Gebrauchte Wohnmobile: Hohe Nachfrage lässt wenig Hoffnung auf Schnäppchen

Wohnmobile werden immer beliebter – das zeigt sich auch auf dem Gebrauchtmarkt.

Wohnmobile werden immer beliebter – das zeigt sich auch auf dem Gebrauchtmarkt.

Die Situation ist vertrackt. Seit Jahren kennt die Zulassungskurve der Reisemobile nur eine Richtung: nach oben. Steil nach oben. Jahr für Jahr wurden neue Rekordzahlen vermeldet, und während einige Branchen in den vergangenen beiden Jahren von großen Existenzsorgen geplagt wurden, gehörten die Caravaning-Hersteller ohne Zweifel zu den großen Corona-Gewinnern. Ja, die Pandemie beschleunigte sogar noch das Wachstum, weil das Verreisen im Wohnmobil oder Wohnwagen mit Abstand als eine der sichersten Urlaubsformen gilt.

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Bis im November 2021 der große Einbruch kam. Während die Wohnwagenzulassungen gleich um satte 30 Prozent in den Keller rauschten und sich nach einem ähnlich miesen Dezember in einem dicken Minus in der Jahresbilanz manifestierten, retteten die Reisemobile bei der spätherbstlichen Talfahrt noch ein kleines Zulassungsplus bis ins neue Jahr und verbuchten aufgrund der überdurchschnittlichen Zuwächse in den ersten drei Quartalen nun bereits das elfte Rekordjahr in Folge!

Kein Mangel an Nachfrage

Natürlich haben jetzt nicht auf einen Schlag alle Deutschen die vielfach erst neu erworbene Lust am Caravaning verloren. „Die Auftragslage ist unverändert hoch“, erläutert Daniel Onggowinarso, der Geschäftsführer des deutschen Caravaning-Verbandes CIVD. „Aber die Lieferkettenprobleme sind zum Teil dramatisch.“ Es mangelt an allem. Das beginnt schon bei den Fahrgestellen, wo besonders bei Marktführer Fiat, der aufgrund des Halbleitermangels sogar schon die Produktion aussetzen musste, die Lieferung des stark nachgefragten Ducatos massiv ins Stocken geraten ist. Das trifft wegen Rohstoffverknappung aber auch auf zahlreiche Zulieferteile zu. Rund 7000 Fahrzeuge, so Daniel Onggowinarso, sollen bei den Herstellern halb fertig auf Halde stehen und auf fehlende Fenster, Kühlschränke oder Toiletten zur Fertigstellung warten. Wann sich diese Situation wieder normalisiert, dazu wagt im Moment niemand eine Prognose abzugeben.

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Ein unbefriedigender Zustand, der weitere unerwünschte Folgen nach sich zieht: Die ohnehin nicht gerade billigen Wohnmobile verteuern sich noch mehr. Weil rare Rohstoffe wie etwa Kunststoffgranulat, wenn überhaupt, nur zu stark erhöhten Einkaufspreisen zu haben sind. Weil auch Ausstattungen vom Kompressorkühlschrank bis zu Leichtmetallrädern um 10, 20 oder mehr Prozent zugelegt haben. Und weil selbst die Frachtkosten längst auf einem deutlich höheren Niveau liegen.

Markt für gebrauchte Modelle ist „leer gefegt“

Das hat natürlich auch Auswirkungen auf den Gebrauchtwagenmarkt. Im Prinzip ist der Erwerb eines gebrauchten Wohnmobils eine durchaus interessante Alternative zum Neuwagenkauf. Auf zwei Jahre Gewährleistung, eine Dichtigkeitsgarantie und eine Wunschausstattung bis ins Detail muss dann zwar verzichtet werden, dafür braucht sich kein Gebrauchtwagenkäufer oder keine Gebrauchtwagenkäuferin mit langen Lieferfristen herumzuplagen und kommt meist doch etwas günstiger hinweg. „Allerdings ist der Markt so gut wie leer gefegt“, sagt Onggowinarso und deutet damit an, dass die hochdrehende Preisspirale sich auch hier niederschlägt. Auf der Suche nach einem gebrauchten Campingbus oder Wohnmobil, die ohnehin schon als sehr wertstabil gelten und entsprechend hochpreisig gehandelt werden, sollte sich kein Kaufinteressent große Hoffnungen auf ein Schnäppchen machen.

