Kreuzbandrisse verhindern Traum

„Wrestling war mein Leben“

Durch seine Kraft und Schnelligkeit war er von jedem Gegner gefürchtet: Christian Specht (vorne) als Freddy Stahl in seiner Glanzzeit als Wrestler.

Durch seine Kraft und Schnelligkeit war er von jedem Gegner gefürchtet: Christian Specht (vorne) als Freddy Stahl in seiner Glanzzeit als Wrestler und heute nach der Karriere (kleines Foto).Foto: tol, peb

RINTELN. Und 13 war er sofort so fasziniert von der Athletik, der Technik, den verschiedenen Charakteren und schauspielerischen Elementen, dass er angefangen hat, sich mit nichts anderem zu beschäftigen als mit Wrestling.Für Christian Specht war klar: Er wollte selbst ein Wrestler werden.

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Specht war schon lange ein begeisterter Zuschauer der Fernsehübertragungen von Kämpfen aus den USA, als er mit 14 Jahren mit Freunden zu trainieren begann – zunächst in der Mehrzweckhalle in Engern und in der Halle der Oberschule in Rinteln. Ohne Trainer, nur mit genau studierten Bildern der Fernseh-Wrestler im Kopf. Mit 15 Jahren nahm Specht an einem Workshop in Krefeld teil. An drei Tagen lernte er die ersten Griffe und Würfe.

Zweijährige Ausbildung in Hamburg

Mit 16 Jahren und nachdem er sich durch fleißiges Training stark und fit gemacht hatte, konnte er seine Mutter davon überzeugen, ihn auf seinem Weg zum Wrestler zu unterstützen. Zwei Jahre lang fuhr Specht jedes Wochenende nach Hamburg, wo der bekannte Wrestling-Europameister Karsten Kretschmer junge Talente im renommierten „Nordisch Fightclub“ ausbildet. „Wer hier angenommen wird, hat die erste große Probe bestanden“, so Specht. Durch gezieltes Wrestling-Training, Krafttraining, Jiu-Jitsu-Übungen und einem strikt eingehaltenen Ernährungsplan wuchs Specht zu einem stämmigen Kerl mit breiten Schultern heran.

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„Auch wenn die grobe Storyline der Kämpfe abgesprochen ist – die Tritte und Schläge sind echt. Deshalb ist die Verletzungsgefahr sehr groß. Ein Moment der Unaufmerksamkeit und du liegst verletzt am Boden. Zu den typischen Verletzungen gehören vor allem Blessuren an Kopf und Nacken. Sogar Todesfälle im Ring gibt es immer wieder“, weiß Specht. Deshalb absolvierte er eine Ausbildung zum Physiotherapeuten und konnte seinen Sport mit der Arbeit verbinden.

Specht ist Freddy Stahl

Im Jahr 2010, nach drei Jahren intensiven Trainings, trat Specht als Freddy Stahl in Hamburg zum ersten öffentlichen Kampf an. Danach ging es ganz schnell mit seiner Karriere voran. Kurz nach seinem ersten Auftritt hatte er einen Kampf gegen die deutsche Wrestling-Größe Big Van Walter. Der holte ihn zu Westside Xtreme Wrestling (wXw) nach Oberhausen, dem führenden Wrestling-Veranstalter in Deutschland.

Jetzt startete Specht richtig durch. Fast jedes Wochenende tourte er durch ganz Deutschland. Außerdem kamen Engagements in Dänemark und England hinzu.

Rückschlag im Mai 2012

Dann der erste Rückschlag für Christian Specht. Während eines Kampfes im Mai 2012 in Mannheim riss das Kreuzband im rechten Knie. Nach der Operation musste er eine sechsmonatige Wettkampfpause einlegen. Durch hartes Training und eiserne Disziplin schaffte Specht im November 2012 die Rückkehr in den Ring. „Schon wenige Tage nach der Operation stand ich wieder im Fitnessstudio. Den Kontakt zu wXw ließ ich nie abreißen“, erinnert sich Specht.

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World Wrestling Entertainment meldet sich

Während einer Veranstaltung in London wurden die Scouts von World Wrestling Entertainment (WWE), dem weltweiten Wrestling-Veranstaltungs-Markführer aus den USA, auf Specht aufmerksam. Kurze Zeit später erhielt er eine Einladung zu einem Probetraining in London.

Dazu kam es aber nicht mehr. Wenige Wochen vor dem Probetraining riss sich Specht bei einer dreitägigen Veranstaltung in Oberhausen zum zweiten Mal das Kreuzband im rechten Knie. „Dick bandagiert und getaped habe ich das Turnier bis zum letzten Tag durchgestanden.“

Operation in Herford

Während der Operation in Herford stellte sich heraus, dass nicht nur das Kreuzband gerissen war, sondern auch das Innenband und der Innenminiskus. „Nach der Operation sagte mir der Arzt, dass er zwar das Kreuzband noch ein drittes Mal flicken könnte, ich dann aber damit rechnen müsste, mit 30 Jahren ein künstliches Kniegelenk zu bekommen.“

Sieg der Vernunft

Die Diagnose war nur schwer zu verdauen, ein Jahr hat der Kämpfer weitertrainiert und immer wieder mit dem Gedanken gespielt, noch einmal in den Wrestling-Zirkus zurückzukehren. „Aber schlussendlich hat die Vernunft gesiegt. Ich habe meinen Traum von einer internationalen Wrestling-Karriere in den USA begraben.“

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Weil Christian Specht aber ein ehrgeiziger Typ ist, konzentrierte er sich nun voll auf seinen Beruf. Berufsbegleitend absolviert er eine Ausbildung zum Heilpraktiker und Osteopathen. Auch heute noch ist er regelmäßig mehrmals in der Woche im Fitnessstudio anzutreffen.

Kontakt zu Wrestling-Kameraden

Der Kontakt zu seinen früheren Wrestling-Kameraden ist bis heute nicht abgerissen. „Aber die Veranstaltungen zu bsuchen, kommt für mich nicht mehr infrage. Das tut einfach zu sehr weh“, sagt Specht.

Im Nachhinein betrachtet, möchte der 25-jährige Rintelner diese Zeit nicht missen. "Ein großer Traum ist in jungen Jahren geplatzt. Aber ich bin glücklich, dass ich diese Zeit erleben durfte. Und ich habe viel gelernt. Ich habe viele Menschen aus verschiedenen Kontinenten und Kulturkreisen erlebt und von ihnen gelernt." peb

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