Tarifkonflikte ohne Ende im Lufthansa-Konzern

Pilotenstreik: Eurowings-Management setzt auf die harte Tour

Gähnende Leere: Am Flughagen Köln/Bonn ging am Montag quasi nichts.

Gähnende Leere: Am Flughagen Köln/Bonn ging am Montag quasi nichts.

Frankfurt am Main. Eurowings-Kunden und ‑Kundinnen werden in den nächsten Wochen gute Nerven brauchen. Alles sieht nach weiteren Streiks aus – in dem Tarifkonflikt, der sich um die Arbeitsbedingungen der Piloten und Pilotinnen dreht. Und es könnte gut sein, dass die Position der Flugzeug­führer durch den Ausstand eher noch geschwächt wird.

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Kai Duve, Finanzchef der Lufthansa-Tochter, machte am Montag zu Beginn eines dreitägigen Streiks klar, dass das Management nicht bereit sei, seine bisherige Offerte aufzubessern. „Wir müssen jetzt sprechen, bis dahin wird es kein neues Angebot geben.“

Die Piloten­gewerkschaft Cockpit (VC) hatte am Freitagabend zu den Arbeits­kampf­maßnahmen aufgerufen, nachdem sie die Verhandlungen über den Manteltarif­vertrag für gescheitert erklärt hatte. Die Praxis des Unter­nehmens, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen „regelmäßig bis an die gesetzlichen Grenzwerte zu verplanen“, führe zu einer erheblichen Belastung, die abgemildert werden müsse. Die Kernforderung: 14 zusätzliche freie Tage pro Jahr und eine Reduktion der Wochen­arbeits­zeit. Die Arbeitgeber­seite weigere sich, ein verhandlungsfähiges Angebot vorzulegen.

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Mehr als die Hälfte der Maschinen fliegt

Der Streik begann am Montag um null Uhr und soll bis Mittwoch, 23.59 Uhr, gehen. Laut Eurowings mussten allein am Düsseldorfer Flughafen 102 der für Montag geplanten 170 Flüge abgesagt werden. Am Airport Köln/Bonn waren es 43, und in Stuttgart wurden 40 Starts und Landungen annulliert. Das Management geht davon aus, dass am Montag insgesamt aber noch etwa 230 von 400 Flügen stattfinden konnten.

Laut Duve kostet der Streik sein Unternehmen jeden Tag einen zweistelligen Millionen-Euro-Betrag. Das früher übliche Chaos an den Airports war am Montag gleichwohl nicht zu beobachten. Das hat damit zu tun, dass die LH-Tochter ebenso wie die Mutterfirma die Kunden mittlerweile routiniert über SMS und Apps informiert und umdirigiert – bei innerdeutschen Flügen vor allem auf die Deutsche Bahn.

Erneuter Pilotenstreik bei Eurowings sorgt für viele Flugausfälle

Die Piloten­gewerkschaft Vereinigung Cockpit will bessere Arbeits­bedingungen bei Eurowings durchsetzen. Daher streikt sie schon wieder.

Zudem wird umgebucht, was der Airline häufig den positiven Nebeneffekt bringt, dass manche Flieger mit freien Sitzplätzen stärker ausgelastet werden können. Die Piloten und Pilotinnen hatten sich gezielt die ersten Tage der 42. Woche ausgesucht, um Druck zu erzeugen: Am Montag begannen in insgesamt fünf Bundesländern die Herbstferien.

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Verlagerung auf einen neuen Flugbetrieb

Duve jedenfalls warnte die Flugzeugführer, dass der Streik Arbeitsplätze gefährde und dass die Verweigerungs­haltung die Perspektiven für Eurowings Deutschland gefährde. Dahinter steckt eine Drohung, die die VC-Funktionäre durchaus ernst nehmen müssen. Mit der Eurowings Europe gibt es innerhalb des Billigflieger­segments des Lufthansa-Konzerns einen verschwisterten Flugbetrieb, der vor einigen Tagen seinen Sitz von Österreich nach Malta verlegt hat – was vor allem steuerliche Gründe hat.

Aber mit diesem Schritt wird die Europe-Linie noch ein Stück weiter dem Einflussbereich der VC entzogen. Bis April nächsten Jahres sollen Crews und Flugzeuge sukzessive auf die neue maltesische Gesellschaft übergehen. Hier könnte es durchaus so weit kommen, dass die deutsche GmbH weitgehend ausgehöhlt wird, indem Piloten und Pilotinnen in die Firma auf Malta versetzt werden – was weitreichende Folgen haben könnte. Nämlich eine Sparte unter dem Konzerndach mit Arbeits­bedingungen und einer Bezahlung, die sich Ryanair immer stärker annähern. Nicht umsonst besitzen die Iren – die für geringe Personalkosten bekannt sind – mit Air Malta bereits einen Ableger auf der Mittelmeerinsel.

Partnerairlines helfen

Die Strategie der Konzernführung mit immer neuen Flugbetrieben ist auch der Grund dafür, dass Eurowings hierzulande zumindest am ersten Streiktag mit den 230 Starts und Landungen mehr als die Hälfte des Flugplans erfüllen konnte. Bei Europe werde unter Volllast geflogen, hieß es. Auch die Subairline Eurowings Discover, die eigentlich zuständig für die touristische Langstrecke und nicht vom Streikaufruf betroffen ist, sprang ein. Hinzu kommen Partner­airlines, die Passagiere übernahmen.

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Indes hat Duve bereits zehn zusätzliche freie Tage und zwei Stunden weniger pro Woche angeboten. Wer dies nicht als verhandlungs­fähiges Angebot sehe, habe Maß und Mitte verloren, so der Eurowings-Finanzchef.

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