Fragen und Antworten zu Procambarus clarkii

Amerikanische Sumpfkrebse in Berlin: Warum sind die Tiere ein Problem?

Daniel Becker, Berufsfischer für das Unternehmen Holycrab, zeigt einen Sumpfkrebs, der mit einer Reuse in einem See im Britzer Garten gefangen worden ist.

Daniel Becker, Berufsfischer für das Unternehmen Holycrab, zeigt einen Sumpfkrebs, der mit einer Reuse in einem See im Britzer Garten gefangen worden ist.

An manchen Tagen staunen Berlinerinnen und Berliner nicht schlecht, wenn ein roter Krebs auf den Wegen im Tiergarten seine Scheren schwingt. In einigen Gewässern Berlins leben Amerikanische Sumpfkrebse. Die Umweltverwaltung lässt sie seit einigen Jahren fangen. Denn die Schalentiere sind ein Problem für hiesige Tier- und Pflanzenarten. Fragen und Antworten rund um die Amerikanischen Sumpfkrebse in Berlin.

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Warum sind amerikanische Sumpfkrebse in Berlin ein Problem?

„Die Amerikanischen Sumpfkrebse sind nicht die einzigen eingewanderten Arten in Berlin, auch nicht die einzigen im Wasser lebenden“, sagt Wildtierexperte Derk Ehlert von der Umweltverwaltung gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. „Aber anders als etwa der Kamber- oder der Marmorkrebs sind sie extrem wanderfreudig und können sich auch über Land in andere Gewässer ausbreiten.“ In den Berliner Gewässern sind derzeit insgesamt fünf invasive, gebietsfremde Krebstierarten nachgewiesen, sagt der Experte. Sumpf- und Marmorkrebse seien die problematischsten Arten und werden daher gezielt gefangen.

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Weitere Probleme: Die Schalentiere vermehren sich sehr schnell und haben sehr großen Hunger. Besonders wählerisch sind die Krebse nicht, sie gelten als Allesfresser. Die Tiere verspeisen Pflanzen genauso wie den Laich von Fischen oder Amphibien.

Doch nicht nur durch ihre Gefräßigkeit werden die Krebse anderen Arten gefährlich. Sie übertragen die Pilzkrankheit Krebspest. Bei den Amerikanischen Sumpfkrebsen verläuft diese Erkrankung meist glimpflich. Viele europäische Flusskrebsarten dagegen versterben an einer Infektion. Der Pilz befällt das Nervensystem der Tiere. Er kann innerhalb weniger Wochen ganze Flusskrebspopulationen auslöschen, informiert das Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung.

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Aus all diesen Gründen hat die Europäische Union bereits vor einigen Jahren beschlossen, dass die Tiere nicht mehr gezüchtet, verkauft und gehalten werden dürfen.

Wie sind die Sumpfkrebse nach Berlin gekommen?

Die etwa handtellergroßen Sumpfkrebse sind vermutlich Nachkommen ausgesetzter Tiere, etwa aus Aquarien. Denn sie galten als beliebte Haustiere. Ihr Vorkommen blieb in Berlin lange weitestgehend unbemerkt, bis im August 2017 im Tiergarten wandernde Sumpfkrebse gesichtet wurden.

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 Ein roter amerikanischer Sumpfkrebs (Procambarus clarkii) krabbelt durch den Berliner Tiergarten

Ein Roter Amerikanischer Sumpfkrebs (Procambarus clarkii) krabbelt durch den Berliner Tiergarten.

Welchen Eigenschaften haben Sumpfkrebse?

Der Rote Amerikanische Sumpfkrebs (Procambarus clarkii) ist auch unter dem Namen Louisiana-Flusskrebs bekannt. Die Schalentiere werden in der Regel zwölf, aber auch bis zu 15 Zentimeter groß sowie zwei bis drei Jahre alt. Besonders markant sind ihre auffälligen Dornen an den Scheren sowie die (meist) rote Farbe. Giftig sind die Amerikanischen Sumpfkrebse nicht, aber durch ihre Scheren wehrhaft.

„Flusskrebse sind ökologisch sehr anpassungsfähig“, informiert der WWF Deutschland auf seiner Webseite. In kühleren Jahren vermehren sich die Sumpfkrebse weniger gut. Richtig aktiv werden sie erst ab einer Wassertemperatur von zwölf bis 15 Grad – und bewegen sich im Winter nur sehr wenig.

Wie lässt Berlin die Krebse einfangen?

Offizieller Start der Fangsaison war am 1. Juni. Im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung holt ein Fischer über den Sommer vorrangig Rote Amerikanische Sumpfkrebse aus den Seen im Britzer Garten und im Tiergarten. Rund 150 Reusenkörper wurden in den Gewässern des Britzer Gartens ausgelegt. In den kommenden Wochen soll die Bekämpfung auch im Tiergarten beginnen. Mindestens zweimal pro Woche werden die Reusen geleert.

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Im vergangenen Jahr hat der Fischer Klaus Hidde im Auftrag der Umweltverwaltung rund 7200 Rote Amerikanische Sumpfkrebse aus den Teichen im Tiergarten gefischt. Das entspricht einem Gewicht von 265 Kilogramm. Im Britzer Garten fing Hidde 2021 fast 17.000 der Sumpfkrebse aus Amerika. Sie wogen insgesamt 620 Kilogramm.

Was passiert mit den gefangenen Krebsen?

Sie werden unter anderem an Berliner Gastronomen und Gastronominnen verkauft. Die Organisation vom Fang bis zum Verkauf übernimmt das Unternehmen Holycrab, die Vermarktung erfolgt in Kooperation mit dem Großhändler Havelland Express. Direkt nach dem Fang werden die Tiere zum Großhändler gebracht und dort getötet. Der Verkauf lebender Tiere ist aufgrund der Ausbreitungsgefahr verboten.

„Wir sehen das als Möglichkeit, für ein Problem eine ökologische und nachhaltige Lösung zu finden“, sagt Lukas Bosch, Mitgründer des Unternehmens. „Die Krebse wird man aus den Gewässern nicht mehr komplett rausbekommen. Aber man kann im Sinne einer regenerativen Fischerei den Bestand auf ein verträgliches Maß reduzieren und gleichzeitig ein regionales, exotisches Produkt wirtschaftlich vermarkten.“

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Wo leben Amerikanische Sumpfkrebse ursprünglich?

Die Tiere kommen eigentlich im Süden der Vereinigten Staaten und in Nordmexiko vor. Besonders häufig sind sie im US-Bundesstaat Louisiana anzutreffen. Zu ihrem ursprünglichen Lebensraum zählen flache Sumpfgewässer. Auch in Reisfeldern kommen sie gut zurecht.

RND/saf/Mit Material von dpa

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