Milchpulver bis nach China

Frischli verarbeitet eine Milliarde Liter Milch

Lars Schäkel bildet zusammen mit Hans Holtorf und Dr. Timo Winkelmann die Geschäftsführung des Unternehmens.Foto: Niedersächsische Wirtschaft

Lars Schäkel bildet zusammen mit Hans Holtorf und Dr. Timo Winkelmann die Geschäftsführung des Unternehmens.

Wenn das Navi im Auto gerade streikt, kann auch ein Schüler an einer Bushaltestelle in Rehburg-Loccum wie aus der Pistole geschossen Auskunft geben: „Immer geradeaus und dann hinter dem Edeka rechts“, lautet seine Auskunft. Kein Wunder: Frischli ist nach Henniges Automotive der zweitgrößte Arbeitgeber der 10000-Einwohner-Stadt. Rund 480 Mitarbeiter sind am Hauptsitz der Molkerei, deren Gebäudekomplexe der rotweiß-blaue Schriftzug eint, beschäftigt.

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„2016 werden wir das erste Mal über eine Milliarde Liter Milch verarbeiten und einen Umsatz von 500 Millionen Euro generieren“, erklärt Lars Schäkel. Zusammen mit Hans Holtorf (60) und Dr. Timo Winkelmann (43) bildet der 55-Jährige die Geschäftsführung des Unternehmens, das in diesem Jahr 115 Jahre alt wird. „Wir sind die vierte Generation. Wir haben alle unsere Väter beerbt, repräsentieren also die drei Familienstämme“, erklärt Schäkel. „Im Gegensatz zu vielen kleinen Genossenschaften sind wir ein privates Unternehmen.“

Ein- bis zweimal täglich schwärmen die 15 edelstählernen Milchtanksammelwagen aus, um Milch im Umkreis von 80 bis 100 Kilometern abzuholen. In der Zentrale in Rehburg-Loccum werden nach den Qualitätsprüfungen durch den Milchwirtschaftlichen Kontrollverband Mittelweser, der vis-à-vis der Frischli-Zentrale seinen Sitz hat, täglich 1,5 Millionen Liter Milch verarbeitet. Etwa zwei Drittel einer Tagesanlieferung werden in dem vor einem Jahr in Betrieb genommenen neuen Trocknungsturm zu Milchpulver verarbeitet. Die 25 Millionen Euro teure Anlage überragt mit 45 Metern Höhe sogar den Kirchturm. Die Trocknungsanlage kann bei voller Auslastung im Jahr bis zu 270 Millionen Kilogramm Magermilch in Pulver umwandeln. Aus dem Rest einer Tagesanlieferung werden H-Milch, Kaffeesahne, Schmand oder Desserts hergestellt. Fast alle großen Handelsketten haben unter ihren jeweiligen Handelsmarken Frischli-Milch im Sortiment. Ein weiterer Umsatzbringer ist Kaffeesahne. „Jede dritte Packung Kaffeesahne kommt aus unserem Werk“, sagt Schäkel stolz. Fast alle deutschen Supermärkte führen ein kleines Sortiment von Frischli-Produkten. Sein vielleicht markantestes Gesicht zeigt das Unternehmen mit der Marke „Leckermäulchen“. Nachdem Frischli die Molkerei Weißenfels in Sachsen-Anhalt 1992 übernommen und neu aufgebaut hat, wurde drei Jahre später die dort produzierte Ostmarke „Leckermäulchen“ wieder eingeführt. Heute lächelt das Leckermäulchen-Mädchen nicht nur von der Verpackung des Vanillequarks, sondern auch von den Frischli-Lkw.

Deutschland ist Kernmarkt

Der zweite Geschäftsbereich „Foodservice“ bedient gewerbliche Großabnehmer wie Gastronomie, Großküchen, Justizvollzugsanstalten, Krankenhäuser oder Mensen. „Diese Produkte nehmen in der Gastronomie eine immer größere Rolle ein“, sagt Schäkel. „Wir haben ein attraktives Sortiment speziell für diesen Bereich. Wir kochen mit Köchen Probe und perfektionieren so die Rezepturen. Mit Halbfertigkomponenten können wir dem Koch eine sehr große Hilfe sein. Wenn es nicht so wäre, würden wir in diesem Segment auch nicht so schnell wachsen.“ Lorbeeren hierfür gab es auf der Fachmesse „Internorga“, die im Frühjahr in Hamburg stattfand. Frischli wurde während der Messe von der BL-Mediengesellschaft mit dem „Best of Market“ in der Kategorie Milchprodukte ausgezeichnet. Der Preis wird auf Basis von Leserbefragungen der BL-Zeitschriften für Hotellerie, Gastronomie und Gemeinschafts- und Schulverpflegung ermittelt. Um den Kontakt zur Zielgruppe zu pflegen, wurden auf der Messe Profiköche mit neuen Produkten – darunter Himbeer-Holunder-Mas-carpone-Creme, Stracciatella-Creme sowie Buttermilch- Desserts aus Erdbeer, Mango und Limette-Zitrone – verkostet. Als drittes Geschäftsfeld bezeichnet Frischli die Industrie- und Pulverherstellung für weltweit führende Lebensmittelkonzerne.

