CO₂-Rückgang wegen Corona: die trügerische Ablenkung

„Unser Planet ist kaputt“, sagt der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres.

„Unser Planet ist kaputt“, sagt der Generalsekretär der Vereinten Nationen, António Guterres.

Normalerweise hätten es die Schlagzeilen des Jahres sein müssen: Das Jahr 2020 wird wohl das wärmste seit Beginn der Temperatur­aufzeichnungen. Die Weltnaturschutz­union sieht den Klimawandel inzwischen als größte Bedrohung der Weltnatur­erbe­stätten. Die Staaten sind im Begriff, das 1,5-Grad-Ziel komplett zu verfehlen.

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Stattdessen steuert die Welt – fünf Jahre nach der Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens – auf drei Grad Temperaturanstieg zu. 1,2 Grad ist es schon jetzt wärmer als vor der Industrialisierung. Welche Folgen das hat, ist auch im Jahr 2020 sichtbar gewesen: verheerende Waldbrände wie in den USA, schmelzende Gletscher, Dürre. „Unser Planet ist kaputt“, sagte der UN-Chef António Guterres.

Doch der Klimawandel, die größte vorhersehbare Katastrophe der Menschheits­geschichte, war in diesem Corona-Jahr nur eine Randnotiz.

Ein Feelgood-Content in der Pandemie

Tatsächlich musste der Klimawandel sogar als Feelgood-Content in der Pandemie herhalten. Die sinkenden CO₂-Zahlen waren eine Ablenkung von den steigenden Infektionszahlen. Weil weltweit Fabriken lahmlagen, Menschen zu Hause blieben und Flugzeuge auf den Rollfeldern standen, ist der Ausstoß von Kohlendioxid 2020 um 2,4 Milliarden Tonnen im Vergleich zu 2019 gesunken.

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Das zeigt aber nur: Selbst eine globale Pandemie verschafft dem Klima allerhöchstens eine winzige Verschnaufpause. Bis 2030 müssten jedes Jahr ein bis zwei Milliarden Tonnen CO₂ weltweit eingespart werden, um die Pariser Klimazielvorgaben nicht zu überschreiten.

Experten befürchten allerdings, dass es 2021 zu einem sprunghaften Anstieg der CO₂-Emissionen kommen könnte. Deshalb bleibt auch nach diesem Corona-Jahr nur wieder einmal die Hoffnung, dass all die Versprechen, die guten Absichten und erklärten Ziele endlich Realität werden. Die EU etwa hat sich kurz vor Jahresende auf ein ehrgeizigeres Klimaziel für 2030 geeignet: 55 Prozent weniger CO₂ als 1990. Dass mit Joe Biden im nächsten Jahr jemand im Weißen Haus sitzt, der die Gefahr der Erderwärmung ernst nimmt, ist eine Verbesserung.

Es wird sich zeigen, ob die Welt im Umgang mit der Pandemie etwas für den Kampf gegen den Klimawandel gelernt hat: „Die Corona-Erholung und die Reparatur des Planeten können zwei Seiten derselben Medaille sein“, sagte Guterres. 2021 muss sich das beweisen.

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