Kritische Infrastruktur

Leck an der Druschba-Pipeline schürt neue Energieangst

Zurawice: Feuerwehr und Polizei stehen am Ort des Lecks an der Pipeline Druschba.

Zurawice: Feuerwehr und Polizei stehen am Ort des Lecks an der Pipeline Druschba.

Frankfurt am Main. Ein Leck an der enorm wichtigen Druschba-Ölpipeline hat neue Ängste über die Energie­sicherheit in Europa geschürt. Die undichte Stelle befindet sich etwa 70 Kilometer westlich der mittelpolnischen Stadt Plock. Die Rohrleitung ist für die Versorgung der Raffinerie in Schwedt an der Oder von enormer Bedeutung, dort werden Benzin, Diesel und Heizöl für Berlin und weite Teile von Nordost­deutschland produziert.

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Mitarbeiter des polnischen Pipeline­betreibers Pern hatten die Schäden am späten Dienstagabend entdeckt. Am Mittwoch­nachmittag hieß es, dass die genaueren Umstände noch nicht hätten geklärt werden können. Auch Stanislaw Zaryn, Sprecher des Koordinators der polnischen Geheimdienste, schrieb auf Twitter: „Bislang gibt es keine Hinweise auf die Ursache des Ausfalls. Alle Hypothesen sind möglich.“ Zuvor hatte der für die Infrastruktur zuständige oberste Beamte, Mateusz Berger, gesagt, dass Sabotage ausgeschlossen werde. Die Ursache sei wohl eher eine unbeabsichtigte Beschädigung.

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Feuerwehr pumpt ab

„Unsere wichtigste Maßnahme ist zunächst einmal, Flüssigkeit abzupumpen“, erläuterte ein Feuerwehr­sprecher im polnischen TV-Sender TVP Info. Es handele sich um eine „erdölbasierte Substanz“, die sich in einer Senke in einem Maisfeld gesammelt habe. Rund 400 Kubikmeter (400.000 Liter) seien entfernt worden, hieß es am Mittag. Das ist eine relativ geringe Menge angesichts einer Gesamt­kapazität der Druschba-Pipeline von täglich fast 400 Millionen Litern.

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Erst wenn der Druck in der Leitung abgenommen habe, könne der Schaden genauer inspiziert werden, so der Feuerwehr­sprecher. Laut Pern wurde das für einen solchen Fall vorgeschriebene Prozedere eingeleitet, dazu gehöre auch, die weitere Durchleitung von Rohöl zu stoppen. Nach Angaben des Pipeline­betreibers wurden an der parallel laufenden zweiten Rohrleitungs­linie zunächst keinerlei Beeinträchtigungen festgestellt. Noch für den Mittwoch wurden weitere Angaben zu dem Vorfall angekündigt.

Unter den Regierungen der Europäischen Union sind die Besorgnisse über die Sicherheit der kritischen Infrastrukturen groß. Mehrere Lecks an den Ostsee-Gaspipelines Nord Stream 1 und Nord Stream 2 gehen zweifelsfrei auf Sabotage­aktionen zurück. Das gilt auch für Beschädigungen an Kommunikations­kabeln der Deutschen Bahn, wodurch am vorigen Wochenende der Zugverkehr in Nord­deutschland zeitweise eingestellt werden musste. Am Mittwoch trafen sich die Nato-Verteidigungs­minister in Brüssel, um über einen stärkeren Schutz für kritische Infrastrukturen zu beraten.

Polnischer Betreiber meldet Leck an der Ölpipeline Druschba

Ein Vertreter der polnischen Energie­infrastruktur­behörde betonte am Mittwoch­vormittag, es gebe keinen Grund, in diesem Fall von Sabotage auszugehen.

Das Pipeline-Netzwerk Druschba (auf Deutsch: Freundschaft) wurde in den frühen 1960er-Jahren errichtet, um die damalige DDR, Polen und eine Reihe weiterer Länder in Osteuropa mit Öl aus Sibirien zu versorgen. An das Netzwerk wurde 1963 die heutige PCK-Raffinerie in Schwedt angeschlossen. Sie ist seither komplett von sibirischem Öl abhängig.

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Rohre sind vielfach marode

Die Leitung führt von Schwedt auch zu den Verarbeitungs­anlagen in Leuna (Sachsen-Anhalt) und zum Rostocker Hafen. Außerdem geht ein Abzweig zum Danziger Hafen. In den 1970er-Jahren wurde eine zweite parallel laufende Leitung errichtet, um die Kapazität zu erweitern. Die Pipeline gilt heute insbesondere auf russischem Territorium als streckenweise massiv erneuerungs­bedürftig. Immer wieder kommt es zu Leckagen. Naturschützer beklagen massive Folgen für die Umwelt.

An der PCK Raffinerie in Schwedt endet die Druschba.

Leck in der Druschba: Welche Bedeutung die Pipeline für Deutschland hat

In Polen ist ein Leck an der Pipeline Druschba entdeckt worden. Durch sie fließt normalerweise Öl aus Russland bis ins brandenburgische Schwedt. Wegen starker Abhängigkeiten löst der Schaden nun große Sorgen aus.

Nach Angaben von Pern floss am Mittwoch weiterhin Öl nach Schwedt und Leuna. Aber ein PCK-Sprecher sagte zu der Leckage: „Es wird Folgen haben. Es wird definitiv weniger Öl ankommen.“ Zum Ausmaß könne er noch nichts sagen, da unklar sei, wie schwer die Schäden seien. „Wir sind dabei, Vorkehrungen zu treffen, um die Versorgung sicherzustellen.“ Ein Sprecher der Bundes­netz­agentur sagte dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND): „Die Versorgungs­sicherheit in Deutschland ist aktuell gewährleistet.“ Die Raffinerie in Schwedt erhalte aktuell weiter Rohöl. Er fügte hinzu: „Wir beobachten die Lage genau und stehen mit allen betroffenen Stellen in engem Kontakt. In der PCK Schwedt wurden in den vergangenen Wochen bewusst vorsorglich die eigenen Ölvorräte vor Ort erhöht.“

Pipeline ist wichtig für die Zeit nach dem russischen Öl

Die für Polens Versorgung mit Kraftstoffen zentral wichtigen petrochemischen Anlagen in Plock würden mit den bestellten Mengen versorgt, so ein Pern-Sprecher. Diese Raffinerie befindet sich östlich der Schadensstelle.

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Die Leckage ist für die Zukunft der hiesigen Ölversorgung brisant, weil Deutschland sich mit dem Jahreswechsel von russischen Öllieferungen abkoppeln will. Leuna und Schwedt sollen dann unter anderem mit Öl aus den USA und von der Arabischen Halbinsel über die Häfen Rostock und Danzig versorgt werden. Die Leckage liegt etwa auf halber Strecke zwischen der polnischen Hafenstadt und der Raffinerie in der Uckermark. Die Bundesregierung plant, dass dort künftig auch Öl aus Kasachstan verarbeitet wird. Doch dafür müsste die Druschba-Infrastruktur ebenfalls genutzt werden.

Für den sogenannten Südschenkel der Druschba, der Öl nach Ungarn liefert, wurden keine besonderen Vorkommnisse gemeldet. Für diese Leitungen sollen Ausnahmeregeln von den EU-Sanktionen gelten, da die drei Länder keinen Zugang zu Seehäfen haben.

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