CO₂-Emissionen einsparen: Forscher empfehlen Oberleitungsnetz für Lkw

Seit Anfang Januar läuft der Praxistest für den sogenannten E-Highway, bei dem ein Oberleitungssystem an der Autobahn zur Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeuge genutzt wird.

Seit Anfang Januar läuft der Praxistest für den sogenannten E-Highway, bei dem ein Oberleitungssystem an der Autobahn zur Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeuge genutzt wird.

Hannover. Um die CO₂-Emissionen in Deutschland zu reduzieren, muss unter anderem am Verkehr geschraubt werden. Besonders am Güterverkehr, mit seinen Diesel-Lkw. Denn selbst in ambitionierten Verlagerungsszenarien auf die Schiene, erfolgt weiterhin mehr als die Hälfte der Güterverkehrsleistung auf der Straße. Da laut Experten rein batteriebetriebene Lkw nicht marktfähig sind, empfiehlt eine neue Studie Oberleitungsnetze für Lkw auf deutschen Autobahnen.

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Zwölf Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen

Die Studie, die das Öko-Institut mit dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation, der Hochschule Heilbronn und dem Beratungsunternehmen Intraplan Consult veröffentlicht hat, besagt, dass bei einem Streckennetz von rund 4000 Kilometern ein Drittel des Lkw-Fernverkehrs elektrisch erfolgen könnte. Das sei die effizienteste Variante – die direkten Treibhausgasemissionen könnten so jährlich um bis zu zwölf Millionen Tonnen Kohlendioxid sinken.

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In Deutschland finden fast zwei Drittel des Lkw-Fernverkehrs auf rund einem Drittel des deutschen Autobahnnetzes statt. Das ergibt ein 4000 Kilometer langes Kernnetz, die Studie ermittelte darunter 17 Strecken, die sich für den Oberleitungsaufbau besonders anbieten.

Bislang gibt es drei Oberleitungsstrecken auf denen der Praxistest für den sogenannten E-Highway läuft, bei dem ein Oberleitungssystem an der Autobahn zur Elektrifizierung schwerer Nutzfahrzeuge genutzt wird. Nach Hessen hat am Freitag auch Schleswig-Holstein mit dem Praxistest für den Elektro-Highway begonnen. Auf der Autobahn 1 zwischen Reinfeld und dem Autobahnkreuz Lübeck ist mehrmals täglich der erste Hybrid-Lkw einer Reinfelder Spedition unterwegs.

Studie: “O-Lkw bieten beste Klimabilanz im Güterverkehr”

Oberleitungs-gebundene Fern-Lkw (O-Lkw) könnten im Jahr 2025, im Vergleich zu einem heutigen Diesel-Lkw, den CO₂-Ausstoß nahezu halbieren. Bis 2030 soll der Vorteil unter der Annahme des Kohleausstiegs sogar auf 60 Prozent ansteigen – auch wenn die Treibhausgasemissionen bei der Stromerzeugung berücksichtigt werden.

Damit bieten laut Studienautoren O-Lkw die beste Klimabilanz im Güterverkehr. Im Gegensatz zu den O-Lkw bräuchten reine Batterie-Lkw beispielsweise zu lange Ladezeiten und ihre Speicher zu viel Platz, Nachteile die die Oberleitungsgebundene Lkw nicht böten. Dennoch, das Klimapaket der Bundesregierung sieht vor, dass bis zum Jahr 2030 rund ein Drittel des Güterverkehrs elektrisch oder auf Basis strombasierter Kraftstoffe unterwegs sein soll.

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Das kostet der Aufbau des Netzes

Oberleitungs-Lkw verfügen über einen Stromabnehmer und einen elektrischen Antrieb und können somit auf Streckenabschnitten mit Oberleitung mit Strom fahren, erklären die Autoren. Ein ergänzender Verbrennungsmotor oder eine größere Batterie stellen zudem sicher, dass das Fahrzeug auch jenseits der Oberleitung fahren kann. Damit wäre das flächendeckende Oberleitungsnetz nicht zwingend erforderlich.

Die Kosten für den Aufbau des Netzes für O-Lkw schätzt das Öko-Institut auf 10 bis 12 Milliarden Euro. Jährlich kommt zudem die Instandhaltung in Höhe von 2 Prozent der Investitionskosten hinzu. Die Autoren errechnen: Für Spediteure würde sich ab 2025 der Kauf eines Oberleitungs-Lkw bereits nach 1,5 Jahren rechnen.

Politik muss handeln

Das Öko-Institut fordert die Politik nun zum Handeln auf: “Die Politik muss den Rahmen für den Aufbau der Oberleitungsinfrastruktur schaffen und damit Planungssicherheit für die Marktakteure geben”, erklärt Projektleiter Florian Hacker in einer Pressemitteilung. Ein Umstieg auf klimaschonende Technologien im Güterverkehr könne nur gelingen, wenn die Rahmenbedingungen für langfristige Investitionen geklärt seien. Bereits 2018 empfahl der Bundesverband der Deutschen Industrie, die 4000 meistbefahrenen Kilometer deutscher Autobahnen mit einer Oberleitungsinfrastruktur zu versehen.

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Peter Westenberger, Geschäftsführer des Netzwerkes Europäischer Eisenbahnen (NEE), sagte gegenüber dem Nachrichtensender N-TV, die Elektrifizierung von Autobahnen sei eine “Schnapsidee”. Eine Entlastung der Autobahnen vom Lkw-Verkehr würde nicht erfolgen, im Gegenteil wären die Konvi noch länger und dichter.

RND/Alice Mecke

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