Fußball /<wbr> Rolf Pröpper wird 70 Jahre alt

„Halbrechts war meine Lieblingsposition!“

So sehen Sieger aus: Trainer Helmut Rödenbeck (h.v.l.), „Collin“ Stein, Lothar Jack, Lothar Schwarze, Rolf Pröpper, Wofgang Erck, „Charly“ Mai, „Pit“ Kiewall, „Spatz“ Seifert, Hartmut Krüger, Gerd Bamberg (v.v.l.), Horst Scholz, Fritz Krömer, Bernd Schäfe

Rolf Pröpper

von Carsten Beck

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„Der Rolf war ein hervorragender Techniker, dem der Begriff Foulspiel ein Fremdwort war. Ein ruhiger, ein richtig netter Kerl – auf und neben dem Platz“, sagt Fritz Krömer, der es wissen muss. Von den Schülern bis zu den Senioren spielte Krömer Seite an Seite mit dem Geburtstagskind.

 Keine Frage, Rolf Pröpper gehört zweifelsfrei zu den besten Fußballern, die je im Schaumburger Land gekickt haben. Zu seiner besten Zeit spielte er mit dem gelben Sporthemd des SV Obernkirchen in der Verbandsliga – das war damals die dritthöchste Liga. Und es wäre um Haaresbreite die zweithöchste Klasse geworden, hätte nicht Goslar 08 in der Aufstiegsrunde (mit Eintracht Lüneburg und Hann. Münden) ein glückliches 2:2 auf dem Ochsenbruch erzielt. Es waren die 60er Jahre, als der Ochsenbruch noch bebte, die Besucherzahlen im vierstelligen Bereich lagen. Im sogenannten WM-System ist der junge Pröpper groß geworden und wurde schnell zum Leistungsträger bei den Bergstädtern. Seine ebenso präzisen wie öffnenden Diagonalpässe über 30, 40 Meter waren seine Spezialität. Rolf Pröpper konnte das Spiel lesen, Situationen antizipieren. Seine ausgefeilte Technik stand ihm dabei Pate und Defizite bei der Antrittsschnelligkeit wurden dadurch kompensiert. Ein Torjäger war der Jubilar nicht, aber sieben, acht Buden war Jahr für Jahr Standard. Die Torquote hielt sich auch deshalb in Grenzen, weil die Stärke des SVO mit einem exzellenten Torwart Ludwig „Spatz“ Seifert und robusten Abwehrspielern das Spiel aus der Abwehr, das Kontern war.

 Rolf Pröpper ist gemeinsam mit seinem drei Jahre jüngeren – im Jahr 2009 verstorbenen – Bruder Gerhard in Obernkirchen „Downtown“ aufgewachsen. Zum Schrecken und zum Ärger der Nachbarn, denn der Ball war das angesagte Spielgerät auf dem Markt- und Kirchplatz. Doch das Gebolze war nicht alles: Im Sommer wurde unter Ernst Brinkmann Leichtathletik betrieben und im Winter geturnt. Beim Fußball wurde das Multitalent in die zweite Schülermannschaft gesteckt, weil die Betreuer der festen Überzeugung waren, dass nur die „Hüttjer“ (Wohngebiet rund um die Glashütte) richtig gut gegen den Ball treten konnten. Jenseits der Bahnlinie wohnten die „Städter“ – und mussten mit den Vorurteilen leben. Das änderte später aber nichts daran, dass der A-Jugendliche Pröpper sofort Stammakteur in der „Ersten“ wurde. Und das blieb auch 18 Jahre so – die letzten zehn als Mannschaftsführer. Zudem wurde aus dem Halbrechten später ein rechter Läufer, ein defensiver Mittelfeldspieler und letztlich ein Libero. Zu Helmut Rödenbeck pflegte er ein besonderes Verhältnis – auch, weil er als Trainer mit Lizenz viele Impulse setzte. Mit Günther Liehr kam er weniger gut zurecht und kickte fortan in den unteren Teams. Bis vor fünf Jahren wurde noch altersgerecht trainiert und sporadische Einsätze bei den Altsenioren gehörten zum gerne genommenen Pflichtprogramm. Die Arthrose, die Schmerzen im linken Knie bestimmten letztlich das Karriereende.

