Inflationsrate von 10 Prozent?

Deutsche-Bank-Vize: „Dann schmilzt das Vermögen wie Eis in der Sonne“

Karl von Rohr, Vorstandsmitglied (Chief Administrative Officer) der Deutschen Bank spricht im Rahmen der digitalen Hauptversammlung der Deutschen Bank (Archivbild).

Karl von Rohr, Vorstandsmitglied (Chief Administrative Officer) der Deutschen Bank spricht im Rahmen der digitalen Hauptversammlung der Deutschen Bank (Archivbild).

Berlin. Deutsche-Bank-Vize-Chef Karl von Rohr hat die Politik davor gewarnt, Eigenkapitalregeln für Banken angesichts der unsicheren wirtschaftlichen Situation strenger zu gestalten. „Jetzt manche dieser Instrumente noch zu verschärfen, halten wir nicht für sinnvoll“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Man dürfe gerade in der aktuellen Situation nicht die Balance verlieren.

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„Für jeden Euro, den wir nicht aufgrund regulatorischer Vorgaben als zusätzliches Eigenkapital vorhalten oder in den europäischen Abwicklungsfonds einzahlen müssen, können wir je nach Art und Besicherung des Kredits zwischen 20 und 40 Euro an zusätzlichem Kreditvolumen ausreichen.“ Deutschlandweit seien das für alle Banken nach Schätzungen der Deutschen Bank bis zu 700 Milliarden Euro an potenziellem Kreditvolumen, das aufgrund verschiedener Vorschriften nicht für Unternehmen zur Verfügung stehen würde.

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Laut von Rohr spürt die Deutsche Bank die Ängste der Privatkunden im Geschäft allerdings noch nicht. Das liege an der schwierigen Abwägung, vor der momentan jeder stehe: Wer in unsicheren Zeiten in Wertpapiere wie Aktien investiere, riskiere, dass sich die Kurse schlecht entwickelten. „Die Alternative ist, das Vermögen liegenzulassen. Dann schmilzt es aber wie Eis in der Sonne.“

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Von Rohr hält Inflation von bis zu 10 Prozent für möglich

Der Vize-Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank blickt außerdem mit Sorge auf die hohen Inflationsraten. „Unsere Prognose ist, dass wir im Laufe des Jahres bei einer Inflationsrate von 7 bis 8 Prozent liegen werden. Für den Fall, dass die Energieimporte stärker limitiert werden, könnten wir sogar 10 Prozent und mehr sehen“, sagte er der Zeitung. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir Inflationsraten bekommen könnten, wie wir sie seit den Siebzigerjahren nicht mehr gesehen haben.“

Mit Blick auf die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank hält von Rohr baldige Zinserhöhungen für „dringend erforderlich“, „damit die Inflationserwartungen sich nicht auf hohem Niveau verfestigen“.

Ende der Strafzinsen in Aussicht

Am Donnerstag hatte die Europäische Zentralbank (EZB) beschlossen, den Leitzins von null Prozent trotz anhaltend hoher Inflationsraten beizubehalten. Der Leitzins im Währungsraum der 19 Länder liegt seit nunmehr rund sechs Jahren auf dem Rekordtief von null Prozent.

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Weiterhin stellte von Rohr ein Ende der Strafzinsen für Sparer in Aussicht. „Sobald die Notenbank auf Negativzinsen verzichtet, wird es auch für uns keinen Grund mehr geben, im Privatkundengeschäft Verwahrentgelte zu erheben. Das sollte dann ziemlich schnell gehen“, sagte er.

RND/dpa/jw

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