Deutsche Unternehmen in Russland: Keine Gewinner
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Anstecker einer deutsch-russischen Wirtschaftsdelegation: Es gibt keine Gewinner.
© Quelle: Patrick Pleul/ZB/dpa
Berlin. Der Exodus der vergangenen Wochen war beeindruckend. Jeden Tag zogen weitere westliche Unternehmen Konsequenzen aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Verträge wurden gekündigt, Werke geschlossen, Investitionen auf Eis gelegt.
Einig wie nie seien sich die Unternehmen gewesen, heißt es in der deutschen Wirtschaft. Die Empörung über das brutale Vorgehen der russischen Armee und die Lügen von Kreml-Chef Wladimir Putin war und ist groß.
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Bei manchen aber mag auch die Hoffnung eine Rolle gespielt haben, dass eine möglichst entschiedene Reaktion jetzt zu einem baldigen Ende des Krieges gegen die Ukraine beitragen könnte – und damit zu einer Zukunft auf dem russischen Markt.
Doch die Hoffnungen schwinden. Mit jedem Tag, den das Morden in der Ukraine weitergeht, wird die Wahrscheinlichkeit kleiner, dass es in absehbarer Zeit eine Rückkehr zum „Business as usual“ geben könnte. Vielmehr zeichnet sich ab, dass der Westen vor einem jahrelangen Konflikt mit Russland steht. Wie viel Geschäft in einem dauerhaft konfrontativen Umfeld noch möglich ist, weiß derzeit niemand. Die Risiken jedenfalls sind enorm.
Irgendwann braucht die Wirtschaft Klarheit
Noch warten viele ab, bevor sie sich endgültig vom russischen Markt zurückziehen. Aber irgendwann braucht die Wirtschaft Klarheit. Nach sieben Jahren mit Sanktionen dürfte immer mehr Unternehmenslenkern das Ende mit Schrecken reizvoller vorkommen als der Schrecken ohne Ende.
Der Preis allerdings wird hoch sein – und zwar für alle. Unternehmen müssen ihre Investition abschreiben, russische Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Es dürften in der Mehrheit ausgerechnet jene sein, die eher westlich orientiert sind und Wladimir Putin kritisch gegenüberstehen. Europa verliert damit auch den letzten Einfluss in Russland.
Was im Krieg gilt, gilt auch in der Wirtschaft: Es gibt keine Gewinner.