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 Rolf Pröpper hat Maschinenbauer bei der Obernkirchener Firma Bornemann gelernt und besuchte anschließend die Technikerschule in Minden. Später stieg er in das elterliche Taxigeschäft ein und übernahm 1984 den Betrieb. Noch heute sitzt der Vater zweier Töchter hinter dem Steuer und ist guter Hoffnung, dass sein Enkel Fyn Martin (15) in seine Fußstapfen tritt. Rolf ist ein „echter“ Obernkirchener, sein Vater ist jedoch in Dortmund geboren – und Fan des FC Bayern gewesen. Dieses Gen ist voll auf den ältesten Sohn durchgeschlagen und deshalb wundert es wenig, dass im Urlaub vornehmlich im Chiemgau gewandert wurde. Aber auch der Schwarzwald wie der heimische Bückeberg ist bekanntes Terrain für das Ehepaar Pröpper.

 Seine Frau Christiane hat Rolf 1972 geheiratet. Es lief gerade die EM 1972, und weil ausgerechnet Deutschland an dem Festtag spielte, drohten die Gäste mit Absage oder verspätetem Kommen. Doch der Anstoßtermin machte es möglich: Zwischen Kaffeetrinken und Abendbrot stand der Fernseher im Mittelpunkt. Vier Jahrzehnte später hat sich nichts geändert. Wieder wird um Europas Krone gespielt, und wieder musste Deutschland ran. Die Lösung war dieses Mal einfacher: Die Feierlichkeiten zum 70. Geburtstag, zum 60. Geschäftsjubiläum und zum 40. Hochzeitstag wurden einfach um einen Tag verschoben.

 Ein besonders schönes Geschenk haben dem Multi-Jubilar „seine“ Kicker vom SVO mit dem Aufstieg in die Bezirksliga gemacht. „Ich freue mich riesig für die Mannschaft. Ich habe das Gefühl, dass der Begriff Kameradschaft wieder an Bedeutung gewinnt. „Es ist zu spüren, hier ist Herzblut im Spiel“, sagt Pröpper. Herzblut, das verbindet Rolf Pröpper wohl sein ganzes Leben mit dem SV Obernkirchen. Denn nur so sind seine Worte vor dem Anpfiff des entscheidenden Relegationsspiels zu deuten: „Ich halt’s vor Nervosität kaum noch aus!“

Gerhard Teupel erinnert sich an den Ochsenbruch

Im Aufstiegsspiel gegen Goslar 08 verpasste der SV Obernkirchen nur um Haaresbreite den größten Erfolg seiner Vereinsgeschichte – auch, weil das Tor der Mannschaft aus der Kaiserpfalz von DFB- und Niedersachsenauswahl-Torwart Gerhard Teupel gehütet wurde. Der heute 70-jährige Teupel stand einmal für Werder Bremen (mit Pico Schütz, Horst-Dieter Höttges) gegen Borussia Dortmund (mit Siegfried Held, Reinhard Libuda, Rudi Assauer) im Bundesligator und konnte trotz Bestnoten nichts gegen die beiden Treffer von Lothar Emmerich machen. Seine Erinnerung an das Spiel auf dem Ochsenbruch: „Dass wir mit einem Remis den Aufstieg perfekt gemacht haben, daran erinnere ich mich noch genau – an die Inhalte weniger. Das Spiel ist aber bei uns fest eingebrannt, weil unser Trainer Hans-Wilhelm Loßmann die Vorbereitung immer sehr genau, fast pingelig anging. So reisten wir denn auch zum entscheidenden Match einen Tag vorher an. Den Namen, der vom Trainer georderten Unterkunft in der Nähe von Obernkirchen, weiß ich nicht mehr, aber es war ein bordellartiger Betrieb und die leicht bekleideten Damen liefen fast in Mannschaftsstärke auf.“

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