Lichtgestalt

Der beste Stajner aller Zeiten

Auch vor dem Heimspiel der „Roten“ gegen Borussia Dortmund hat dieses Bild nichts von seiner Symbolkraft verloren, denn wenn bei 96 zurzeit einer etwas Hoffnung ausstrahlt, dann ist es Stajner. Jiri, der Retter, die Lichtgestalt in schwierigen Zeiten: Wer hätte das gedacht?

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Auch der Stürmer ist erstaunt über die wichtige Rolle, die er im Abstiegskampf der „Roten“ spielt. Allein schon deshalb, weil er nicht damit gerechnet hatte, in dieser Saison überhaupt so oft für 96 zu spielen. „Das ist auch für mich überraschend“, sagt der 32-Jährige, der es bislang auf 17 Einsätze gebracht hat. Jan Schlaudraff, Mikael Forssell, Mike Hanke und Jan Rosenthal: Die Konkurrenz in der 96-Offensive ist groß, doch seit dem Ende der Hinrunde ist Stajner die einzige Konstante. Selbst in den schlimmen Auswärtsspielen wie zuletzt beim 1:5 in München lässt er sich nicht hängen, kämpft auch noch dann, wenn die anderen schon längst aufgegeben haben. Und er trifft: Sechs Tore hat er in dieser Spielzeit erzielt. Damit ist Stajner 96-Torjäger Nummer 1 – auch das überrascht.

Gute Leistungen durch konstantes Spiel, das war beim Tschechen nicht immer so. Erleben die 96-Fans zurzeit den besten Stajner aller Zeiten? „Vielleicht. Ich arbeite viel und treffe. Momentan läuft es gut“, sagt Stajner und klopft sich sachte mit einem Finger auf die Schneidezähne. Das sei ein tschechischer Brauch, vergleichbar mit dem deutschen Ritual, dreimal auf Holz zu klopfen, um das Unheil fernzuhalten, sagt der 32-Jährige.

Das Unglück fernhalten – zumindest auf dem Platz gelang ihm das früher nicht immer. Totalausfall oder Traumfußball, das wusste man bei ihm nie. Doch das hat sich geändert, seit zwei Jahren gehören seine Auftritte, die die Fans oftmals in den Wahnsinn trieben, der Vergangenheit an. „Das ist auch eine Sache der Erfahrung. Ich versuche jetzt nicht mehr von der ersten Minute an, voll auf Risiko zu spielen“, sagt Stajner, der 2002 nach Hannover kam.

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Profitiert habe er auch davon, dass sich das technische Niveau im Team erhöht habe: „Das liegt auch daran, dass wir jetzt mehr Fußball spielen und ich mehr Ballkontakte habe. In den ersten Jahren bei 96 war es ja meistens so, dass ich den Ball abgespielt und ihn dann nicht wiederbekommen habe.“

Nicht nur auf dem Platz, auch privat ist es ruhiger um ihn geworden. Im Sommer 2005 heiratete er seine Freundin Lenka, im März 2006 kam Tochter Adela auf die Welt. „Seitdem hat sich viel in meinem Leben verändert. Man sieht viele Dinge anders, gelassener. Und es ist besser als früher, als ich jede Woche nach Tschechien gefahren bin und Halligalli war.“

Für den Trubel bei den Stajners ist jetzt seine Tochter zuständig. „Das ist manchmal nicht einfach, aber auch sehr schön“, sagt der 96-Profi. Das Puppenspielen überlässt er gerne seiner Frau, „ich gehe mit Adela lieber raus in den Garten oder nehme sie auf dem Fahrrad mit“, erzählt Stajner. Er fühlt sich wohl in Hannover und würde gerne bleiben. Bei 25 Einsätzen verlängert sich sein Vertrag automatisch um ein Jahr. Acht Spiele braucht er noch, doch 96-Klubchef Martin Kind hat schon angedeutet, dass er den Stürmer generell gerne behalten würde.

Ruhe und Gelassenheit, zwei Eigenschaften, die 96 im Abstiegskampf gut gebrauchen kann. „Ich bin überzeugt, dass wir nicht absteigen. Wenn es darauf ankommt, die entscheidenden Spiele zu gewinnen, dann schaffen wir das“, sagt Stajner. 96 in der 2. Liga, das kann er sich einfach nicht vorstellen. Wie zum Trotz kramt Stajner dafür sogar in der Vergangenheit. „Es gab in jeder Saison eine Mannschaft, die weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben und in Abstiegsgefahr geraten ist: Leverkusen, Hertha, Dortmund und Nürnberg. Erwischt hat es nur Nürnberg.“

Und wenn es für 96 doch am Ende ganz eng wird, ist da ja noch Jiri, der Retter. Mit seinem Tor zum 2:2 gegen Borussia Mönchengladbach sicherte Stajner den „Roten“ in der Saison 2002/2003 den Klassenerhalt. Mach’s noch einmal, Jiri! „Besser nicht, besser wir schaffen das früher“, sagt Stajner – und klopft sich an seine Schneidezähne.

von Christian Purbs und Volker Wiedersheim

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