Preise verdoppelt

Teures Speiseöl: Experten erwarten den „perfekten Sturm“

Ein Regal mit Speiseöl in einem Supermarkt – viele Fächer sind leer.

Ein Regal mit Speiseöl in einem Supermarkt – viele Fächer sind leer.

Frankfurt. Die ganz andere Ölkrise: Der zähflüssige Stoff aus pflanzlichen Saaten hatte sich schon vor dem Krieg gegen die Ukraine massiv verteuert. Nun folgen weitere Preisschocks. Ein Experte spricht von einem „perfekten Sturm“, der sich frühestens in der zweiten Jahreshälfte beruhigen könnte.

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In vielen Supermärkten sind die Regale, wo normalerweise Speiseöl steht, weitgehend leergekauft. Ein Rewe-Markt im Frankfurter Westend offerierte am Donnerstag bezeichnenderweise nur noch Rapsöl aus hessischer Bioproduktion. Schon in der vorigen Woche schleppten Verbraucher das flüssige Fett in rauen Mengen nach Hause – trotz dringender Bitten, unter anderem vom Handelsverband HDE, Hamsterkäufe zu unterlassen. Speiseöle werden nicht nur aus Raps, sondern vor allem auch aus Sonnenblumen gewonnen.

Preis im Großhandel hat sich verdoppelt

Dessen Preis hat sich im Großhandel in den vergangenen Wochen bereits mehr als verdoppelt. Und die Lage verschärft sich weiter. Der ukrainische Informationsdienst Ukragro-Consult meldete am Mittwoch, dass die dortigen Landwirte in diesem Frühjahr die Anbauflächen für Sonnenblumen auf 3,5 bis vier Millionen Hektar reduzieren würden, was einem Minus von bis zu 50 Prozent entsprechen würde. Gleichlautendes war vom Landwirtschaftsministerium des osteuropäischen Landes zu hören. Es ist der wichtigste Sonnenblumenöllieferant für Deutschland.

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Die Ukragro-Analysten aus Kiew nennen ihre Vorhersagen „optimistisch“. Sie basierten auf gutem Wetter und einem schnellen Ende des Krieges. Vielen Bauern fehle es an Treibstoff für ihre Landmaschinen. Zudem litten sie unter der Zerstörung von Infrastruktur durch die militärischen Kampfhandlungen in dem Land. Die Ukraine ist der weltgrößte Produzent von Sonnenblumen. Aus deren Saat wird Öl gewonnen, das sowohl als Nahrungsmittel als auch als Kraftstoffzusatz vermarktet wird.

Das gilt auch für Rapsöl, das ebenfalls in großem Stil in der Ukraine angebaut wird. Hier gingen die Preise innerhalb eines Monats im Großhandel um mehr als 20 Prozent nach oben und erreichten zwischenzeitlich historische Höchstwerte. Experten der Beratungsfirma Agritel betonen, dass die Auswirkungen der russischen Invasion auf den gesamten Pflanzenöl-Markt derzeit schwer abzuschätzen seien. Wichtige Häfen zur Verschiffung der Agrarprodukte, wie der der umkämpften Stadt Mariupol, sind außer Betrieb. Die ukrainischen Exporte über das Schwarze Meer sind komplett unterbrochen, was die Preise treibt.

Nach den Zahlen des Fachdienstes „Agrar heute“ kam zuletzt knapp die Hälfte des in die EU importierten Rapses aus der Ukraine. Etwa ein Drittel stammte aus Australien. Kanada ist ein weiterer wichtiger Lieferant.

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Argentinien erhöht Exportsteuer auf Sojaöl

Ein weiterer wichtiger Faktor für diese massiven Aufschläge bei pflanzlichem Öl ist, dass der argentinische Staat gerade seine Exportsteuer auf Sojaöl deutlich erhöht hat. Damit soll erreicht werden, dass die inländische Versorgung gesichert ist – Argentinien ist der größte Exporteur von Sojaprodukten weltweit (die Pflanzen werden auch als Futtermittel benötigt).

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Dem Beispiel der Südamerikaner folgt mit identischen Motiven auch Indonesien, ein weiterer wichtiger Erzeuger von pflanzlichen Ölen – zu Soja kommt vor allem Palmöl. Und dann hat auch noch die brasilianische Agrarbehörde gerade ihre Prognose für die Sojaernte in diesem Jahr noch ein weiteres Mal nach unten korrigiert. Jetzt werden nur noch rund 122 Millionen Tonnen erwartet – nach 138 Millionen im Vorjahr.

Damit dürfte sich fortsetzen, was schon 2021 die Preise nach oben getrieben hat: Dürren führten in Südamerika und in Kanada, einem weiteren wichtigen Rapsproduzenten, zu mageren Ernten. Auch beim Palmöl blieben die Erträge in den vergangenen beiden Jahren hinter den Erwartungen zurück. Zu ungünstigem Wetter kam, dass es vielfach an Arbeitskräften für den Ernteeinsatz fehlte – wegen der Corona-Pandemie.

Weltweit seien Vorräte für Speiseöl aufgebraucht und die Exportlieferungen am Boden, sagte James Fry von der US-Beratungsfirma LMC der Finanznachrichtenagentur Bloomberg. Er spricht von einem „perfekten Sturm“. Es gebe keine Alternative, als den hohen Preisen ihren Job zur Beschränkung der Nachfrage machen zu lassen, um den Markt wieder auszubalancieren. Er rechnet damit, dass es beim Palmöl erstmal weitere Aufschläge geben wird.

Der echte Engpass bei Speiseöl werde in den nächsten sechs Monaten kommen. Er meint damit vor allem: Dass die Exportzölle von Argentinien und Co in einigen Wochen erst richtig spürbar werden, und zwar in Form sinkender Ausfuhren. Beim Palmöl, dem weltweit wichtigsten Speiseöl, könnten sich die Preise erst in der zweiten Jahreshälfte entspannen – sofern die Erzeugung heraufgefahren werde und die Nachfrage auf niedrigem Niveau verharre.

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HDE-Vizepräsident Björn Fromm hat indes eingeräumt, dass es bei Sonnenblumenöl zu Engpässen kommen könnte. Es gebe aber hinreichend Alternativen. Panik sei nicht angebracht.

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