IG Metall und Arbeitgeber ringen um Tarifvertrag für den Umbruch

Bei den gerade begonnenen Tarifverhandlungen für rund 3,8 Millionen Beschäftigte verlangt die Gewerkschaft nicht nur vier Prozent mehr Geld, sondern auch sogenannte Zukunftstarifverträge und intelligente Optionen zur Arbeitszeitverkürzung.

Bei den gerade begonnenen Tarifverhandlungen für rund 3,8 Millionen Beschäftigte verlangt die Gewerkschaft nicht nur vier Prozent mehr Geld, sondern auch sogenannte Zukunftstarifverträge und intelligente Optionen zur Arbeitszeitverkürzung.

Frankfurt/Berlin. Die IG Metall will beim technologischen Umbau der deutschen Industrie stärker mitreden, um möglichst viele Arbeitsplätze zu sichern. Bei den gerade begonnenen Tarifverhandlungen für rund 3,8 Millionen Beschäftigte verlangt die Gewerkschaft nicht nur vier Prozent mehr Geld, sondern auch sogenannte Zukunftstarifverträge und intelligente Optionen zur Arbeitszeitverkürzung. Corona hat die Modernisierung noch beschleunigt.

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Strategie der Unternehmen für Beschäftigte nicht immer nachvollziehbar

Die Beschäftigten seien alarmiert und blickten mit großen Sorgen in die Zukunft, sagte der Erste Vorsitzende der Gewerkschaft, Jörg Hofmann, der Deutschen Presse-Agentur. „Viele verspüren eine hohe Unsicherheit. Da vermischen sich Erfahrungen aus der Pandemie mit der Wahrnehmung von wirtschaftlicher Krise und strukturellen Veränderungen. Aber auch die Umsetzung der Klimaschutzziele führt viele zu der Frage: Was bedeutet das für mich und meine berufliche Perspektive?“

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Den Unternehmen stellt der Gewerkschaftschef schlechte Noten bei der Beantwortung dieser Fragen aus: „Es ist leider eine der Konstanten unserer Beschäftigtenbefragungen seit 2013, dass ein großer Teil von bis zu 50 Prozent der Beschäftigten die Strategie ihrer Unternehmen nicht erkennen können. Das ist schon erschreckend. Da müssen wir uns weiter einmischen, da müssen wir weiter die Unternehmen fordern.“

Kostenbelastung durch Pandemie zu hoch

Der neue Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, Stefan Wolf, weist auf die Produktionsverluste im Pandemiejahr 2020 hin. Während sich die Automobilindustrie inzwischen erhole, hätten andere Sektoren weiterhin zu kämpfen, vor allem der Maschinen-, Schiffs-, und Flugzeugbau. „Wir blicken für das laufende Jahr auf Umsatzrückgänge von 15 bis 30 Prozent.“ Im Vergleich zum Spitzenjahr 2018 seien allein bei den Autoherstellern weltweit rund 20 Millionen Fahrzeuge weniger produziert worden.

In dieser Situation gebe es nichts zu verteilen, sagte Wolf. Bereits jetzt seien die Löhne in der Metall- und Elektroindustrie sehr hoch. „Wir haben eine zu hohe Kostenbelastung“. „In einer solchen Situation muss man vielleicht mal zu dem Ergebnis kommen, dass es keinen Verteilungsspielraum gibt, sondern, dass wir vordringlich daran arbeiten, den Umsatz wieder zu steigern und möglicherweise auch Arbeitsplätze abzusichern. Das kann aber nicht über irgendwelche Zusicherungen gehen.“ Arbeitsplätze sichere nur der Erfolg bei Kunden.

Die IG Metall verlangt hingegen verbindliche Absprachen zu Technologien, Investitionen und Arbeitsplätzen. Man fange bei den Zukunftstarifverträgen nicht bei Null an, sagte der Gewerkschafter Hofmann. „Wir haben schon eine ganze Reihe von Verträgen, in denen zukünftige Produkte und Prozesse einschließlich der Investitionen und Beschäftigungswirkungen genau beschrieben ist. Das reicht von Volkswagen mit der jetzt angelaufenen systematischen Umstellung auf Elektromobilität bis hin zu kleineren Betrieben, die eigene Ideen zu ihrer Zukunft haben.“

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Warnstreiks der Metaller ab März möglich

In Betrieben mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten will die IG Metall die Arbeitszeit verkürzen. „Arbeitgeber und Betriebsräte haben das gleiche Interesse, die Fachkräfte zu halten“, warb Hofmann. Die Viertagewoche biete dort eine Alternative zur Arbeitszeitverkürzung, wo Kurzarbeit nicht möglich oder nicht sinnvoll sei. „Wer kürzer arbeitet ist produktiver“, erklärte der Gewerkschafter.

Gesamtmetall-Präsident Wolf warnte vor möglichen Warnstreiks der Metaller, die ab März möglich sind. Sie seien „Sand im Getriebe“ der wieder anlaufenden Branche. Hofmann zeigte sich hingegen optimistisch: „Ich bin froh, dass wir im neuen Jahr erst einmal zwei Monate zum Verhandeln haben.“ Er sehe einige positive Ansätze aus den vorangegangenen Gesprächen im Frühjahr 2020. Dort habe man bereits über Zukunftstarifverträge, Kurzarbeitergeld oder die Übernahme der Ausgebildeten gesprochen.

RND/dpa

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