Obernwöhren / Wolfgang Schophaus

„Als ich noch ein Kind war...“

6. August 1967: Wolfgang Schophaus (3.v.l.) bei der Einweihung des Jahnstadions in Stadthagen. Mit dabei Frank Degering, Helmut Tadge, Theo Kreft und Bengt-Olaf Koch.

6. August 1967: Wolfgang Schophaus (3.v.l.) bei der Einweihung des Jahnstadions in Stadthagen. Mit dabei Frank Degering, Helmut Tadge, Theo Kreft und Bengt-Olaf Koch.

Obernwöhren. Wolfgang Schophaus hat am 28. November 1947, 18 Monate nach seiner Schwester Monika, das Licht der Welt erblickt. Papa Willi hat seinen Prachtjungen allerdings nicht sehen können, weil er im Zweiten Weltkrieg sein Augenlicht verlor. So ganz viele Berufsmöglichkeiten gab es seinerzeit für Blinde nicht, und so wurde der zweifache Vater Masseur – weil die beruflichen Alternativen als Telefonist und Bürstenmacher weniger zusagten.

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Im Jahr 1952 erfolgte der Umzug ins benachbarte Stadthagen. Schophaus senior eröffnete seine eigene Praxis und der Junior schloss sich bald gleich zwei Vereinen an: Dem Schwimm-Club Stadthagen und dem FC Stadthagen.
Schwimmmeister Udo Görges erkannte das Talent und fortan wurden die Disziplinen Kraul und Rücken mit Hingabe geübt. Aber auch in der Badeanstalt an der Jahnstraße kam dem Ball eine besondere Bedeutung zu. Mit zunehmenden Alter gewann die Mannschaftssportart Wasserball an Bedeutung – das Abspulen der Bahnen wurde dem Heranwachsenden ein bisschen eintönig. Und weil Wolfgang mit so guten Mitspielern wie die Gebrüder Kuruk und Büsking, Uwe Kaschel und Bernd Fischer in der "Sieben" stand, ließ der Erfolg nicht lange auf sich warten. Die Wasserfreunde 98 Hannover und Tuspo Bad Münder bekamen es zu spüren.

Für den jungen Wolfgang hieß es deshalb, die freie Zeit nach Schulschluss gut zu managen – auch, weil ja noch „nebenbei“ Fußball gespielt wurde. Das war dem Vater gar nicht unangenehm, weil in seinen Adern „blaues Blut“ floss. Nicht das vom FC Stadthagen, sondern von FC Schalke 04. Beide Elternteile sind in Gelsenkirchen geboren und der Sprössling bekam die Folgen intensiv zu spüren: „Wenn Schalke gewonnen hatte, wurde das Taschengeld stets großzügig aufgerundet, bei Niederlagen wurde auf den Pfennig abgerechnet“, weiß das Multitalent heute noch nur zu genau.

Es kam dann, wie es kommen musste: Der Fußball behielt die Oberhand gegenüber dem Wassersport. Und in der A-Jugend-Sonderliga hatte Vorstopper Schophaus in der Partie gegen Hannover 96 die Aufgabe, den Jungstar und Torjäger Wilfried Ahnefeld auszuschalten. Das gelang ihm prächtig und Wolfgang schwärmt heute noch: "Das war eines meiner schönsten Spiele – weil ich zwei Buden gemacht habe."
Papa Willi bekam an der Seitenlinie alles hautnah mit, weil sein Freund Horst Albes ihm jede Spielszene in Form einer Rundfunkreportage vermittelte.

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Wie der Vater, so der Sohn: Also machte auch Wolfgang eine Ausbildung zum staatlich geprüften Masseur und medizinischen Bademeister in der Weinstadt Boppard am Rhein – und verlor ein wenig den Anschluss an die Leistungsmannschaften beim FC. Die Enttäuschung war riesig, als der gefühlte Neuzugang nur einen Platz in der „Vierten“ neben Friedhelm Schlüter zugewiesen bekam. Der Wechsel zu einem Nachbarverein war fast vollzogen, wenn nicht der damalige Trainer der „Ersten“, Gerd Albes, die Reißleine gezogen hätte. Mit dem Bus wurde der kompromisslose Abwehrkicker vor der Haustür abgeholt, gab beim MTV Rehren A.R. sein Debüt und war fortan Stammspieler.