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„Deutschland ist der Kernmarkt für Frischli“, sagt Schäkel. Wegen der massiven Konkurrenz um niedrige Lebensmittelpreise hierzulande wird der Export aber immer wichtiger. Vor allem den Bereich Foodservice hat das Unternehmen hier im Fokus. In diesem Bereich hat Frischli seinen Exportabsatz in der EU zwischen Januar und April im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent erhöht.

 Marktfüher im Bereich Milch- und Sahnespezialitäten

„Milch ist sehr lange haltbar. Wir können ein Jahr Haltbarkeit gewährleisten – durch Erhitzung und unglaublich sauberes Arbeiten und ohne chemische Zusätze. Milchpulver ist sogar 12 bis 24 Monate haltbar und sehr gut transportfähig“, erläutert Schäkel. „Im Bereich haltbare Milch- und Sahnespezialitäten haben wir die Marktführerschaft. Da sind wir in den letzten Jahren stark gewachsen. Das sehen wir als strategisches Wachstumsfeld – in Deutschland und ausgesuchten EU-Märkten. Zurzeit sind Frankreich und Benelux die Exportländer, aber wir wollen weitere erschließen“, so der Unternehmer. Russland, China und die erdölverarbeitenden Länder hätten Anfang des Jahres sehr verhalten eingekauft, sagt er.

Asien sieht Schäkel aber dennoch als klaren Wachstumsmarkt. „Da gibt es zurzeit viele Gelegenheiten, ob in China oder in Vietnam. Die Asiaten wollen den American Way of Life konsumieren.“ Und weil in den vergangenen Jahren einige Milchskandale das Vertrauen der Chinesen in ihre heimische Milch erschütterten – wiederholt wurde Melanin in der Milch gefunden – sei die europäische Milch zur Zubereitung von Säuglingsnahrung dort sehr beliebt. Die relative Nähe zum Hamburger Hafen wertet Schäkel in diesem Kontext als Vorteil: „Dadurch können wir sehr gut nach Asien verschiffen. Nach Singapur haben wir zurzeit beispielsweise extrem niedrige Frachtraten.“

 Von Barbara Dörmer

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Geschichte, Zahlen, Fakten

Die Frischli-Milchwerke gehen auf die 1901 von Hermann Schäkel (1868-1925) gegründete Friller Molkerei zurück. Die Frischli-Milchwerke entstanden 1969 durch eine Fusion der Privatmolkereien von Hermann Schäkel, Hans Holtorf und Wilhelm Winkelmann. Seit 1970 befindet sich der Firmensitz in Rehburg-Loccum. Mit Lars Schäkel (Verkauf/ Marketing, Logistik), Hans Holtorf (Verwaltung, Buchhaltung/Finanzen, Landwirte) und Dr. Timo Winkelmann (Produktion, Einkauf) als Geschäftsführer ist die vierte Generation am Ruder.

1973/74  führt Frischli aseptische Packungen ein und ergänzt das Sortiment durch Produkte wie Milchmischgetränke, H-Schlagsahne, Kaffeesahne oder Creme Double.

 1992 übernimmt Frischli die Molkerei Weißenfels in Sachsen-Anhalt und baut diese neu auf; drei Jahre später wird die dort produzierte Ostmarke „Leckermäulchen“ wieder eingeführt.

 1996 kaufen die Frischli-Milchwerke die auf Kaffeesahne spezialisierte Molkerei Huber aus Eggenfelden in Bayern. Heutzutage liefern bundesweit 2000 Lieferanten ihre Milch an Frischli.

 2015 hat das Unternehmen mit 690 Mitarbeitern einen Umsatz von 420 Millionen Euro erzielt und Waren im Wert von 33 Millionen Euro exportiert.

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