Fußball / Lauenau

Das Dream-Team von Bernd Dierßen

So strahlt ein 53-Jähriger, der in seinem Fußballerleben nie eine Rote Karte gesehen hat.

So strahlt ein 53-Jähriger, der in seinem Fußballerleben nie eine Rote Karte gesehen hat.

Von Carsten Beck

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Fußball. In der Jugend tauschte der feine Techniker schon früh das heimische DSC-Trikot mit dem blauen Hemd von SV Arminia Hannover. Sein Talent blieb auch dem DFB nicht verborgen und so kickte der Schaumburger gemeinsam Pierre Littbarski, Lothar Matthäus und Rudi Völler in den Nationalmannschaften der Junioren. Später stand der laufstarke Mittelfeldspieler und Freistoßspezialist sechsmal in der U-21-Auswahl von Berti Vogts – Seite an Seite mit Jogi Löw.

 Nach fünf Zweitligajahren in Hannover – zwei bei Arminia, drei bei 96 – folgte der Wechsel zum FC Schalke 04. Bei den „Knappen“ erlebte der 1,72 Meter große und 64 Kilogramm leichte Ballkünstler seine erfolgreichste und schönste Zeit: Der Aufstieg in die 1. Liga wurde perfekt gemacht und beim Pokal-Halbfinal-Knüller gegen Bayern München wurde mit dem 6:6 (4:4) nach Verlängerung ein Stück Pokalgeschichte geschrieben. Nach vier Jahren im Ruhrgebiet ging es zurück in die niedersächsische Hauptstadt und es lief gut für „Shorty“ und für 96.

 Das änderte sich in der Saison 1988/89 total: Die „Roten“ stiegen ab und der 28-jährige Ideengeber Dierßen zog sich bereits in der zweiten Partie beim VfB Stuttgart einen Kreuzbandriss zu. Diese Verletzung war gleichbedeutend mit dem Ende der Profi-Laufbahn.

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 Mit knapp 31 Lenzen folgte der „Alt-Abiturient“ dem Ruf von Preußen 07 Hameln und kickte für vier Spielzeiten im Weserberglandstadion. Und „so ganz nebenbei“ erfolgte die Ausbildung zum Bankkaufmann. Später kam der Abschluss als Bilanzbuchhalter hinzu. Beim TSV Nettelrede gab es einen sechsmonatigen Probelauf als Trainer, bevor es für viereinhalb Jahre zum FC Stadthagen ging – davon die ersten drei als Spielertrainer. SV 09 Nienstädt und der 1. FC Egestorf/Langreder (zwei und drei Jahre) waren die nächsten und letzten Stationen in der Trainerlaufbahn des Bernd Dierßen.

 Und bei sämtlichen Vereinen gab es Sekt, weniger zum Abschied – dafür umso mehr bei den zu feiernden Meisterschaften und Aufstiegen.

 Mit seiner neuen Hüfte fühlt sich Bernd Dierßen als stellvertretender Direktor des Niedersächsischen Fußball Verbandes und als Geschäftsführer des Sporthotels Fuchsbachtal in Barsinghausen pudelwohl – auch mit dem Wissen, dass „irgendwann“ ein Kniegelenk „ausgetauscht“ werden muss.

 Fazit: Das aktive Fußballerleben von Dierßen Senior ist beendet, das des Juniors hat gerade erst begonnen. Tim spielt bei Hannover 96 und in der deutschen U-17-Auswahl – wie der Vater im Mittelfeld – ausgestattet mit einer „gesunden“ Grundschnelligkeit. Eine Eigenschaft, die dem Senior zum ganz großen Sprung fehlte.

 Bei seinem Dream-Team hat Bernd Dierßen bewusst auf ehemalige Arbeitskollegen aus dem Berufsfußball verzichtet. Umso mehr ist er mit seiner Nominierung zufrieden: „Das wäre schon eine reizvolle Aufgabe, diese Truppe zu trainieren!“ Dieses Privileg überlässt er aber gerne einem Radlergefährten.

 Die Elf von Bernd Dierßen: Motzner – Brinkmann, Könecke, Borghese, Blotni – Klatt – Baßler, Jelinek, Kristeleit – Hanses, Klein. Trainer: Kroll. Betreuer: Kaczmarek.

