Faurecia-Einkaufsmanager im SN-Interview

"Auf jeden Fall muss man flexibel sein"

Zum Berufsalltag von Michael Junkereit (links) bei Faurecia gehört auch die Abstimmung mit anderen Kollegen.

Zum Berufsalltag von Michael Junkereit (links) bei Faurecia gehört auch die Abstimmung mit anderen Kollegen.

Herr Junkereit, Sie sind Einkaufsmanager für indirekten Einkauf Nordeuropa beim Autositzhersteller Faurecia. Was genau muss man sich darunter vorstellen?

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Ein Unternehmen wie Faurecia unterteilt seine Einkaufsabteilungen. Es gibt einmal den direkten Einkauf, der zuständig ist für Einkäufe, die direkt mit der Herstellung von Produkten zu tun haben. Dazu gehören auch Verpackung und Logistikdienstleistungen sowie Fertigungsanlagen. Und es gibt alles andere, was in einem Unternehmen zu beschaffen ist, und dies fällt unter die Zuständigkeit des sogenannten Nicht-Produktionseinkaufs, das ist der indirekte Einkauf.

Was gehört zu den Produktionsmaterialien?

Dinge wie Bürobedarf, Fuhrpark, Ersatzteile für Maschinen und Anlagen bis hin zum Einkauf von Dienstleistungen. Wir verhandeln auch Mietverträge und Verträge für Hard- und Software sowie Gas, Wasser, Strom und noch vieles mehr. Es ist wirklich ein sehr breites Feld, und genau das macht es auch so interessant, denn man hat viele verschiedene Ansprechpartner: Auf der einen Seite hat man zum Beispiel mit Behörden zu tun, auf der anderen Seite verhandelt man mit einer Firma für Reinigungsservice. So verschieden die Produkte, die wir an die Automobilhersteller verkaufen auch sind, die Bedarfe des indirekten Einkaufs sind nahezu gleich. Heißt: Wir kaufen für alle Gesellschaften der Faurecia Group ein.

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Wie viele Mitarbeiter unterstützen Sie bei Ihrer Arbeit?

Derzeit elf. Dazu arbeiten wir im Bereich indirekten Einkauf auch mit sogenannten Segmenteinkäufern zusammen, die zum Teil weltweite Verträge schließen, die wir dann mit meinen Mitarbeitern auf die einzelnen Länder und Standorte runterbrechen.

Welche Länder fallen in Ihr Aufgabengebiet als Einkaufsmanager Nordeuropa?

Ich bin zuständig für die Länder Deutschland, Niederlande, Belgien, Österreich und Großbritannien.

Wie oft reisen Sie in Ihrem Beruf?

Man kann sagen, dass ich jede zweite Woche auf Dienstreise bin, mit einem Aufenthalt von einem bis drei Tagen.

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Was hat Sie auf Ihren Reisen bisher am meisten beeindruckt?

Das mit den Dienstreisen hört sich immer alles wunderschön an, man fährt nach Süddeutschland, nach Großbritannien oder nach Frankreich. Man darf aber nicht vergessen, dass wir zum Arbeiten dorthin fahren. Vor Ort ist man meistens in Büros oder in Industriekomplexen, die Hotelzimmer sind auch eher nüchtern. Wenn ich jetzt aber etwas Beeindruckendes nennen soll, dann ist es die besondere Kultur in Großbritannien. Das sehe ich als Vorteil der Dienstreisen ins Ausland an, man bekommt ein Gefühl dafür, wie die Menschen in anderen Ländern denken und leben.

Wie sieht es bei Dienstreisen mit Ihren Arbeitszeiten aus?

Auf jeden Fall muss man flexibel mit den Arbeitszeiten sein. Die Neuen Medien, also Mobiltelefone und die direkte Vernetzung mit der Informationstechnik, ermöglichen es einem, E-Mails und Systeme rund um die Uhr von jedem Ort aus zu bearbeiten. Man muss für sich selbst entscheiden, wie weit man sich davon vereinnahmen lässt. Diese Technik hat Vor- und Nachteile, aber es ersetzt natürlich nicht den direkten Kontakt zu den Kollegen und Lieferanten. Es ist wichtig, dass man die ganze Technik auch mal ausschaltet.

Was sind Ihre täglichen Aufgaben und wie sieht Ihr Arbeitsablauf aus?

