Geplatzter Hannover 96-Transfer

Wszolek: „Ich fühlte mich wie eine in den Westen verkaufte Prostituierte“

Der Transfer ist gescheitert: Pawel Wszolek wird nicht für Hannover 96 spielen.

Der Transfer ist gescheitert: Pawel Wszolek wird nicht für Hannover 96 spielen.

Hannover. Am Mittwoch wollte Hannover 96 seinen vierten Transfer in der Winterpause perfekt machen. Der polnische Nationalspieler Pawel Wszolek sollte in Hannover noch die medizinische Untersuchung absolvieren und dann die letzten Unterschriften unter seinen neuen Vertrag bei den „Roten“ setzen. Das war der Plan. Doch daraus wurde nichts. Wie schon vor einer Woche blieb Wszolek in Warschau und versetzte den Fußball-Bundesligisten gestern erneut. 96 hatte nun die Nase gestrichen voll und erklärte das Possenspiel um den 20-jährigen Polen für beendet. „Wir wollen den Spieler nicht mehr“, sagte 96-Sportdirektor Jörg Schmadtke.

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Schmadtke gehört sicherlich nicht zu den Vertretern seiner Zunft, die sich leicht aus der Ruhe bringen lassen. Am Mittwoch jedoch war der 48-Jährige sichtlich bedient. Er habe schon „ein paar Sachen erlebt, aber in dieser Form noch nicht“, meinte Schmadtke, der sich am vergangenen Sonnabend persönlich mit Wszolek in Warschau getroffen hatte, um alle Unklarheiten zu beseitigen und bei seiner Rückkehr am Sonntag Erfolg vermeldete. Doch wieder spielte Wszolek nicht mit und ließ den Termin in Hannover platzen.

„Ich halte das Verhalten für unseriös und nicht akzeptabel. Auch ein 20-Jähriger sollte wissen, was er unterschreibt, was er tut und nicht tut.“ Wszolek hätte bei dem Treffen ja auch sagen können, dass er kein gutes Bauchgefühl habe, sagte Schmadtke: „Dann wären wir wieder nach Hause geflogen, und alles wäre gut gewesen. Aber so ein Gehampel macht man nicht. So geht’s nicht.“

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Im Laufe des Tages, nachdem sich Wszolek zu dem geplatzten Wechsel und seinem ungewöhnlichen Verhalten geäußert hatte, nahm die skurrile Geschichte vom unzuverlässigen Profi von Polonia Warschau jedoch eine etwas andere Wendung. „Ich fühlte mich wie eine in den Westen verkaufte Prostituierte“, sagte er der polnischen Zeitung „Rzeczpospolita“. Seine Meinung habe bei dem angestrebten Transfer keine Rolle gespielt, meinte der Spieler, der jedoch nicht 96, sondern seinen Berater und die Klubführung des polnischen Erstligisten für die Situation verantwortlich macht. „Manager Jaroslaw Kolakowski, dem ich vertraut habe, hat mich verraten“, sagte Wszolek. „Wem kann ich jetzt noch trauen? Wenn ich von Polonia weggehe, dann ruhig, ohne Eile, damit ich keinen Fehler mache.“

Zu 96 wird der Pole jedoch „garantiert nicht mehr wechseln“, sagte Schmadtke. Auch ein juristisches Nachspiel ist nicht ausgeschlossen. Bei dem Treffen am Sonnabend, bei dem außer dem Sportdirektor auch Fitnesstrainer Edward Kowalczuk als Dolmetscher sowie eine Juristin und ein Verantwortlicher von Polonia am Tisch saßen, habe Wszolek „eine Transfervereinbarung und die Anlage zu seinem Arbeitsvertrag unterschrieben“, sagte Schmadtke. „Wir lassen die Rechtslage durch unseren Anwalt prüfen. Ob wir etwas unternehmen werden, müssen wir dann entscheiden. Wir haben Wichtigeres zu tun“, sagte Klubchef Martin Kind.

Mirko Slomka vor dem Schalke-Spiel

Am Freitag eröffnet Hannover 96 gegen Schalke 04 die Rückrunde der Bundesliga. Aufreger des Tages war jedoch der geplatzte Wechsel des Polen Wszolek. Mirko Slomka äußerte sich auf der PK zum Spiel nicht dazu.

Sportlich sorgt der geplatzte Wechsel für neue Überlegungen. Es sei sehr schade, „dass wir ein großes Talent nicht verpflichten konnten“, meinte 96-Trainer Mirko Slomka, der den polnischen Mittelfeldspieler als Ersatz für den noch länger ausfallenden Lars Stindl eingeplant hatte. „Wir haben drei neue Spieler geholt und sind ganz entspannt“, sagte Schmadtke. Klubchef Kind sieht hingegen nach dem geplatzten Transfer von Wszolek dringenden Handlungsbedarf. „Slomka und Schmadkte haben sich schon intensiv ausgetauscht. Jetzt muss Schmadtke wieder aktiv werden. Wir wollen auf jeden Fall noch jemanden verpflichten.“

(mit: fe, dpa)

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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