Kolumne „Weltwirtschaft“

Warum der Osthandel trotz des Ukraine-Krieges zulegt

Skoda hat in Mladá Boleslav mit der Herstellung von Batteriesystemen für vollelektrische Fahrzeuge aus dem Volkswagen-Konzern begonnen. Damit ist das Stammwerk des Automobil­herstellers die einzige Produktionsstätte für sogenannte MEB-Batteriesysteme in Europa außerhalb Deutschlands. Künftig werden hier rund 250 Beschäftigte jährlich über 250.000 Batteriesysteme montieren.

Skoda hat in Mladá Boleslav mit der Herstellung von Batteriesystemen für vollelektrische Fahrzeuge aus dem Volkswagen-Konzern begonnen. Damit ist das Stammwerk des Automobil­herstellers die einzige Produktionsstätte für sogenannte MEB-Batteriesysteme in Europa außerhalb Deutschlands. Künftig werden hier rund 250 Beschäftigte jährlich über 250.000 Batteriesysteme montieren.

Berlin. Der Befund überrascht: Trotz des Krieges in der Ukraine gewinnt der deutsche Osthandel an Schwung. Um 12,2 Prozent legten das Handels­volumen im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum Vorjahres­zeitraum zu. Natürlich brachen die deutschen Ausfuhren nach Russland massiv ein, allein im Monat März um 58 Prozent. Auch der Export nach Belarus sank knapp um die Hälfte, und der in die Ukraine ging um 46 Prozent zurück.

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+++ Alle Entwicklungen zum Krieg in der Ukraine im Liveblog +++

Als starke Säulen im Warenaustausch mit den 29 Staaten Mittel- und Osteuropas erwiesen sich Polen, Tschechien und auch Ungarn, wie aus einer Auswertung des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft (OA) hervorgeht. Diese drei Länder rangierten schon im vergangenen Jahr vor Russland und trugen auch stark zum positiven Ergebnis im ersten Quartal bei.

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Polen liegt mit einem Handelsvolumen von knapp 39 Milliarden Euro einsam an der Spitze, gefolgt von Tschechien mit knapp 27 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der Russland-Handel lag nur noch bei rund 17 Milliarden, obwohl die russischen Öl- und Gasexporte unvermindert weiterliefen.

Abwärtstrend im Russland-Handel wird sich beschleunigen

Man muss kein Wirtschafts­weiser sein, um vorauszusagen, dass sich der Abwärtstrend im Russland-Handel in den nächsten Monaten beschleunigen wird. Möglich, dass andere Länder versuchen werden, in diese Bresche zu springen. So gab es schon im ersten Quartal positive Signale aus Südosteuropa, dem Südkaukasus und Zentralasien. Kasachstan teilte beispielsweise mit, man verfüge über „ein erhebliches Potenzial, um die Versorgung Deutschlands mit konventionellen Energie­ressourcen zu erhöhen“.

Das klingt gut, stellt sich bei Lichte betrachtet aber nicht so einfach dar: Öl aus Kasachstan wird derzeit über die Transkaspische Pipeline via Russland nach Deutschland geliefert. Wenn das Ölembargo der EU gegen Russland voll greift, dürfte Moskau wenig Interesse daran haben, kasachisches Öl in Richtung Europa zu pumpen. Der Osthandel außerhalb der EU bleibt wohl ein mühsames Geschäft.

Jan Emendörfer ist RND-Chef­korrespondent für Osteuropa und Russland. Immer mittwochs gibt er Einblick in das Wirtschaftsleben zwischen Warschau und Wladiwostok – im wöchentlichen Wechsel mit seinen Kolleginnen und Kollegen aus Washington, Peking und London.

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