Steigende Zinsen: Die Vollkasko­versi­­cherung der Anleger fällt weg

Bär und Bulle vor dem Haupteingang der Frankfurter Börse: Lange kannten die Kurse nur den Weg nach oben.

Bär und Bulle vor dem Haupteingang der Frankfurter Börse: Lange kannten die Kurse nur den Weg nach oben.

Hannover. Nullen kommen so harmlos daher. Aber das ist nicht nur bei zwischenmenschlichen Begegnungen ein gefährliches Missverständnis. In dieser Woche markierte die Null eine Zäsur am Finanzmarkt: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg auf diese Höhe, nachdem sie jahrelang im negativen Bereich gewesen war.

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In den USA steuerte sie sogar auf 2 Prozent zu. Beide büßten wieder ein paar Punkte ein, aber das Symbol bleibt: Die Zinsen steigen. Die Notenbanken haben dazu noch gar nicht viel Handfestes beigetragen – das kommt noch.

Ersparen wir uns tiefes Schürfen in der Wunderwelt des Anleihemarkts, die Folge ist simpel: Aktien werden weniger attraktiv – weil höhere Zinsen das Wachstum von Unternehmen bremsen, manche vielleicht Schulden nicht mehr tragen können und Geldanlagen jenseits der Aktie interessanter werden.

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Eigentlich erleben wir eine langsame Normalisierung, aber nach langem Ausnahmezustand ist das eine Herausforderung. Zuerst trieb das billige Geld die Aktienkurse hoch, weil niemand wusste, wo man es sonst anlegen sollte. Dann hielten die Minuszinsen die Kurse zumindest auf hohem Niveau – ein Sicherheitsnetz, das selbst den Corona-Crash zum Betriebsunfall dämpfte.

Steigende Zinsen machen dieses Netz löchrig. Normalisierung bedeutet, dass es mit den Kursen nicht mehr automatisch aufwärts geht. An den Börsen gibt es viele, die das gar nicht kennen. Plötzlich müssen sie ohne geldpolitische Vollkaskoversicherung entscheiden.

So schwankt der Dax stimmungsabhängig auf hohem Niveau – wie in dieser Woche: In den ersten Tagen pendelte er zwischen 15.700 und 16.000 Punkten. Dann kamen schlechte Nachrichten von Netflix und Siemens Energy – und der Markt rauschte am Freitag in den Keller. Netflix enttäuscht immense Wachstumserwartungen, Siemens Energy kämpft mit sehr individuellen Problemen – beides nichts, was die Welt in Aufruhr versetzen müsste. Aber für Anleger ohne Vollkaskoversicherung genügt es.

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