WM-Aus für deutsche Tischtennis-Stars

Timo Boll unterlag am Sonntag seinem Doppelpartner Ma Long.

Timo Boll unterlag am Sonntag seinem Doppelpartner Ma Long.

Düsseldorf . Unter dem lauten Applaus von 8000 Zuschauern verließ Timo Boll die Düsseldorfer Messehalle. Der erfolgreichste deutsche Tischtennis-Spieler der Geschichte ist zwar im Viertelfinale seiner Heim-WM an seinem Doppelpartner Ma Long gescheitert. Doch der 36-Jährige verlangte dem Weltmeister und Olympiasieger aus China bei seiner Niederlage in 2:4 Sätzen deutlich mehr ab, als von allen erwartet. „Ich habe ganz gut mitgehalten. Aber ich hätte hier vor heimischem Publikum gern eine Überraschung geschafft“, sagte Boll. „Deshalb bin ich schon enttäuscht, das Ergebnis ist sehr ärgerlich.“

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Die Weltmeisterschaften im eigenen Land sind damit gleich für beide Stars des deutschen Tischtennis vorbei. Denn vor Boll war am Sonntagvormittag bereits Dimitrij Ovtcharov noch zum Abschluss der Achtelfinal-Spiele gescheitert. Die deutsche Nummer eins verlor gegen den früheren Junioren-Weltmeister Koki Niwa aus Japan mit 3:4.

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Timo Boll hat in seiner langen Karriere von sechs EM-Titeln im Einzel bis hin zu drei olympischen Medaillen schon viel erlebt und erreicht. Ein Heimspiel gegen den besten Spieler der Welt nannte aber auch er schon vor dem ersten Ballwechsel „ein Highlight“.

„Froh, dass ich das Spiel überhaupt offen gestalten konnte“

Die Zuschauer in Düsseldorf erzeugten teilweise eine Stimmung wie in einem Fußball-Stadion. Von „Timo, Timo“-Rufen angefeuert, gewann Boll die Sätze zwei und vier und lag im sechsten Durchgang mit 8:4 vorn. „Ich bin froh, dass ich das Spiel überhaupt offen gestalten konnte. Es gab auch schon Spiele, in denen ich von ihm völlig überrollt wurde“, sagte er. „Heute gab es viele enge Entscheidungen, bei denen ich den Ball vielleicht nur zehn Zentimeter weiter links oder rechts hätte platzieren müssen. Gegen ihn muss aber jeder Ball passen.“

Wie sehr Boll dem Weltranglisten-Ersten mit seiner Leistung zusetzte, zeigte auch die Reaktion von Ma Long nach dem Matchball. Der sonst so ruhige und zurückhaltende Chinese schrie seine ganze Erleichterung über diesen Sieg heraus. Im Doppel waren beide zusammen bereits in der dritten Runde ausgeschieden. Im Einzel hat nun wenigstens Ma Long die Chance, seine Titelsammlung noch um das neunte WM-Gold im Einzel (2015), Doppel (2011) und mit der Mannschaft (sechsmal in Serie von 2006 bis 2016) zu erweitern. Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ nannte den 28-Jährigen einst einen „menschlichen Außerirdischen“.

Ovtcharov bitter enttäuscht

Ovtcharov war nach seinem erneuten frühen Ausscheiden bei einer Weltmeisterschaft bitter enttäuscht. Bereits 2013 in Paris war für ihn im Achtelfinale gegen seinen Schulfreund Patrick Baum Schluss. 2015 in Suzhou scheiterte er sogar schon in der zweiten Runde. „Es war mein Ziel, hier ins Viertelfinale zu kommen und dann vielleicht eine Überraschung zu schaffen“, sagte der Weltranglisten-Fünfte. „Das habe ich leider nicht geschafft, das ist eine Enttäuschung. Dass das auch noch bei einer Heim-WM passiert, ist sehr ärgerlich. Aber ich hätte mich bei jeder anderen WM auch über diese Niederlage geärgert.“

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Der 28-Jährige betonte aber auch: „Ich kann mir nichts vorwerfen.“ In den ersten Runden des Turniers hatte er phasenweise große Schwankungen in seinem Spiel. Doch am Sonntag scheiterte Ovtcharov weniger an der eigenen Form als vielmehr an einem herausragenden Auftritt des erst 22 Jahre alten Niwa.

„Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal gegen einen „Gegner gespielt habe, der so viel riskiert und so viel getroffen hat“, sagte der Deutsche. Niwa spielte einst in der Bundesliga für TTC Frickenhausen und steht in der Weltrangliste auf Platz elf. „Er ist ein großes Talent. Heute hat er sein hohes Niveau auch auf einem konstant hohen Level gezeigt“, sagte Bundestrainer Jörg Roßkopf.

Von RND/dpa

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