Wechsel in Echtorfer Unternehmerfamilie

Sohn übernimmt Firmenleitung bei Minda

In den nächsten Jahren sollen die Minda-Gesellschaftsanteile komplett von Eberhard Falch an Sohn Robert übergeben werden.

In den nächsten Jahren sollen die Minda-Gesellschaftsanteile komplett von Eberhard Falch an Sohn Robert übergeben werden.

MINDEN/ECHTORF. Und so feilschte der junge Maschinenbauer so ausdauernd um einen Kaschmirpullover, bis er ihn schließlich für die Hälfte des Etiketten-Preises in der Tasche hatte. Eberhard Falch, der die Szene beobachtet hatte, lächelte in sich hinein und dachte: „Um Minda musst Du Dir keine Sorgen machen.“

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Bis heute erinnern sich Eberhard Falch (78) und Sohn Robert (38) lebhaft an die Szene. Im Jahr 2004 war das, geschätzte 7600 Kilometer Luftlinie entfernt vom Stammsitz in Minden und dem Familienhaus in Echtorf an der Grenze zu NRW. Robert hat damals ein paar Monate für Siemens gearbeitet. Im Zentralmarketing des Technologieführers. Wie man in Asien um Preise feilscht, hat er dort gelernt. Ein Preispoker ist dort quasi das Sahnehäubchen jeder Verhandlungsrunde. Eine wichtige Erkenntnis, nicht nur im Maschinenbau.

Ärmel hochkrempeln ist wichtig

Ein Jahr später fing der Junior bei Minda an. Aber nicht im Chefbüro, sondern erst mal in der Werkstatt. „Man gewinnt ein ganz anderes Verhältnis zu den Mitarbeitern, wenn man dort gezeigt hat, was man kann.“ Heute kann auch Robert Falch von sich behaupten, jeden Winkel der Firma zu kennen. Er verfasst nicht nur die E-Mails selber, in denen auf Englisch formaljuristische Fragen geklärt werden. Sondern er kann auch richtig die Ärmel hochkrempeln und anpacken, das ist enorm wichtig in der eher konservativen Branche.

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Robert Falch ist dort hineingewachsen. Das Werk an der Hans-Böckler-Straße in Päpinghausen ist das Lebenswerk seines Vaters. Die mittelständische Unternehmensgruppe entwickelt intelligente automatische Anlagen zur Weiterverarbeitung von Altpapier und Holz. Mit 66 Mitarbeitern hat der Senior damals begonnen. Heute, 40 Jahre später, gehören zur Minda-Gruppe vier Unternehmen mit 430 Mitarbeitern. Eberhard Falch ist selbst Ingenieur, der die Abläufe in der Werkstatt genau erklären kann. Viele Mitarbeiter kennt er persönlich. Man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen: Hier steckt sein Herzblut drin. Die emotionale Verbundenheit ist stark.

Entsprechend schwer ist das Loslassen. Dieser Herausforderung müssen sich Senior-Chefs Zehntausender kleiner und mittelgroßer Betriebe in diesen Jahren stellen, hat das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) ausgerechnet. Bei Minda ist die interne Stabübergabe seit Jahren sorgsam vorbereitet. In den nächsten Jahren sollen die Gesellschaftsanteile komplett an Robert Falch übergehen.

Der Sohn hat mit dem Maschinenbau-Studium nicht nur eine solide Ausbildung, sondern hat sich schon mit 16 Jahren dafür entschieden, ins Unternehmen einzusteigen. „Hier gibt es mehr Gestaltungsspielräume als in den ganz großen Firmen“, sagt er. Die Großindustrie fand seinerzeit auch sein Vater zu unflexibel. Darum hat Robert schon als Kind überlegt: „Später will ich mal zu Papa in die Firma.“ Das war die einzige Alternative zum möglichen zweiten Berufswunsch: Basketballprofi.

Was kommt dann?

Jetzt ist die Phase des Übergangs. Viele Senior-Chefs tun sich schwer damit. Die größte Sorge: Was kommt dann? Eberhard Falch ist sportlich und hat viele Hobbys, langweilen wird sich der Echtorfer also sicher nicht. Für den 78-Jährigen ist wichtig, die junge Generation „machen zu lassen“. Dazu gehört logischerweise auch, seinen Sohn vielleicht auch seine eigenen Fehler zuzugestehen. „Wir haben in Deutschland so eine Vollkasko-Mentalität, die in unserer Branche aber einfach nicht funktioniert“, sagt Eberhard Falch. „Anlagenbau ist eine Risikobranche.“

Bei dem Thema zeigt sich, was eine funktionierende Vater-Sohn-Dynamik ausmacht. Jeder kann die Sätze des Gegenübers zu Ende sprechen, sobald es um die Geschäftsphilosophie in der Branche geht. „Hier muss man Risiken eingehen“, sagt der Junior. „Sonst wäre es das Ende jeglicher Innovation“, ergänzt der Senior. „70 Prozent muss bekannt sein, dann ist 30 Prozent Risiko vertretbar“, schiebt der Sohn hinterher. In den Fragen sind beide auf einer Linie. Aus demselben Holz geschnitzt.

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Dass es auch mal unruhige Nächte geben kann, wenn irgendwo auf der Welt Anlagen in Betrieb genommen werden, wissen beide aus Erfahrung. "In Deutschland ist die Fehlerkultur unterentwickelt. Wir machen Fehler, ziehen sie glatt – und machen weiter." mt

Die Geschichte von Minda

1977 bis 1979: Eberhard Falch tritt ins Unternehmen Karl Schwarze & Sohn KG (damals Wittelsbacher Allee, Minden) ein. Zwei Jahre später gründet er die Minda Industrieanlagen GmbH und erwirbt einen Teilbetrieb der Karl Schwarze & Sohn KG.
1983: Baubeginn des Betriebes in Päpinghausen.
1988 bis 1990: Übernahme von Universal, Almelo (Niederlande) und Hohmeier Anlagenbau GmbH, Stadthagen.
1991 bis 1992: Erweiterung der Produktionshallen inklusive Lackiererei in Minden, Übernahme des Tangermünder Maschinen- und Anlagenbaus.
2007: Neubau eines Bürogebäudes für Lagerwirtschaft, Modernisierung und Ausbau des Lagers in Minden.
2008: Sohn Robert Falch übernimmt wesentliche Aufgaben in der Leitung, führt seitdem gemeinsam mit seinem Vater das Unternehmen.
2013: Neubau der zweiten Montagehalle in Minden.
2017: Eberhard Falch ist seit 40 Jahren im Unternehmen. 

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