben Brandt eines Tages als Trainer des VfL Bückeburg erleben?
Ich werde immer ein Bückeburger Junge bleiben und habe diesem Verein sehr viel zu verdanken. Dort hat man mich in der Jugend mit dem Fußballvirus infiziert, dort spielte ich im Herrenteam und trainierte gleichzeitig eine Jugendmannschaft. Die Aufgabe eines Trainers liegt mir, und natürlich würde auch ich eines Tages gerne ein oder zwei Klassen höher unter professionelleren Bedingungen tätig werden.

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