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Gesund in Schaumburg

Wie ein Herz und eine Seele

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Permanenter Stress ist nicht gut für unser Herz. FOTO: DPA

LANDKREIS. Es schlägt und schlägt und schlägt: Das Herz ist der Motor unseres Körpers. Für seine Gesundheit spielt unser mentales Wohlbefinden eine große Rolle – das gilt allerdings auch umgekehrt.Ein Herz und eine Seele sein: Dieser Satz gilt auch, wenn es um die Gesundheit geht. „Geht es der einen Seite nicht gut, leidet oft auch die andere darunter“, sagt der Mediziner Professor Volker Köllner. Manchmal reiche es deshalb nicht, bei der Behandlung nur die eine Seite zu berücksichtigen, erläutert der Chefarzt für Psychosomatik am Reha-Zentrum Seehof (Teltow).

Warum Dauerstress dem wichtigsten menschlichen Organ schadet / Psychokardiologie ist eigene Spezialdisziplin in der Medizin

Dann sei es hilfreich, auch die Wechselwirkungen in den Blick zu nehmen – wofür es mit der Psychokardiologie sogar eine eigene Spezialdisziplin in der Medizin gibt. Eine Vielzahl von Studien belegt Köllner zufolge, dass die Gesundheit von Herz und Psyche eng miteinander verflochten sind. Depressionen erhöhen demnach beispielsweise das Risiko für einen Herzinfarkt fast so stark wie Rauchen.

„Wir wissen zudem, dass Stress, den Menschen sehr früh in ihrer Lebensgeschichte erfahren, ein Krankmacher ist“, sagt Köllner. Auch Gewalt und sexuelle Misshandlungen in der Kindheit erhöhen das Risiko für Herzerkrankungen – auch wenn diese sich womöglich erst Jahrzehnte später zeigen.

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Herz und Psyche beeinflussen sich. Mit der Psychokardiologie gibt es für diese Wechselwirkungen sogar eine eigene medizinische Spezialdisziplin.

Wenn es sich so anfühlt, als wenn das Herz bricht

Dass enormer Stress – zum Beispiel eine Todesnachricht oder ein Jobverlust – ganz unmittelbar auf das Herz schlagen kann, zeigt das Broken-Heart-Syndrom. Hierbei handelt es sich um eine akute Herzschwäche, bei der die Pumpleistung des Organs nachlässt. Viele Betroffene müssen auf der Intensivstation behandelt werden, wobei sich das Herz – anders als bei anderen Erkrankungen – wieder erholt.

Für das Herz wird Stress aber viel häufiger zum Problem, wenn er chronisch wird. Dabei sind es die körperlichen Stressreaktionen selbst, die dem Herzen auf Dauer schaden.

Unter Stress verkleben die Blutplättchen

Zentral ist dabei das vegetative Nervensystem, das lebenswichtige Funktionen wie den Herzschlag steuert. Unter Stress klopft unser Herz nicht nur schneller, um den Körper auf maximale Leistung einzustellen: Auch die Blutplättchen verkleben stärker, um Blutungen besser stillen zu können.

„Der Körper stellt sich darauf ein, verwundet zu werden“, sagt Professor Christoph Herrmann-Lingen, Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsmedizin Göttingen. Die unerwünschte Folge: Die Entstehung von verengten Herzkranzgefäßen wird begünstigt.

Das permanente Hochfahren des Herz-Kreislauf-Systems kann zudem zu Bluthochdruck führen, wodurch die Herzgefäße Schaden nehmen können. Das Risiko für einen Herzinfarkt oder eine Herzinsuffizienz steigt.

Hinzu kommt: In stressigen Zeiten leidet oft das Gesundheitsverhalten. Die eine streicht ihren wöchentlichen Sportkurs und greift häufiger zur Zigarette, der andere isst fast täglich Fast Food. Was diese Verhaltensweisen gemeinsam haben: Sie sind Risikofaktoren für Herzerkrankungen. Der Schlüssel zur Vorbeugung ist also, auch in stressigen Phasen an gesunden Routinen festzuhalten.

Wenn Herzerkrankungen auf die Psyche schlagen

Umgekehrt erleidet oft auch die Psyche Schrammen, wenn Menschen erleben, dass ihr Herz versagt. „Eine Herzkrankheit wie etwa ein Herzinfarkt ist nicht nur ein verstauchter Knöchel“, sagt Herrmann-Lingen. „Ein solches Erlebnis kann das Urvertrauen in den eigenen Körper erschüttern.“

Ängste und Besorgtheit sind – gerade in der ersten Zeit – eine normale psychische Reaktion auf so ein Ereignis. „Beim Großteil der Patientinnen und Patienten normalisiert sich die Psyche nach einiger Zeit wieder“, sagt Köllner. Aber nicht bei allen.

„Es gibt Patientinnen und Patienten, die übermäßig auf den eigenen Körper achten, um Vorboten eines neuen Herzinfarktes zu erkennen“, berichtet Herrmann-Lingen. Das sorge für ein hohes Stresslevel und mitunter auch dafür, dass Betroffene ihren Körper kaum noch fordern. „Dabei ist regelmäßige körperliche Aktivität wichtig. Schließlich verringert Sport das Risiko für neue Herzerkrankungen und auch für Depressionen.“

Wie lässt sich dieser Teufelskreis bremsen?

Zunächst ist ein Gespräch mit einem Facharzt sinnvoll, um die Befürchtungen mit der Realität abzugleichen. „Ein hilfreiches Angebot sind auch die vielen Herzsportgruppen“, sagt Köllner. Diese werden von Sportvereinen, Reha-Kliniken oder anderen Trägern angeboten. Außerdem kann eine Psychotherapie helfen, wieder Vertrauen in das eigene Herz zu fassen und die Körperwahrnehmung zu schulen. dpa