Hilfe gegen Fachkräftemangel?

Integration ukrainischer Geflüchteter in den Arbeitsmarkt: Darauf kommt es an

Ukrainische Flüchtlinge sprechen nach ihrer Ankunft am Hauptbahnhof mit Helfern des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB).

Ukrainische Flüchtlinge sprechen nach ihrer Ankunft am Hauptbahnhof mit Helfern des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB).

Berlin. Fast 200.000 Menschen aus der Ukraine sind in den vergangenen Wochen vor Putins Krieg nach Deutschland geflüchtet. Das sagen zumindest die offiziellen Zahlen – in Wirklichkeit dürften es weit mehr sein, die unregistriert bei Familie oder Freunden untergekommen sind.

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Wie viele davon dauerhaft in Deutschland bleiben werden, ist unklar, viele von ihnen könnten im Laufe der Zeit aber der Wirtschaft im so oft beschriebenen Fachkräftemangel helfen – wenn einige Voraussetzungen erfüllt sind.

Herbert Brücker, Forschungsbereichsleiter im Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), sieht die Chancen zur Integration in den Arbeitsmarkt grundsätzlich als gut an, denn das Ausbildungsniveau der Menschen sei deutlich höher als bei anderen Fluchtbewegungen. Auch wenn es ein anderes Ausbildungssystem gebe, dass mit dem deutschen kaum vergleichbar sei: „Es haben mehr Ukrainer einen Hochschulabschluss als die Menschen in Deutschland.“

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Integration langwieriger Prozess

Dazu sei die Nachfrage nach Arbeitskräften in allen Bereichen groß. Allerdings dürfe man sich keine Illusionen machen; es sei trotzdem ein langwieriger Prozess. Die Erfahrung aus der Vergangenheit zeige, dass nach fünf Jahren oft erst um die Hälfte der Geflüchteten ein Beschäftigungsverhältnis eingegangen ist.

„50 Prozent der Flüchtenden sind Kinder. Der Rest überwiegend Frauen oder ältere Männer“, nennt Brücker dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) einen Grund, warum der Wirtschaft zumindest in naher Zukunft wohl keine Massen zusätzlicher Arbeitskräfte zur Verfügung stehen werden. Dies liege auch daran, dass die Frauen sich häufig zunächst um die Kinderbetreuung kümmern müssten, bevor sie an eine Arbeitsaufnahme denken könnten.

Auch wenn in den Bund-Länder-Gesprächen vom Donnerstag deutlich wurde, dass ukrainische Geflüchtete schnellen Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen sollen, sei es noch zu früh, um zu sagen, wie viele Menschen unmittelbar in den Arbeitsmarkt streben werden. Und im Moment gehe es ohnehin vor allem um humanitäre Hilfe und ein gutes Ankommen.

Hunderte ukrainische Geflüchtete kommen in München an

In München sind seit Beginn des Angriffskriegs circa 14.000 Menschen aus der Ukraine angekommen. Jeden Tag werden es rund 1700 Geflüchtete mehr.

Trotz der guten Qualifikation werde sich der Großteil der Menschen zumindest zu Beginn nicht in akademischen Berufen wiederfinden. Viel werde sich im Dienstleistungsbereich, der Gastronomie, der Pflege oder ähnlichen Branchen abspielen. Dafür sei auch die oft noch fehlende Fähigkeit, Deutsch zu sprechen, ein Grund. „Gerade in akademischen Berufen ist der Spracherwerb besonders wichtig“, so der Wissenschaftler.

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Die Bedeutung der Sprache stellt auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) heraus. „Die Menschen brauchen Sprachkurse, unbürokratische Anerkennung ihrer Abschlüsse und Qualifikationen sowie Zugang zu Bildung und Weiterbildung“, fordert DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel.

„Wichtig ist, dass die Geflüchteten mit Blick auf ihre Qualifikation nicht automatisch in prekärer Beschäftigung landen. Keinesfalls dürfen sie dort Lückenbüßer werden, wo wegen schlechter Bedingungen keine inländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer arbeiten wollen“, so Piel weiter.

Gute Möglichkeiten in der Pflege

Ähnliche Einschätzungen kommen aus der Pflege. „Die geplanten schnell verfügbaren Sprachkurse sind eine zentrale Voraussetzung dafür, dass geflüchtete Menschen aus der Ukraine so bald wie möglich eine gut bezahlte und sinnvolle berufliche Perspektive erhalten“, sagt Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste.

Werden die Geflüchteten in den Arbeitsmarkt integriert, können sie „die Sicherung der pflegerischen Versorgung in Deutschland mit unterstützen“, so Meurer. Der Bedarf in der Branche sei da.

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