Es wurde reichlich gewonnen und der Aufstieg in die Verbandsliga perfekt gemacht. Die exzellenten Leistungen des 21-jährigen Vorstoppers ließen aufhorchen. Und so wurde Wolfgang Schophaus von Trainer Hannes Kirk – Olympiateilnehmer und Deutscher Meister mit Hannover 96 – in die niedersächsische Juniorenauswahl berufen. Der Stadthäger erfüllte alle Erwartungen und stieg in das Seniorenteam auf.
Der Lohn für die intensive Trainingsarbeit konnte sich wahrlich sehen lassen: Eine vierwöchige Reise zu einem Turnier nach Indien. Eine völlig fremde Welt lag dem Schaumburger zu Füßen. Schlimmste Armut auf dem Lande und auch Prunk in den Millionenstädten Kalkutta und Delhi. Schophaus: "Ein einmaliges, ein unvergessenes Erlebnis!"

Peter Rühmkorb, späterer Bundesliga-Spieler bei Hannover 96, und Wolfgang Dremmler von Union Salzgitter kickten 1970 an seiner Seite. Dremmler ist dann über Eintracht Braunschweig beim FC Bayern München „gelandet“. Heute ist der 27-malige Nationalspieler Chefscout beim Rekordmeister.

Nach der Rückkehr aus Asien schloss sich der Auswahlkicker dem OSV Hannover an. Das Team aus der Oststadt hatte schon lange um ihn gebuhlt, und weil beim FC Vereinbarungen nicht eingehalten wurden, fiel der Abschied seinerzeit relativ leicht. Auch beim aufstrebenden OSV ließ der Erfolg nicht lange auf sich warten: In der Aufstiegsrunde setzte man sich gegen Eintracht Nordhorn, Sperber Hamburg und den Rendsburger TSV durch. Der Aufstieg in die Regionalliga, damals die höchste Klasse unter der 1. Bundesliga, war geschafft. Und fortan hießen die Gegner St. Pauli, VfL Wolfsburg, Holstein Kiel, VfL Osnabrück, VfB Lübeck und Bremerhaven 93.
Das Fazit: "Eine spannende, eine schöne Zeit – trotz der wenigen Freizeit." Doch nach zweieinhalb Jahren war die Ära Regionalliga beendet. Der DFB hatte die Einführung der 2. Bundesliga beschlossen und die Qualifikation stand an. Das hieß im Klartext: Es wurde nicht mehr an drei Abenden ab 18 Uhr trainiert, sondern an vier Tagen um 15 Uhr. Das war beruflich unvereinbar. Auch das Angebot, einen "Betriebs-Masseur" von VW zur Seite gestellt zu bekommen, konnte die Entscheidung nicht beeinflussen.

Beim FC Stadthagen gab es inzwischen einen neuen Trainer. „Unter Willi Schleich haben wir uns zwar spielerisch nicht verbessert – doch aufgrund unserer Superkondition so manche Partie in der Endphase für uns entschieden“, erinnert sich der einstige Krauler allzu gut.

Nach dem altersbedingten Abschied vom Fußball blieb Wolfgang trotzdem weiter am Ball. Nur wurde das Spielgerät etwas kleiner und war mit Filz umgeben. Aber nicht weniger erfolgreich: Gemeinsam mit Dieter Vehling, Reinhold Nolte und McHartmann wurde für den TuS Niedernwöhren zwei Jahrzehnte in der Tennis-Landesliga gespielt.

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Inzwischen hatte Wolfgang den 50. Geburtstag und eine Bandscheibenoperation hinter sich. Damit war jedoch seine „Sehnsucht“ nach Krankenhäusern noch nicht gestillt: Er erhielt in Berlin eine neue Hüfte, die ein Jahr später in Stadthagen ausgetauscht wurde, weil sie mit Bakterien verseucht war. Nach sechsmonatigem Klinikaufenthalt waren alle Sorgen vergessen. Doch der nächste Eingriff steht an.

Aus gutem Grund: Weil die Saunatruppe – bestehend aus ehemaligen Fußballern – einmal im Jahr das Werdenfelser Land zwischen Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald erwandert, möchte der Ex-Auswahlkicker demnächst nicht im Abseitsstehen und lässt sich deshalb ein neues Kniegelenk implantieren.

Wer Wolfgang Schophaus bei seinen letzten sportlichen Aktivitäten beobachten möchte, braucht sich nur an den Straßenrand zwischen Niedernwöhren und Stadthagen zu stellen. Jeden Tag, außer bei Eis und Schnee, pendelt er auf seinem Fahrrad zur Arbeitsstätte. Und zum Wochenausklang gibt es noch einen kleinen Spaziergang mit seiner Frau obendrauf.

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