Edeka, Kaufland und Co.

Aldi-Filialen schließen früher: Ziehen andere Supermärkte nach?

Kundinnen und Kunden von Aldi müssen sich auf andere Einkaufszeiten einstellen.

Kundinnen und Kunden von Aldi müssen sich auf andere Einkaufszeiten einstellen.

Berlin. Die Nachricht hat schnell die Runde gemacht: Aldi Nord führt kürzere Öffnungszeiten ein. Ab November sollen zahlreiche Filialen des Discounters bereits um 20 Uhr schließen. „Mit den kürzeren Öffnungszeiten in der großen Mehrheit unserer Märkte wollen auch wir einen aktiven Beitrag zum Energiesparen leisten“, heißt es seitens des Unternehmens. Statt um 21 oder 22 Uhr gehen an manchen Standorten die Lichter bald früher aus.

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Derzeit sieht es allerdings nicht danach aus, dass andere größere Supermarktketten nachziehen. Konkurrent Lidl teilte auf RND-Anfrage mit: „Unsere Filialen stehen unseren Kunden auch weiterhin während der gewohnten Öffnungszeiten zur Verfügung.“ Lidl will dagegen eher Reklameschilder abschalten oder mehr LED-Beleuchtung einsetzen.

Wie Kaufland, Rewe und Edeka reagieren

Ein ähnliches Bild bei Kaufland, das ebenfalls zur Schwarz-Gruppe gehört. „Eine Verkürzung unserer Öffnungszeiten ist aktuell nicht geplant“, sagte ein Sprecher. Zuvor hatte bereits Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka mitgeteilt, dass er keinen Anlass sehe, seinen Kunden „einen reduzierten Service anzubieten“. Rewe und der konzerneigene Discounter Penny erwägen ebenfalls keine solchen Schritte.

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Nach Einschätzung von Experten könnte sich das aber auch noch ändern. Denn das Öffnen zu Randzeiten muss sich wirtschaftlich lohnen. „Ab einer gewissen Stunde überlegt sich das ein Händler genau“, sagt Chehab Wahby, der bei der Strategieberatung EY-Parthenon den Einzelhandel im Blick hat. Hinter dem jetzigen Vorstoß von Aldi Nord könnten auch andere Gründe stecken: etwa die hohen Personalkosten. Denn ab einer bestimmten Uhrzeit müssen die Einzelhändler abwägen, ob sich die Ausgaben, die für einen offenen Laden nötig sind, überhaupt lohnen.

Wo können Supermärkte Kosten sparen?

„Alle Händler sind dabei, sich für die Krise zu wappnen“, sagt Wahby. Und da lasse es sich gut erklären, dass Energie gespart und die Läden früher geschlossen werden müssen. „Man geht davon aus, dass die Kunden das verstehen und dann eher akzeptieren.“

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Schließlich ist es ein Wettbewerb in dem sich die Supermärkte befinden: Wo lassen sich Kosten sparen, ohne dass die Kundinnen und Kunden zur Konkurrenz abwandern? „Jeder Händler optimiert das für sich“, so Wahby. Wer beispielsweise auf weniger Beleuchtung setzt, muss damit rechnen, dass die Bananen nicht mehr so schön gelb oder die Tomaten weniger rot aussehen. Einige Supermärkte, so Wahby, probieren sich nun eben an den Öffnungszeiten aus. Und das könnte Nachahmer mit sich ziehen. „Der Wettbewerb findet dann auch über die Ladenöffnungszeiten statt“, sagt er. Allerdings vermutet er kein flächendeckendes Phänomen, weil in großen Städten die Konkurrenz einfach zu stark sei.

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Andere Supermärkte könnten folgen

Handelsexperte Thomas Roeb hat eine ähnliche Einschätzung. „Es kann durchaus sein, dass andere Ketten zumindest in Teilen nachziehen, weil sich das wirtschaftlich nicht überall lohnt“, sagt er dem RND. Auch er vermutet hinter dem Vorstoß von Aldi Nord eher die ohnehin schwächeren Umsätze zu den Randzeiten.

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In den vergangenen Jahren hätten immer mehr Supermärkte längere Öffnungszeiten eingeführt, sagt er. Andere zogen – wenn vielleicht auch zähneknirschend – nach, um wettbewerbsfähig zu bleiben. „Dann traute sich keiner, den ersten Schritt zurück zu tun, weil Kunden verloren gegangen wären“, so Roeb. Jetzt könne es für Supermärkte allerdings einen Anlass geben, sich ohne großen Gesichtsverlust wieder mehr zurückzuziehen.

Energiesparen wird zu großem Thema

So oder so wird Energiesparen langfristig aber wohl zu einem großen Thema für Supermärkte – schon alleine wegen der vielbeschworenen Nachhaltigkeit. Schon jetzt setzen viele Geschäfte auf LED-Leuchten oder weniger Beleuchtung an anderen Stellen. Hinzu kommen begrünte Dächer oder effizientere Kühlanlagen. „Da werden wir in den nächsten Jahren noch viel sehen“, prognostiziert Chehab Wahby.

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