Fragen und Antworten zum Gasmarkt: Wie hart wird der Winter?

Erdgasverflüssigung in Murmansk: Russland setzt nicht mehr nur auf Erdgas, das über Pipelines transportiert wird. Durch die Verflüssigung unter hohem Druck kann es per Schiff exportiert werden.

Erdgasverflüssigung in Murmansk: Russland setzt nicht mehr nur auf Erdgas, das über Pipelines transportiert wird. Durch die Verflüssigung unter hohem Druck kann es per Schiff exportiert werden.

Frankfurt. Von einer Energiekrise ist allenthalten die Rede. Vor allem die Preise für Erdgas sind in die Höhe geschossen. Das Heizen war noch nie so teuer wie heute. Wir erläutern, wann sich die Preise wieder normalisieren und wie Verbraucher entlastet werden könnten.

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Wie teuer ist Erdgas momentan?

Sehr teuer. Im Großhandel kostet Erdgas heute fünfmal mehr als vor einem Jahr. Die massiven Anstiege begannen im September. Seit Ende Oktober sind die Notierungen noch einmal um ein Drittel geklettert.

Was sind die Ursachen für den Anstieg?

Da kommt einiges zusammen: Anfang des Jahres war die Heizperiode ungewöhnlich lang. Die unterirdischen Gasspeicher in Europa konnten deshalb nicht so schnell gefüllt werden, wie es üblich ist. Zugleich wuchs mit dem Ende der Lockdowns der weltweite Bedarf nach Erdgas schlagartig. Hinzu kam, dass Russland als wichtigster Lieferant für Westeuropa weniger in die Pipelines pumpte. Derzeit seien es nur 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, so EU-Energiekommissarin Kadri Simson am Donnerstag.

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Was bedeutet das für die Verbraucher?

Nach Erhebungen des Verbraucherportals Verivox für das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) wollen Gasversorger, die drei Viertel der Haushalte beliefern, die Preise zum Jahreswechsel erhöhen. Eine Familie mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden bezahlt dann im Schnitt 329 Euro mehr.

Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox, betont, dass auch höhere Netzgebühren und der CO₂-Preis eine Rolle spielten. Letzterer war Anfang 2021 eingeführt worden. Er allein macht nach Berechnungen des Heizungsspezialisten Thermondo Mehrkosten von etwa 110 Euro aus.

Die unterschiedlich hohen Aufschläge hängen mit den Einkaufsstrategien der Versorger zusammen – je kurzfristiger diese sich auf dem Großmarkt eindecken, umso höher sind derzeit die Kosten.

Wie werden sich die Preise weiter entwickeln?

Viele Faktoren kommen da ins Spiel: So kursiert die Vermutung, dass Russland am Gashahn dreht, um eine baldige Genehmigung für den Betrieb der fertiggestellten Pipeline Nord Stream 2 zu erzwingen. Das Verfahren wurde gestoppt, weil bislang diverse Bestimmungen der EU nicht erfüllt wurden. Wird die Pipeline doch noch im Winter in Betrieb genommen, werden die Preise purzeln.

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Welche Rolle spielt der globale Gasmarkt?

Eine wichtige: Experten gehen davon aus, dass China in diesem Jahr zum größten Importeur von verflüssigtem Erdgas (LNG) wird. Es wird in der Volksrepublik insbesondere benötigt, um klimaschädliche Kohle zu ersetzen. Dies hat dazu geführt, dass erheblich weniger LNG per Schiff nach Europa transportiert werden kann.

Und das Wetter?

Es ist der maßgebliche, aber kaum kalkulierbare Faktor. Längere Kälteperioden in Europa könnten die Preise noch einmal massiv in die Höhe treiben. Derweil wurden zu Beginn der Wintersaison in den USA anhaltend hohe Temperaturen (bis zu 16 Grad in New York) registriert. Bradley Harvey, Meteorologe beim Wetterprognosedienst Maxar, sagte der Finanznachrichtenagentur Bloomberg, dieser Trend könne im Dezember auch auf Europa überspringen.

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Tritt dies ein, würden die Gaspreise deutlich sinken. Darüber hinaus wird die Nachfrage mit dem Ende der Heizperiode im April/Mai zurückgehen – unter anderem die Wirtschaftsweisen erwarten dann merkliche Preisabschläge.

Wie geht die Politik mit den hohen Gaspreisen um?

Die EU-Energieminister sind zerstritten – das wurde bei einem Treffen am Donnerstag abermals deutlich. Eine Gruppe, zu der Frankreich und Spanien gehören, fordert massive Eingriffe in die Energiemärkte, um weitere Preisanstiege zu verhindern. Die andere Gruppe – mit Deutschland an der Spitze – will am bisherigen wettbewerblichen Marktdesign festhalten. Beim EU-Gipfel am 16. Dezember – dann mit Vertretern der neuen Bundesregierung – soll das Thema Energiemarkt ein Schwerpunkt sein.

Gibt es kurzfristige Hilfe?

Wahrscheinlich. Die Ampelparteien wollen „das Wohngeld stärken, eine Klimakomponente einführen und einmalig einen erhöhten Heizkostenzuschuss zahlen“. Insider erwarten, dass die Umsetzung dieser Hilfen zu einem der ersten Vorhaben der neuen Regierung gehören wird. Zumal im neuen Jahr der CO₂-Preis für Erdgas steigt – von 25 auf 30 Euro pro Tonne.

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Werden die Pläne der Ampel ausreichen?

Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert mehr: Strom- und Gassperren sollen bis Ende April ausgesetzt werden. Nicht nur die Berechnung des Wohngeldes, sondern auch des Arbeitslosengeldes und der Altersgrundsicherung sollen an den realen Kosten der Betroffenen ausgerichtet werden. Deutschland müsse zudem so schnell wie möglich von importierten fossilen Energieträgern unabhängig werden.

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