Probleme vor allem bei Long Covid

Corona-Infektion erschwert Abschluss von Berufsunfähigkeitsversicherungen

Ein Stempel mit der Aufschrift Berufsunfähigkeit (Symbolbild). Wer Corona hatte, kann Probleme beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen.

Ein Stempel mit der Aufschrift Berufsunfähigkeit (Symbolbild). Wer Corona hatte, kann Probleme beim Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen.

München. Jeder dritte bis vierte Deutsche wird in seinem Leben statistisch berufsunfähig und steht finanziell dann oft vor existenziellen Problemen. Deshalb sind Policen gegen Berufsunfähigkeit (BU) so wichtig. Für Corona-Erkrankte ist es aber nicht mehr so leicht, eine BU-Police zu bekommen.

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„Bei Neuabschlüssen kann es zu Problemen bei der Antragstellung kommen“, weiß Miriam Michelsen. Wer an Covid erkrankt ist oder war, erhalte von Versicherern immer öfter eine Wartezeit auferlegt, um die individuellen Langzeitfolgen der Krankheit besser abschätzen zu können, erklärt die Leiterin Vorsorge und Krankenversicherung beim Finanzdienstleisters MLP, der auch solche Policen vermittelt. Denn wenn BU-Versicherte berufsunfähig werden, kann es für die Konzerne teuer werden. Da beäugt man neue Risiken argwöhnisch.

Von einheitlicher Marktlage kann man beim Standardprodukt BU-Police im Fall einer Corona-Erkrankung schon jetzt nicht mehr sprechen. So nennt die Alte Leipziger bei BU-Suchenden mit vorangegangener schwerer Corona-Erkrankung als groben Daumenwert eine Wartezeit von einem halben bis ganzen Jahr, bis sie dann eventuell noch versichert werden können.

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Bei weniger schweren Fällen betrage die Spanne ein bis drei Monate. Die Stuttgarter Lebensversicherung stellt noch akut Erkrankte grundsätzlich rund drei Monate zurück. Bei der Nürnberger betragen die Wartezeiten im Fall von Corona-Symptomen wie Geruchs- und Geschmacksverlust in der Regel ein Jahr. Wer danach symptomfrei ist, kann einen neuen Antrag stellen.

Auch komplette Ausschlüsse gibt es. „Bei Bestehen von Long Covid ist eine BU aktuell nicht versicherbar“, erklärt die Stuttgarter. Long Covid liege vor, wenn Symptome länger als vier Wochen fortbestehen. Bei der Alte Leipziger sind Ausschlüsse für bestimmte Organfunktionen wie der Lunge als Corona-Folge möglich.

Wer schon eine BU-Versicherung hat, ist auf der sicheren Seite

In welchem Ausmaß Wartezeiten oder Ausschlüsse bei BU-Versicherern allgemeine Praxis oder noch die Ausnahme sind, kann der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) nicht sagen. „Gibt es Langzeitfolgen, so ist gegebenenfalls damit zu rechnen, dass Versicherer Zuschläge beim Beitrag berechnen oder Ausschlüsse bestimmter Ursachen vorsehen“, erklärt ein GDV-Sprecher vage.

Zumindest wer schon eine BU-Police hat und dann an Covid erkrankt, ist auf der sicheren Seite, beruhigt Michelsen. BU-Policen zahlen in der Regel, wenn man den letzten Beruf gesundheitsbedingt länger als ein halbes Jahr nicht mehr ausüben kann. „Da ist die Ursache irrelevant, auch wenn es sich um Covid handelt“, stellt die MLP-Expertin für bereits BU-Versicherte klar. Covid werde für solche Bestandsfälle in puncto Berufsunfähigkeit wie jede andere Erkrankung behandelt.

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Anders ist es bei BU-Neuabschlüssen. Da werde im Risikofragebogen nach Infektionserkrankungen gefragt. Antragsteller müssten eine Covid-Erkrankung ehrlich angeben, weil bei einem späteren BU-Fall die Versicherung sonst Leistung verweigern darf. „Wie Versicherer dann damit umgehen, ist verschieden“, beschreibt Michelsen mit ihrem Überblick über viele Anbieter die Marktlage und bestätigt damit den ersten Eindruck. Bei Corona-Erkrankungen verhängte Wartezeiten würden zwischen drei Monaten und einem Jahr schwanken.

Long Covid und die Folgen

„Die neuen Praktiken sind uns bekannt“, sagt Elke Weidenbach. Seit Pandemieausbruch würden Versicherer bei BU-Neuabschlüssen immer intensiver nach Corona-Erkrankungen fragen, weiß die Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Es geht Versicherern vor allem um Long Covid“, sagt die Juristin und meint damit die Langzeitfolgen.

Sollten die nennenswert zu Berufsunfähigkeiten führen, seien bei damit verbundenen Krankheitsbildern vermehrt Aufschläge auf BU-Prämien die Folge. Versicherer könnten dann in individuellen Verträgen auch eine Leistungspflicht ausschließen, falls jemand aufgrund von Covid-Spätfolgen berufsunfähig wird.

„Wir sehen das als ausgesprochen problematisch an“, sagt die Verbraucherschützerin. Denn das Krankheitsbild von Long Covid sei recht diffus und unscharf. Mal seien die Atemwege betroffen, mal das Herz oder anderes. Das könne bei späterer Berufsunfähigkeit zu Diskussionen führen. „Wo endet der Rückschluss auf Corona, und was ist BU-Schutz dann noch wert“, fragt sich nicht nur Weidenbach. Auch Michelsen sieht hier bei Berufsunfähigkeitsversicherungen ein neues Konfliktpotenzial heraufdämmern.

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