Zu wenig „Bio“ für alle

Wo „Bio“ draufsteht, muss auch „Bio“ drin sein. Das ist das Ziel der EU-Verordnung, über deren Inhalt die Mitgliedsstaaten seit drei Jahren streiten.

Wo „Bio“ draufsteht, muss auch „Bio“ drin sein. Das ist das Ziel der EU-Verordnung, über deren Inhalt die Mitgliedsstaaten seit drei Jahren streiten.

Brüssel. Ein bisschen „Bio“ reicht nicht. Der Versuch der europäischen Politiker, eine neue Öko-Verordnung für den biologischen Anbau zu schneidern, ist im Interessengeflecht steckengeblieben. Weder für die betroffenen Landwirte noch für den Handel von Bioprodukten oder den Verbraucher kann das eine gute Nachricht sein. Denn es bedeutet nicht weniger als die Fortsetzung des bisherigen Bio-Chaos.

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Dabei erwarten die Verbraucher für die spürbaren höheren Preise auch angemessene Produkte, die ihren Vorstellungen von höherwertigen Lebensmitteln entsprechen. Doch die Nachfrage hat den Markt regelrecht ausgeknockt. Was vor allem daran liegt, dass nicht mehr nur die kaufkraftstarken 50- bis 59-Jährigen in den Bio-Laden gehen, sondern auch junge Eltern. Dabei sind es nicht einmal die Bundesbürger, die europaweit besonders viel in Bio-Lebensmittel investieren, sondern die Schweizer.

Ein Armutszeugnis

Der Brüsseler Ansatz war zweifellos überarbeitungsbedürftig. Dennoch ist es ein Armutszeugnis, dass sich die 28 Mitgliedstaaten (teilweise dank kraftvoller Unterstützung sich widersprechender Verbände) nicht auf einen neuen Maßnahmenkatalog einigen konnten. Denn eigentlich sollten alle wissen: Wenn das Vertrauen der Kunden in diesen Markt einbricht, werden Bauern und Handel auf Jahre hinaus darunter leiden.

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Ein Durchbruch ist ja nicht nur nötig, weil die Branche schwarze Schafe bekämpfen muss. Es geht vielmehr um Wettbewerbsgleichheit mit den Ländern, die nicht die europäischen Vorgaben für Bio-Nahrungsmittel erfüllen, deren Produkte aber trotzdem zugekauft werden, um die Regale nicht leer werden zu lassen. Das mag verständlich sein, akzeptabel ist es deshalb nicht. Was an Lebensmitteln importiert wird und dabei das „Bio“-Gütesiegel verliehen bekommt, hat den gleichen Anforderungen zu genügen, die auch für Erzeugnisse von bundesdeutschen oder italienischen Äckern genügen.

Alles andere wäre ein übler Betrug am Verbraucher. Dass es Zusatzregelungen für den Anbau in Gewächshäusern geben muss, ist nachvollziehbar. Aber egal um welche Anbauform es auch gehen mag: Die Qualitätssiegel dürfen nicht entwertet werden. Das „Bio“-Etikett ist eine Auszeichnung, die nicht verschleudert werden darf. Sonst kann die EU ihre bisherigen Bemühungen gleich ganz einstellen. Deshalb muss eine Einigung her – und die hat ausnahmsweise nicht auf dem kleinsten, sondern auf dem größten gemeinsamen Nenner zu erfolgen.

Von Detlef Drewes/RND

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