Immerhin bleibt noch der Aspekt eines schnell verfügbaren Freizeitfahrzeugs, sofern man kompromissbereit ist und auf ein entsprechendes Angebot stößt. Doch wo sucht man am besten nach solchen Offerten? Da gibt es zwei Möglichkeiten: einmal beim Händler. Das hat den Vorteil, dass er gesetzlich verpflichtet ist, ein Jahr lang für Sachmängel zu haften. Da außerdem davon auszugehen ist, dass die meist in Zahlung genommenen Modelle durchgecheckt und eventuelle Schäden repariert sind, gibt das ein gewisses Gefühl der Sicherheit.

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Privatkauf: Besichtigung und Probefahrt entscheidend

Die zweite Variante ist der mit etwas mehr Risiko behaftete Kauf von privat, denn der Verkäufer oder die Verkäuferin kann im Kaufvertrag jegliche Gewährleistung ausschließen und wird das in der Regel auch tun. Und egal ob im Kleinanzeigenteil der Fachzeitschriften oder in einschlägigen Onlineportalen wie caraworld.de (trotz leer gefegtem Markt finden sich hier allein fast 4500 Angebote) oder mobile.de (mit eigenem Caravaning-Bereich): Was in den Anzeigen bisweilen schön bebildert angepriesen wird, muss nicht deckungsgleich mit der Realität übereinstimmen. Zumal hier oft 15 oder 20 Jahre alte Wohnmobil mit veralteter Technik zu immer noch stolzen Preisen zwischen 10.000 und 20.000 Euro angeboten werden. Deshalb gilt hier für die Kaufentscheidung: Das Wichtigste ist die Besichtigung inklusive Probefahrt! Dafür sollte viel Zeit eingeplant werden, um nicht unter Zeitdruck zu geraten.

Worauf ist dabei besonders zu achten? Die Probefahrt gibt Aufschluss über alle fahrtechnischen Dinge des Basisfahrzeugs wie bei einem Gebraucht-Pkw auch. Lenkung, Bremsen, Getriebe, Komfort, Geräuschkulisse und, und, und. Bei der Außenbesichtigung sollte zunächst alles auf eventuelle Schäden geprüft werden. Auch die Reifen (Profiltiefe, Alter, gleichmäßige Abnutzung) nicht vergessen. Am besten zudem aufs Dach klettern, um mögliche Hagelschäden zu entdecken sowie Fenster und Dichtungen zu kontrollieren. Wenn das Dach beispielsweise stark bemoost ist, kann dies ein Zeichen dafür sein, dass das Fahrzeug in den Stehzeiten Wind und Wetter ausgesetzt war. Ein Blick unter das Reisemobil (eventuell Rost oder Ölleckagen) und in den Motorraum (Sauberkeit, Füllstände der Flüssigkeiten) gibt Rückschlüsse auf den Pflegezustand des Campmobils.

Dichtigkeit und Bordtechnik prüfen

Das A und O für die Langlebigkeit des bewohnbaren Teils ist allerdings die Dichtigkeit und das Fernhalten von Feuchtigkeit im Aufbau. Riecht es also schon beim Einsteigen etwas muffig, entdeckt man gar Schimmel oder aufgequollene Stellen, sollten alle Alarmsirenen schrillen. Um Klarheit zu erhalten, kann sich die Investition in ein Feuchtigkeitsmessgerät durchaus lohnen. In jedem Fall sollten die Fenster und Türen sorgfältig auf Risse und ähnliche Schäden untersucht werden. Auch die Duschwanne muss frei von solchen Beschädigungen sein.

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Und selbstverständlich gehört ein Funktionscheck der gesamten Bordtechnik sowie der Versorgungssysteme zum Prüfszenario. Kühlschrank, Kocher, Heizung, Wasserpumpe, sämtliche Lampen, das Kontrollpaneel – funktioniert das alles einwandfrei? Alle Klappen und Schubladen sollten sich fehlerfrei öffnen lassen. Sind die Wassertanks sauber und nicht veralgt? Ist der Schacht der Toilettenkassette sauber und trocken? Ist die Gasanlage regelmäßig gecheckt worden?

Sorgfalt bei der Prüfung zahlt sich hier aus. Und wer das Risiko weiter minimieren will, kann – sofern der Verkäufer oder die Verkäuferin einverstanden ist – sogar einen Campercheck beim ADAC (ab ca. 240 Euro) machen lassen und erhält nach einer rund zweistündigen Testung einen umfassenden Prüfbericht über die Sicherheitsausstattung sowie Funktions- und Feuchtigkeitsprüfungen.

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