Ausgehamstert: Endlich kehrt die Vernunft zurück

Ein Appell, dass offenbar wenig gefruchtet hat: Die Deutschen haben lange fleißig gehamstert.

Ein Appell, dass offenbar wenig gefruchtet hat: Die Deutschen haben lange fleißig gehamstert.

Deutschland im März: Einkaufswagen um Einkaufswagen schoben die Bundesbürger Unmengen an Klopapier, Nudeln und Konserven in Richtung ihrer Vorratskammern. Die Republik war aufgescheucht, schließlich brachte der Ausbruch des Coronavirus nie gekannte Unsicherheiten mit sich. Und prompt fiel vielen Deutschen auf, dass ihre häuslichen Vorräte nur für wenige Tage reichen – was zum großen Run auf den Einzelhandel führte. Keinen halben Monat später ist das vorbei: Das statistische Bundesamt meldet, dass die Nachfrage nach den meisten beliebten Hamster-Gütern einbricht.

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Dass das Interesse etwa an Klopapier unter den Jahresdurchschnitt rutscht, ist eine gute Nachricht. Es wurde genug gehamstert, der Klopapier-Vorrat vieler Haushalte reicht für eine Weile aus. Und gleichzeitig dürften viele Bundesbürger gemerkt haben, dass ihre Supermarktregale immer wieder aufgefüllt werden – und dass in einem so wohlhabenden Land wie Deutschland eben keine Versorgungsengpässe drohen.

Zur Wahrheit gehört allerdings, dass das keine Überraschung ist: Flächendeckend betonten sämtliche Handelsketten, Erzeuger und Politiker seit dem Corona-Ausbruch in Italien, dass keine Knappheit bevorstehe.

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Kollektive Unvernunft

Doch wir als Verbraucher blieben unvernünftig, kauften Unmengen Konserven und Klopapier – auf dass der nächste Supermarktkunde vor einem leeren Regal stand, es fotografierte und das Bild in den sozialen Medien postete. Weshalb der ein oder andere angstgetriebene Einkäufer beim nächsten vollen Regal nochmal zusätzlich zulangte. Kollektive, sich selbst verstärkende Unvernunft könnte man das wohl nennen. Gewürzt mit einer ordentlichen Prise Egoismus, schließlich gab es genügend Berichte über Prügeleien um die letzte Klopapier-Packung.

Jetzt kehrt wieder Vernunft ein in unseren Köpfen als Verbraucher, wir sehen die Krise nüchterner – was eine gewaltige Chance birgt: Wer sich keine Sorgen um den nächsten Einkauf macht, kann andere Baustellen angehen. Und das ist überfällig.

Nicht nur auf die eigene Vorratskammer schauen

Denn zur Wahrheit der Corona-Krise gehörte von Anfang an, dass die Risiken für die viertgrößte Wirtschaftsnation groß, aber im internationalen Vergleich eher gering sind. Anderen Staaten in Europa und außerhalb unseres Kontinents blüht viel übleres. Das jüngst von der UN befürchtete zwei Billionen Euro große Finanzloch in Entwicklungsländern ist ebenso wie die desaströse Lage in Spanien und Italien ein Hinweis darauf.

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Bleibt zu hoffen, dass Deutschland im April nicht mehr auf die eigenen Vorratskammern blickt, sondern international Verantwortung übernimmt. Das wäre klug, auch im Sinne der Versorgungssicherheit. Denn dass die Lager hier gut gefüllt sind, haben wir in einer globalisierten Welt oft genug der Arbeit von Menschen in anderen Ländern zu verdanken.




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