Wirtschaft /<wbr> Biogas-Anlage

Ebeling will vom Pionier zum Fachmann aufsteigen

Landwirt Heinrich-Jürgen Ebeling will eine 500-kW-Biogasanlage bauen, sie soll im Bereich der Rolfshagener Straße/Obernkirchener Straße entstehen.

Landwirt Heinrich-Jürgen Ebeling will eine 500-kW-Biogasanlage bauen, sie soll im Bereich der Rolfshagener Straße/Obernkirchener Straße entstehen.

Immer wieder kam es zu Störungen, und dann roch es ganz fürchterlich in der Nachbarschaft. Luigi Coi vom Restaurant "Salve", als unmittelbarer Nachbar ganz besonders stark betroffen, erinnert sich noch ganz genau. "An manchen Tagen war es draußen vor Gestank nicht auszuhalten, und unsere Gäste verließen das Lokal."
Das soll nun alles vorbei sein. Heinrich-Jürgen Ebeling und sein Sohn Hendrik planen eine neue, technisch ausgereifte Anlage oberhalb des jetzigen Standorts. "Geplant ist eine 500-kW-Anlage, die mit 200 Kubikmetern Fassungsvermögen doppelt so groß ist wie die alte Anlage", erklärte Ebeling während einer Bürgerversammlung im Restaurant "Salve". Ebeling hatte zu der Versammlung eingeladen, um die Rolfshäger über seine Planungen zu informieren. "Ich möchte schließlich keinen Ärger, den habe ich nie gewollt. Dass es bei der alten Anlage zu so vielen Störungen gekommen ist, war auch mir natürlich nicht recht", so Ebeling.
50 interessierte Bürger waren der Einladung gefolgt. Nach der Begrüßung durch Ebeling erläuterte zuerst Architekt Christopher Denhof die geplanten Baumaßnahmen, bevor dann Volker Grothey als Emissions-Gutachter auf mögliche Geruchsbelästigungen einging. Der Biogas-Berater Reinhard Knipka von der Firma Maschinenring Kassel konnte die Sorgen der Bewohner gut nachvollziehen, denn die Anlage steht nun mal in Ortsnähe an der Hofanlage der Familie Ebeling. "Doch die Pionierzeit ist für die Familie Ebeling vorbei. Heute werden technisch ausgereifte Anlagen gebaut, die praktisch geruchsfrei sind", betonte der Fachmann, der in Zukunft keine Probleme mit der Anlage erwartet und Heinrich-Jürgen Ebeling und seinem Sohn Hendrik bescheinigt, verantwortungsvoll und erfahren mit der Anlage umgehen zu wollen.
Ausführlich erklärte Gutachter Grothey mögliche Geruchsquellen und deren Auswirkungen, die allerdings ausschließlich von der Hofanlage selbst, also aus den Ställen, kommen und unter den bundeseinheitlichen Richtwerten liegen. "Die nächstliegende Bebauung liegt rund 100 Meter von der Anlage entfernt, doch schon nach 40 Metern ist praktisch nichts mehr zu riechen", so der Gutachter, der dabei auch den Wind berücksichtigte, der in der Regel aus westlichen Richtungen durch Rolfshagen bläst. Hier gab es einige skeptische Stimmen von Anwohnern, die die Messung der Windrichtung infrage stellten, aber keine handfesten Gegenargumente hatten.
Die Anlage selbst wird baulich so erschlossen, dass ein bepflanzter Wall den Blick verhindert und diese optisch nicht als störend empfunden wird. Geplant ist außerdem eine Zusammenarbeit mit der Gemeinde Auetal. Durch ein Satelliten-Blockheizkraftwerk, das hinter der ehemaligen Schule geplant ist, sollen die Sporthalle und die Kindertagesstätte in Rolfshagen beheizt werden. Durch die Gasproduktion fällt so viel überschüssige Abwärme an, dass Ebeling nicht nur sein eigenes Wohnhaus damit heizen kann, sondern in der Lage ist, zusätzliche saubere Energie zu liefern.
Zum Schluss wollten die Besucher noch einiges über den Fahrverkehr von und zu der Anlage wissen. Doch auch in dieser Frage konnte Hendrik Ebeling die Rolfshäger beruhigen. "Das Fahrzeugaufkommen wird sich zwar auch verdoppeln, doch mit rund 1000 An- und Abfahrten im Jahr werden wir die Anlieger nicht übergebührlich belasten." Die Anfahrten mit Mais, Getreide, Gras oder anderen nachwachsenden Rohstoffen zur "Speisung" der Biogas-Anlage werde aus vier Richtungen erfolgen. Schwerpunkt ist dabei die Reihe, die in etwa 50 Prozent der Lieferungen aus dem Raum Kathrinhagen und Borstel aufnehmen muss. Aus der "Welle" kommen weitere 20 Prozent der Fahrten, während die Rolfshagener Straße und die Obernkirchener Straße nur zu 15 Prozent genutzt werden.
Die Bauanträge für die neue Biogasanlage sind gestellt, das Genehmigungsverfahren läuft. Die Bürgerversammlung war einer der ersten Schritte in der geplanten Baumaßnahme. Landwirt Ebeling und sein Sohn Hendrik hatten ein gutes Händchen und Gespür dafür, was die Leute interessiert. Mit dem Schritt in die Öffentlichkeit haben sie die Sorgen der Nachbarn sicher nicht ganz ausschließen können, aber sie haben die Rolfshäger gut informiert und damit auch beruhigen können.
"Die Zukunft wird es zeigen, ob wir richtig gehandelt haben, denn es ist auch unsere Zukunft", so der Landwirt Ebeling, der selbst ein hohes finanzielles Risiko trägt, sollte die Anlage nicht zu seiner Zufriedenheit laufen und den gewünschten Ertrag nicht erzielen. Dennoch wolle er diesen Schritt gehen. Schon um seinem Sohn, der später den Hof übernehmen wird, eine Zukunft zu bieten.

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