Rinteln /<wbr> Riha

Investition von sieben Millionen Euro liegt auf Eis

Der eigene Fuhrpark ist bei der Berechnung der Wertschöpfung und Befreiung von der EEG-Umlage ein Problem für Wewsergold.

Der eigene Fuhrpark ist bei der Berechnung der Wertschöpfung und Befreiung von der EEG-Umlage ein Problem für Wewsergold.

Von Dietrich Lange Rinteln. Zu viele Produkte, dazu noch ein Fuhrpark, so bleibt die Befreiungshürde von 14,5 Prozent Wertschöpfung zu hoch. Schmaler aufgestellte Konkurrenten schaffen es und bieten denselben Kunden (zum Beispiel Aldi) ähnliche Produkte billiger an. Ein Problem, das die Firmenleitung jetzt Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) auftischte.

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 Das Marktumfeld sei ohnehin schwierig, erklärte Firmenchef Richard Hartinger junior: „Die Bevölkerung schrumpft und altert, Konsumanlässe werden seltener, der Pro-Kopf-Verbrauch an Erfrischungsgetränken geht zurück. Deshalb müssen wir möglichst das beste Produkt zum günstigsten Preis bieten. Wir müssen immer schnell wissen, was der Kunde will und dieses möglichst rasch liefern können.“

 Dass all dieses Bemühen nicht mehr zu Mengenwachstum führt, verdeutlichte Hartinger mit folgenden Zahlen: 2009 wurden noch 1,121 Milliarden Liter riha-Produkte verkauft, 2010 dann 1,124 Milliarden und 2011 sogar 1,176 Milliarden. Nun kippten die Zahlen: 2012 nur noch 1,146 Milliarden und 2012 sogar nur 1,101 Milliarden Liter. Hartinger: „Bis 2011 haben wir auf Mengenwachstum gesetzt, jetzt geht es uns vorrangig um sogenanntes qualitatives Wachstum, sprich mehr Produkte und besserer Service. Da wir auch Hersteller von Handelsmarken sind, geht es hierbei nicht um das Kreieren neuer, edlerer Marken.“

Schwierigkeiten machen auch Pläne der EU, nicht nur die Zusammensetzung der Produkte haarklein auf der Packung zu vermerken, sondern auch deren Herkunft: „Nicht so einfach, wo zum Beispiel die Maracujaernte das ganze Jahr etappenweise rund um den Globus läuft. Da müssten wir ja ständig etwas anderes aufdrucken.“

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 Aber noch schwerer wiegt der Streit um die EEG-Umlage, in Deutschland zur Förderung der erneuerbaren Energien gedacht, mit Befreiung von zu vielen Firmen versehen und nun auch noch unter Beschuss durch die EU, weil mit der Befreiung unerlaubte Wettbewerbsverzerrungen vorgenommen würden. Hartinger sprach sich für ein „Fallenlassen“ der Umlagenbefreiung aus. „Wir sind nicht befreit, aber einige unserer Konkurrenten. Wer nur Mineralwasser herstellt, keinen Fuhrpark hat oder gleich Tochterfirma eines Lebensmittelhandelkonzerns ist, schafft die Hürde von 14,5 Prozent Wertschöpfung, wir liegen bei nur zwölf Prozent.“

 Lies räumte ein: „Die Befreiung darf nicht zu Wettbewerbsverzerrung führen. Wir müssen gegenüber der EU ein Signal setzen.“ In Frankreich sind die Energiekosten wegen des sogar noch wachsenden Einsatzes von Atomenergie niedriger, aber Produktion dorthin verlagern rechnet sich nicht. Hartinger: „Dafür sind dort die Löhne einfach zu hoch.“

 Als Lösung für das Problem Energiekosten hatte Wesergold vor zwei Jahren den Bau eines eigenen Kraftwerks (Kraft-Wärme-Kopplung) in Kooperation mit den Stadtwerken Rinteln und der Stadt Rinteln ins Auge gefasst, dann aber angesichts der ungewissen Entwicklung der Energiekostenbefreiung auf Eis gelegt. „Sieben Millionen Euro Investition liegen seither brach, 250000 Euro Planungskosten haben wir bisher in den Sand gesetzt“, rechnete Hartinger vor. „Wenn wir wegen Reduzierung der Förderung von Kraft-Wärme-Kopplung mehr als 70 Prozent der Energiekosten aus eigener Erzeugung selbst bezahlen müssen, rechnet es sich nicht. Die Turbine hätte sich in sieben Jahren bezahlt gemacht, sie hält aber im Schnitt nur acht Jahre.“

Der Minister fand die Eigenerzeugung von Energie grundsätzlich gut, weil das insgesamt Emissionen spart, und erklärte: „Wir müssen das Problem mit der Eigenstromerzeugung bis zum Sommer lösen. Wir brauchen schließlich Vertrauensschutz für Investitionen. Und die Margen halten sich bei der Getränkeindustrie ja auch in Grenzen.“

 Hartinger nickte zustimmend und verwies auf das Problem „Fuhrpark mindert Wertschöpfung“ und forderte: „Die Lebensmittelbranche sollte doch eigentlich mit Transportkosten kein Problem haben.“ Worauf Lies achselzuckend feststellte: „Der Lebensmittelbereich hat eben einen der härtesten Wettbewerbe.“

 Was vom Ministerbesuch blieb, ist das Verständnis, aber es gab keine belastbaren Zusagen. So wird das Projekt Kraftwerksbau an der Umgehungsstraße weitere Monate auf Eis liegen. So wie schon nach dem Besuch des SPD-Bundesvorsitzenden Sigmar Gabriel vor Monaten. Der ist inzwischen Wirtschaftsminister und Vizekanzler, zuständig auch für erneuerbare Energien. Geholfen hat es Wesergold nicht.

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