Cocktail Singapore Sling: die Geschichte hinter dem weltberühmten Mixgetränk

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Der Singapore Sling ist ein Drink-Klassiker – erfunden wurde er in der Long Bar im „Raffles“-Hotel in Singapur.

Singapur trägt nicht ganz zufällig den Beinamen „Fine City“ – die Stadt der Strafen. Wer dort etwa auf einer öffentlichen Toilette nicht spült, muss mit 150 Singapur-Dollar Strafe rechnen, umgerechnet rund 95 Euro. Sollte sich jemand überlegen, irgendwo in dem südasiatischen Stadtstaat auf die Straße zu spucken, muss er oder sie sogar mit 1000 Singapur-Dollar Strafe rechnen. Vorbildliches Verhalten durch harte Sanktionen – ein nicht unumstrittener Ansatz der dortigen Politik.

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Umso erstaunlicher mag man bei diesem Vorwissen eine Praxis in der Long Bar des legendären Raffles-Hotels der Stadt finden: In dem edlen, im Kolonialstil eingerichteten Lokal gibt es traditionell ganze Erdnüsse zu den Getränken. Das allein ist noch nichts Ungewöhnliches. Doch die Schalen werden von den Gästen – das ist ebenfalls Tradition – einfach auf den Boden geworfen. An jedem anderen Ort Singapurs kostet das schnell 500 Singapur-Dollar. Dort nicht.

Wer den Singapore Sling erfand

Zur Gründungszeit des Hotels Ende des 19. Jahrhunderts waren es die Farmer der Umgebung, die hier ihre Erdnussschalen hinterließen. Heute sind es die meist besser verdienenden Gäste. Doch beide Gruppen haben eines gemein: Sie kommen nicht wegen der Knabbereien. Sondern wegen eines Cocktails. Es war der Barkeeper Ngiam Tong Boon, der hier in der Long Bar im Jahr 1915 ein heute weltberühmtes Mixgetränk erfand: den Singapore Sling.

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Der rosafarbene Cocktail ist so etwas wie der Geschmack gewordene Lebensstil des tropischen Singapurs. Das Originalrezept besteht aus: 30 Milliliter Gin, 15 Milliliter Kirschlikör, 120 Milliliter Ananassaft, 15 Milliliter Zitronensaft, 7,5 Milliliter Cointreau, 7,5 Milliliter Bénédectine, zehn Milliliter Grenadine und einem Spritzer Angosturabitter. Fruchtig, bitter und mit einer gehörigen Portion Alkohol. Verziert wird das Ganze stets mit einem Stück Ananas und einer Kirsche. Allerdings gibt es auch andere Überlieferungen – ohne Fruchtsaft, Grenadine und Orangenlikör, dafür mit Sodawasser. Streng genommen wäre dies aber mehr ein sogenannter Straits Sling.

Ein Cocktail, um Frauen in die Bar zu locken

Ngiam Tong Boon soll mit seiner Kreation versucht haben, auch Frauen in die damals primär von Männern aufgesuchte Long Bar zu locken. Die Etikette verlangte es in jener Zeit, dass Damen in der Öffentlichkeit keinen Alkohol konsumieren. Also schuf Ngiam Tong Boon einen Cocktail, der aussah wie ein Fruchtsaft, aber tatsächlich nicht gerade wenig Alkohol enthielt. Schnell zeigte sich: Der Singapore Sling schmeckte nicht nur Frauen – auch Männer bestellten ihn. Er ist, wenn man so will, seit mehr als 100 Jahren der Inbegriff eines Unisexdrinks.

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Der Singapore Sling ist sogar so populär geworden, dass er heute als Nationalgetränk des Stadtstaates gilt. Selbst an Bord der nationalen Fluggesellschaft Singapore Airlines gibt es ihn und in (fast) jeder anderen Bar der Stadt ohnehin. In der Long Bar selbst wurde der Klassiker jüngst leicht überarbeitet. Die „refreshed“ Version enthält nun auf sie abgestimmte Zutaten, kreiert von Herstellern aus aller Welt: Widges Gin aus England, den Kirschlikör Luxardo Cherry Sangue Morlacco aus Italien, Ferrand Dry Curaçao aus Frankreich, Scrappy‘s Spice Plantation Bitters aus den USA, Crawley‘s Singapore Sling Grenadine aus Australien und Luxardo-Maraschino-Kirschen, die ebenfalls aus Italien stammen.

Man könnte es eine Reminiszenz an frühere Zeiten nennen, als Singapur als Handelsstaat eine Drehscheibe für die Welt war. Eines zumindest ist gleich geblieben: die Erdnüsse, die dazu gereicht werden. Sie landen noch immer auf dem Boden.

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