Man kann es eher als Wochenablauf sehen. Wir haben Regelmeetings montags und dienstags mit dem Team vom indirekten Einkauf, mit meinem Chef der in Frankreich sitzt und darüber hinaus mit meinen Kollegen aus den anderen europäischen Ländern. Meine Arbeit ist stark geprägt durch E-Email-Korrespondenz, man macht sehr viel mit dem Laptop. Wir stimmen Themen ab und koordinieren die Zusammenarbeit. Die Meetings, die wir abhalten, sind oft sogenannte Web-Konferenzen. Das bedeutet, wir telefonieren und haben parallel dazu am Laptop alle das gleiche Bild. Es gibt zwar auch Video-Konferenzen in denen wir uns „direkt gegenüber“ sitzen, aber das ist eher seltener der Fall. Man kann also sagen, dass die Haupttätigkeiten aus E-Mail-Schriftverkehr und Telefonaten mit internen Kunden und Lieferanten besteht, um die unterschiedlichsten Vorgänge und Abläufe innerhalb der Firma und mit den Lieferanten zu koordinieren, das Ganze unterstützt durch Dienstreisen.

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Welche von den Tätigkeiten, die Sie im Rahmen Ihrer Arbeit wahrnehmen, macht Ihnen am meisten Spaß?

Das ist eine schwierige Frage. Was mache ich wirklich gerne? Ich besuche gerne Lieferanten, um mir ein genaues Bild machen zu können, auch um Verhandlungen nicht nur per Telefon zu führen, aber so viel Zeit hat man leider nicht immer. Wir haben alleine im Bereich Nordeuropa etwa 5500 Lieferanten, und da ist es unmöglich, mit jedem Lieferanten direkten persönlichen Kontakt zu halten.

Ist der Job gut vereinbar mit der Familie?

Ich habe zwei Kinder und es ist eine Herausforderung, wenn beide Ehepartner einer Berufstätigkeit nachgehen, gerade in Bezug auf die Betreuung der Kinder. Ich bin der Auffassung, dass eine Kinderkrippe und ein Kindergarten für die Entwicklung eines Kindes eine Bereicherung sind. Aber man hat das Problem, dass auch die Ganztagsbetreuung oft einfach zu den falschen Zeiten oder auch mal zu kurz ist, ich würde mich schon darüber freuen, wenn die Politik noch mehr Möglichkeiten schaffen würde.

Welche Ausbildung haben Sie?

Ich bin Diplom-Ingenieur Maschinenbau und habe an der TU Braunschweig studiert, bin im Dezember 1997 fertig geworden und im März 1998 fing ich an, bei Bertrand Faure, dem heutigen Faurecia, zu arbeiten.

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Wie sind Sie damals auf Faurecia gekommen?

1998 war der Markt für Ingenieure schwierig. Ich war damals auf einer Absolventenmesse in Köln und habe dort Stände von verschiedenen Firmen besucht, unter anderem auch von Bertrand Faure. Sie hatten mich damals dazu ermuntert, eine Bewerbung einzureichen. In einem Schwung aus 15 Bewerbungen, die ich einige Tage später verfasste, schrieb ich auch eine an Faure. Als Resultat wurde ich zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen und habe den Job bekommen.

Sie sind ja dann nun schon 18 Jahre bei diesem Unternehmen. Was gefällt Ihnen am besten?

Faurecia bietet einem eine große Vielfalt an beruflichen Möglichkeiten. Ich habe angefangen im Zentralbereich Qualität, als Qualitätsingenieur für TQM (Total Quality Management), später haben wir im Bereich Supply Chain Management Lieferantenoptimierung gemacht und über die Arbeit mit Lieferanten bin ich dann in den Einkauf gekommen. Dort habe ich einige Jahre im Bereich Produktionseinkauf gearbeitet, bis ich dann in den Bereich indirekten Einkauf gegangen bin.

Was würden Sie jemandem empfehlen, wenn er einen ähnlichen Beruf wie Sie ergreifen möchte?

Ich würde gar nicht mal sagen, dass man Einkäufer werden sollte, aber jeder der heute in der Schule ist oder im Studium, dem kann ich raten, Sprachen zu lernen. Technische Begabung ist eine Sache, wenn man dann noch zusätzlich Sprachen beherrscht, ist das ein großer Vorteil für das weitere Berufsleben. Als ich zur Schule gegangen bin, hat man mir das auch gesagt, aber um es wirklich zu verstehen, musste ich erst anfangen, zu arbeiten. Jeder sollte mindestens Englisch gelernt haben, besser wäre es aber noch, eine zweite Fremdsprache gut zu beherrschen.

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sb

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