Tennis

Ein Stadthäger in Wimbledon

Tennis. Der 30-Jährige beeindruckte die Zuschauer mit seinem spektakulären Angriffstennis und entwickelte sich zum Publikumsliebling. Der Erfolg von Brown hat auch Stadthäger Wurzeln. Seit vielen Jahren unterstützt Scott Wittenberg die Nummer 102 der Welt als Trainer.

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Der 54-jährige Amerikaner lebt seit 1987 in Deutschland. „Eigentlich wollte ich nach dem beendeten Betriebswirtschaftsstudium ein Jahr Pause machen und meinen Bruder bei einem Tenniscamp in Deutschland unterstützen. Aus einem sind dann 28 Jahre geworden“, blickt der freiberufliche Tennistrainer zurück. Wittenberg ist in Stadthagen heimisch geworden, ist fest liiert und hat zwei Kinder. Seit der Ankunft in Deutschland ist Wittenberg als Trainer beim TC GW Stadthagen tätig.

Auch Brown spielte als 15- und 16-Jähriger für die Herrenmannschaft der Grün-Weißen. „Ich habe ihn bei einem Tenniscamp kennengelernt“, erinnert sich Wittenberg. Die Chemie stimmte, Wittenberg nahm Brown unter seine Fittiche und begleitete ihn auf der ATP-Tour zu Turnieren. „Ich bin aber nicht bei jedem Turnier an seiner Seite. Ich habe in Stadthagen meinen Lebensmittelpunkt, war mit ihm in Halle und in Wimbledon“, erklärt der Tennistrainer. Fast täglich besteht telefonischer Kontakt. Wittenberg analysiert die Gegner, die Spiele von Dustin, arbeitet Trainingspläne aus und ist ihm eine mentale Stütze. „Tennis ist auch viel Kopfsache“, weiß der gebürtige Kalifornier.

Ein Tennis-Profi lebe in einer anderen Welt, habe einen anderen Tagesablauf. „Sie wissen nicht, ob es Mittwoch oder Donnerstag ist. Aber sie wissen, auf welchem Court sie spielen, wann Training ist und wann sie essen müssen“, beschreibt Wittenberg.

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Der Sieg gegen Nadal sorgte für großes Interesse. Vom Platz bis in die Umkleide brauchten Brown und Wittenberg 45 Minuten. „Es ist schon cool, zusammen mit Roger Federer und den besten Tennisspielern der Welt in der Umkleide oder auf dem Trainingsplatz zu stehen. Jürgen Klopp sitzt hinter einem auf der Tribüne und man bekommt viele Komplimente. Zudem ist das Handy immer am Klingeln“, berichtet Wittenberg. Brown hat jamaikanische Wurzeln. Sein Vater kommt aus Jamaika, seine Mutter ist Deutsche.

„Er sieht zwar aus wie ein Paradiesvogel, ist aber ein bodenständiger Typ. Er hat die Lockerheit seines Vaters und das Pflichtbewusstsein seiner Mutter“, beschreibt Wittenberg die Charaktereigenschaften seines Schützlings.

Nach dem Coup gegen Nadal schied Brown in der dritten Runde gegen den Serben Viktor Troicki in vier Sätzen aus. „Für Dustin war dieses Match bereits das sechste in Wimbledon. Drei Siege gelangen ihm in der Qualifikation, ein Match absolvierte er im Doppel, das mit 8:10 im fünften Satz verloren ging. Die Belastung im mentalen Bereich war immens“, weiß der Stadthäger. Die Pleite gegen den Serben war richtig knapp.

In den verlorenen Sätzen haben meist zwei leichte Fehler zum Satzverlust geführt. „Die Konkurrenz bei den Herren ist hoch. Es gibt sehr enge Spiele, wo Kleinigkeiten den Ausschlag geben. Jeder Fehler kann den Satz kosten“, analysiert Wittenberg.

Nach der Niederlage gegen Troicki am vergangenen Sonnabend flog Brown noch am Abend nach Köln, um am Sonntag in der Tennis-Bundesliga auf Asche zu spielen. Bereits am Montag ging es dann weiter nach New York. „Dort spielt Dustin noch ein Turnier auf Rasen. Dann beginnt die Vorbereitung auf die Hartplatzsaison“, berichtet Wittenberg. Der Tenniscoach hat seine Hausaufgaben gemacht und möchte das Spiel von Brown weiter verbessern. „Ich habe mir da schon etwas überlegt“, sagt Wittenberg.

Dann war das Gespräch beendet. Wittenberg musste zum Training. Die nächste Gruppe stand auf dem Platz bei Grün-Weiß schon bereit. seb

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