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  • Siegfried Motzner (Preußen 07 Hameln/Torwart): "Sigi war einer der führenden Köpfe bei den Weserstädtern und hatte massiven Anteil am Aufstieg in die Oberliga. Als Torwart besaß er enorme fußballerische Qualitäten, die seinerzeit aber noch nicht so gefragt waren. Der heutige Trainer von Schwalbe Tündern ist zugleich Vorsitzender des Lehrausschusses im NFV-Kreis Hameln/Pyrmont."
  • Dirk Brinkmann (SV 09 Nienstädt/rechter Außenverteidiger): "Zweikampfstärke und absolute Verlässlichkeit zählen zu seinen herausragenden Tugenden. Dirk ist nicht nur ein guter Fußballer, sondern auch ein angenehmer Mensch."
  • Jörg Könecke (FC Stadthagen, Preußen 07 Hameln/Innenverteidiger): "Die Aufgaben auf dem grünen Rechteck hat er stets mit "Auge" und seiner ausgefeilten Technik gelöst. Auch seine Schussstärke gehörte zu seinen Vorzügen – aber: Jörg war ein Sensibelchen."
  • Enrico Borghese (Preußen 07 Hameln, FC Stadthagen/Innenverteidiger): "Enner" ist nicht als begnadeter Fußballer auf die Welt gekommen und hat sich deshalb vieles erarbeiten müssen. Mit seinem Ehrgeiz, seiner Verbissenheit und seiner Zweikampfstärke war er als Mannschaftsspieler unverzichtbar. Enrico hat das Optimale aus sich herausgeholt."
  • André Blotni (FC Stadthagen/linker Außenverteidiger): "Der "Äthiopier" in der Mannschaft. André konnte laufen, laufen, laufen – und war zudem ein guter Fußballer. Mit seiner "Berliner Schnauze" hat er die anstehenden Dinge stets positiv angepackt."
  • Thomas Klatt (SV 09 Nienstädt/defensives Mittelfeld): "Thomas ist eine Persönlichkeit, war ein absoluter Führungsspieler. Mit seinen Fähigkeiten war er vielseitig einsetzbar – eine Allzweckwaffe."
  • Jan Baßler (1. FC Egestorf/Langreder/rechtes Mittelfeld): "Seine extreme Schnelligkeit, seine Zweikampfstärke, gepaart mit klugem strategischen Verhalten machten ihn so wertvoll. Jan hat stets gerne Verantwortung übernommen und ist heute noch ein guter Freund von mir. Als Rechtsanwalt leitet er die Robert-Enke-Stiftung."
  • Oliver Jelinek (FC Stadthagen/zentrales Mittelfeld): "Eine "Zaubermaus" mit Spielmacherqualitäten. Da muss man auch im Profi-Bereich schon sehr intensiv suchen, um einen technisch so perfekten Kicker zu finden. Es ist eben Fakt, dass Linksfüßer (Puskas, Maradona, Overath, Messi) etwas Besonderes im Fußballsport bewirken. "Oli" hat einfach Spaß bereitet."
  • Helge Kristeleit (1. FC Egestorf/Langreder/linkes Mittelfeld): "Ein laufstarker Spieler mit Herz, Kopf und Leidenschaft. Helge ist ein super Mensch mit einem hohen Engagement."
  • Christoph Hanses (Preußen 07 Hameln/Angriff): "Chris kam über seinen Heimatverein Werder Bremen (vier Bundesligaspiele) und dem SV Meppen (2. Liga/Stammkraft) in die kleinere Weserstadt. Obwohl schon älter, präsentierte er sich in bester körperlicher Verfassung. Absolute Ballsicherheit – auch bei hohem Tempo – zeichneten ihn aus. Dazu wusste er, wo das Tor stand."
  • Heiner Klein (Preußen 07 Hameln, FC Stadthagen/Angriff): "Die Oberliga hätte für Heiner nicht die sportliche Endstation sein müssen. Das Potenzial für höhere Aufgaben war gegeben. Die Grundschnelligkeit und die Schussstärke zählten zu seinen herausragenden Qualitäten."
  • Walter Kroll (DSC Feggendorf-Lauenau/Trainer): "Eine verschworene Gemeinschaft aus Feggendorf genießt traditionell jährliche Radtouren an den Rhein und an die Mosel. Dazu gehört auch Walter mit seiner menschlichen Art und seinem kompetenten Fachwissen rund um den Fußball. Zudem ist er ehrgeizig und impulsiv – geht aber trotzdem stets respektvoll mit seinem Gegenüber um. Walter Kroll ist ein Typ und würde gut zu dieser Mannschaft passen."
  • Martin Kaczmarek (1. FC Egestorf/Langreder/Betreuer): "Martin kommt aus meinem Dorf und ist im positiven Sinne fußballverrückt. Er ist absolut zuverlässig und gibt sein "letztes Hemd" für sein Hobby, für seine Mannschaft."

Bernd Dierßen

  • "Den Namen "Shorty" hat mir Trainer Didi Ferner gegeben. Aber nicht primär wegen meiner Körpergröße, sondern weil mit Gorski noch ein Bernd in unserem Kader stand."
  • "Der vorzeitige Abschied beim FC Stadthagen nach viereinhalb Jahren hat schon weh getan."
  • "In Nienstädt war es eine menschlich schöne Zeit. Auch deshalb habe ich später noch einmal für ein halbes Jahr ausgeholfen."
  • "Die Freude über die Aufstiege war jedesmal groß. Da gehörten bei mir auch Tränen dazu."

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