Kolumne „Weltwirtschaft“

Der Spritpreis als Politbarometer

Von wegen große Freiheit: Das Tanken in den USA ist zu einem teuren Vergnügen geworden.

Von wegen große Freiheit: Das Tanken in den USA ist zu einem teuren Vergnügen geworden.

Washington. Zugegeben: Lange habe ich mich nicht sonderlich um den Benzinpreis gekümmert. Das liegt zum einen daran, dass man im chronisch verstopften Washington das Auto eher selten benutzt. Und dann war der Sprit hier lange so billig, dass ein paar Cent mehr oder weniger nicht sonderlich ins Gewicht fielen.

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Das hat sich geändert, als im Frühjahr die Zahlen an der Exxon-Tankstelle in meiner Straße zu explodieren begannen. Plötzlich waren statt 3,20 Dollar knapp über 5 Dollar für die Gallone (3,8 Liter) Normalbenzin fällig. Im Autoland USA ist das schlimmer, als wenn sich in Deutschland der Bierpreis verdoppelt. Entsprechend erleichtert schien man im Weißen Haus, als der Sprit ab Mitte Juni wieder billiger wurde. Joe Bidens Stabschef Ron Klain verbreitete täglich Tankstellenstatistiken wie sensationelle Umfragewerte.

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Die Jubel-Tweets sind verstummt

„Die Benzinpreise fallen nun seit 95 Tagen“, twitterte er am 17. September: „An mehr als der Hälfte der Zapfsäulen in Amerika kostet der Sprit weniger als 3,49 Dollar.“ Doch einen Tag später verstummten die Jubel-Tweets. Auf den Anzeigetafeln der Tankstellen wird seither nämlich wieder nach oben gezählt. Das ist für Biden ein Riesenproblem, denn die Autofahrer und Autofahrerinnen könnten ihren Frust bei den Kongresswahlen im November an den Demokraten auslassen.

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So besorgt ist die US-Regierung, dass Biden dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, den er nach dem bestialischen Mord an dem Journalisten Jamal Khashoggi eigentlich zum „Pariah“ machen wollte, im Juli die Aufwartung machte. Geholfen hat der Kotau nicht, wie sich in der vorigen Woche zeigte, als die Saudis mit den anderen Ölkartellländern eiskalt eine Kürzung der Förderung beschlossen. Biden zeigte sich „enttäuscht“, die Demokraten sind wütend. Doch kurzfristig können sie (außer dem erneuten Abbau der staatlichen Ölreserven) wenig machen.

So endet auch diese Kolumne abrupt. Sorry! Ich muss dringend los: Die Tanke ruft. Gestern kostete die Gallone noch 3,91 Dollar. Heute sind schon 3,92 Dollar fällig.

Karl Doemens ist USA-Korrespondent des RND. Was die größte Volkswirtschaft der Welt antreibt, erklärt er in der Kolumne „Weltwirtschaft“, die er im wöchentlichen Wechsel mit seinen Kolleginnen und Kollegen aus Peking, London, Brüssel sowie für Russland und Osteuropa schreibt. Alle bisherigen Beiträge der Kolumne finden Sie hier.

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