96-Mannschaftsarzt

Wego Kregehr: Abpfiff für den Doktor

Auch an diesem Sonnabend, wenn der SC Freiburg in der Bundesliga zu Gast sein wird in Hannover, wird es so sein wie in den vergangenen zwölf Jahren. Wego Kregehr wird im schwarzen Shirt mit dem 96-Logo auf der Brust seinen Platz an der Seitenlinie einnehmen, neben sich den Metallkoffer mit den nötigsten Utensilien für den Fall des Falles. Und doch wird es für ihn kein Spiel sein wie die knapp 250, in denen der Mannschaftsarzt die „Roten“ seit 1997 begleitet hat, und das durch dick und dünn. Kregehr hat – für ihn völlig überraschend, wie er sagt – in dieser Woche die Kündigung bekommen von Hannover 96, was Klubchef Martin Kind bestätigte: „Formal ist das richtig.“

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De facto wäre der Mannschaftsarzt schon ab Donnerstag von seiner Tätigkeit für den Klub freigestellt. Immerhin waren die Verantwortlichen so frei, den 48-Jährigen selbst bestimmen zu lassen, ob er gleich gehen oder die restlichen drei Monate seinen Job noch weiter ausüben möchte. Kregehr hat sich festgelegt: Wenn Ende November der FC Bayern nach Hannover kommt, ist Schluss für ihn. 96 hat für diesen Tag eine „angemessene Verabschiedung“ angekündigt.

Sieben Spiele noch. Kregehr, der als Facharzt für Chirurgie und Orthopädie zwei gut gehende Praxen in Hannover betreibt und viele Jahre auch Eishockeyspieler der Indians und Scorpions betreute, ist anzumerken, wie sehr ihn diese Entscheidung getroffen hat. Mit 96 sei er „emotional sehr verbunden“, sagt er. Der Klub sieht die Angelegenheit eher gefühlsneutral und sagt, der Mediziner habe die Trennung von sich aus angestrengt. Per Presseerklärung ließ der Bundesligist gestern Nachmittag wissen, Kregehr wolle sich künftig ausschließlich seinen Praxen in Hannover widmen, die Belastung sei ihm zu groß geworden. „Dem ist Rechnung getragen worden“, sagt Sportdirektor Jörg Schmadtke. Wohlfeiles Abschiedszeugnis nach einer Trennung im Unschönen? Denn danach sieht es – anders als offiziell verbreitet – aus.

Nach Informationen der HAZ ist Kregehr gar keine andere Wahl geblieben, als die von Klubchef Martin Kind und Sportdirektor Schmadtke unterschriebene Kündigung entgegenzunehmen. Anscheinend wird ihm angekreidet, dass 96 einen überdurchschnittlich hohen Anteil an verletzten Spielern hat und deren Genesung in einigen Fällen sich über Gebühr hinzieht. Schmadtke sagt dazu: „Das spielte keine Rolle.“

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Kregehr indes hat im Gespräch mit dem Sportdirektor, das der Kündigung vorausging, schon gespürt, dass die Verletztenmisere Handlungsdruck auf den Verein erzeugt habe, wie er sagt. Man habe in Anbetracht dieser Situation wohl einen Sündenbock gesucht und gefunden. Als Schuldiger fühle er sich aber nicht. Sein Verständnis sei es immer gewesen, in einem Netzwerk von Spezialisten als Teamarzt zu agieren: „Meine Intention ist es nie gewesen, alles selbst machen zu wollen.“

Als Mannschaftsarzt sei er in den zwölf Jahren bei 96 häufig mit dem Drängen von Trainern und Managern konfrontiert worden, angeschlagene Spieler möglichst rasch wieder einsatzfähig zu machen. Dabei habe es manchen Fall gegeben, „wo du verzweifelst“. So habe er kein Verständnis dafür, wenn ein Spieler aus dem aktuellen Kader ein dreiviertel Jahr permanent Schmerzmittel nehme und erst dann Farbe bekenne, dass er sonst gar nicht spielen könne. Hinzu komme, dass die 96-Physiotherapie an strukturelle Grenzen stoße.

Es würde nicht überraschen, wenn es in absehbarer Zeit auch in diesem Bereich Veränderungen gibt, zumal hier Verträge auslaufen. Klubchef Kind hat bereits eine „umfassende Analyse“ angekündigt, die über sportliche Belange hinausgehe. Doch noch sei nichts konkret. Anders als bei Kregehr, für den jetzt ein Nachfolger gesucht wird.

von Norbert Fettback und Heiko Rehberg

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