Corona-Forscher: Das sind die internationalen Popstars der Pandemie

Virologen sind die Stars der Corona-Krise – nicht nur in Deutschland. Spanien hat Fernando Simón (von links), in Italien ist es Roberto Burioni und in den USA ist es Anthony Fauci.

Virologen sind die Stars der Corona-Krise – nicht nur in Deutschland. Spanien hat Fernando Simón (von links), in Italien ist es Roberto Burioni und in den USA ist es Anthony Fauci.

Christian Drosten, Alexander Kekulé und Hendrik Streek – es sind Namen, die gerade omnipräsent sind in den Nachrichten, in Talkshows, auf Social-Media-Kanälen. Und es sind Namen, die den meisten Deutschen ohne die Corona-Pandemie wohl nie untergekommen wären. Virologen und Infektiologen sind die Stars der Stunde, sie informieren und intervenieren, ihre Meinung ist ausschlaggebend für wichtigste politische Entscheidungen. “Maßstab ist, was uns die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu dem Thema sagen”, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel schon zu Beginn der Corona-Krise. Ähnlich halten es andere Länder – die längst eigene Drostens, Streeks und Kekulés haben.

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Roberto Burioni, der italienische Medienprofi

In Italien, dem in Europa wohl am schlimmsten betroffenen Land, ist vor allem ein Forscher im Fokus: Roberto Burioni. Der 57-Jährige ist Virologe und Professor an der Universität Vita-Salute San Raffaele in Mailand und aktuell Dauergast in der wöchentlichen Talkshow “Che Tempo Che fa”, in der er die dringendsten Fragen der Zuschauer zum Virus geduldig beantwortet. Auch von italienischen Zeitungen wird Burioni gern zitiert. Mit seiner eigenen Website “Medical Facts di Roberto Burioni” hat er seinen Status als Corona-Experte weiter ausgebaut und informiert auch in den sozialen Medien über seine Erkenntnisse. Manche Videos seiner Facebook-Seite sorgen für Hunderttausende Aufrufe und Tausende Kommentare.

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Für Roberto Burioni ist die mediale Präsenz aber nichts Neues – seit Jahren gibt er TV-Interviews, zuletzt vor allem zum Thema Impfen. Er mag auch deshalb ein so gern gefragter Experte sein, weil er dabei auf streng wissenschaftliche Formulierungen verzichtet und auch Sätze sagt wie: “Die Erde ist rund, Benzin ist entflammbar und Impfungen sind sicher und effektiv.” Und weiter: “Alles andere sind gefährliche Lügen.” Ein Ausschnitt von seinem Auftritt in einer Talkshow ging in Italien viral.

Seit Beginn der Corona-Krise Anfang März kommentiert Burioni täglich die Ereignisse, er plädierte schon früh dafür, möglichst drastische Maßnahmen zu ergreifen – auch für Deutschland, wie er in einem Interview mit der “Zeit” erklärte. “Unterschätzen Sie nicht die Gefahr. Italien hat das eine Woche lang getan”, hatte er der Deutschen Presse-Agentur gesagt. Andere europäische Länder sollten es unbedingt vermeiden, ähnliche Fehler wie in Italien nach Bekanntwerden des Ausbruchs zu machen.

Roberto Burioni scheint auch der Visionär unter den Virologen zu sein: Bereits am 10. März erschien sein Buch “Virus, die große Herausforderung. Vom Coronavirus bis zur Pest: Wie die Wissenschaft die Menschheit retten kann” in Italien.

Anthony Fauci, die Instanz der Vernunft in den USA

In den USA zeichnen sich katastrophale Zustände ab: Hunderttausende Infizierte wurden innerhalb weniger Tage bestätigt, mehr als 2000 Todesfälle jüngst in nur 24 Stunden verzeichnet. Dass die Corona-Pandemie die Vereinigten Staaten in dieser Härte trifft, hat auch mit der zögerlichen Reaktion Donald Trumps zu tun – und den verharmlosenden oder gar falschen Aussagen, die der US-Präsident immer wieder verbreitet. Ein Mann hat damit besonders zu kämpfen: US-Virologe und Regierungsberater Anthony Fauci.

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Immunologe Anthony Fauci und US-Präsident Donald Trump – ein ungleiches Paar, das immer wieder zusammen vor die Presse tritt, um über die Corona-Pandemie zu informieren.

Immunologe Anthony Fauci und US-Präsident Donald Trump – ein ungleiches Paar, das immer wieder zusammen vor die Presse tritt, um über die Corona-Pandemie zu informieren.

Der 79-jährige Immunologe leitet seit 1984 das Nationale Zentrum für Infektionskrankheiten. Seit einigen Wochen tritt er nun fast täglich an der Seite Donald Trumps auf und spricht täglich mindestens eine Stunde mit ihm, wie er der “New York Times” sagte. Fauci hat eine lange Karriere als Beamter hinter sich, insgesamt sechs Präsidenten gedient und hat bei früheren Pandemien Regierungschefs beider Parteien beraten. Er hat mit Aids gerungen und auch mit Sars, der Schweinegrippe und Ebola.

Nun ist er Teil der Corona-Task-Force des Weißen Hauses, hält sich politisch aber zurück. Er gibt Dutzende Interviews, führt Hintergrundgespräche und gilt als Instanz der Vernunft. In den sozialen Medien ging vor allem ein Auftritt von Fauci viral: Als er sich bei einer Presseansprache von Donald Trump fassungslos mit der Hand durchs Gesicht streicht.

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Mittlerweile steht der 79-Jährige unter Polizeischutz. Nachdem er in seine Aussagen inhaltlich mehrfach Donald Trump widersprach, erhält er Morddrohungen. Viele US-Amerikaner setzen ihre Hoffnung in Fauci als Experte. Sogar einen Anthony-Fauci-Fanclub gibt es inzwischen auf Twitter – mit 16.000 Unterstützern.

Neil Ferguson, der Experte in Westminster

Ähnlich nachlässig wie in den USA liefen die Corona-Maßnahmen zunächst im Vereinten Königreich. Premierminister Boris Johnson, der aktuell wegen seiner Corona-Infektion auf der Intensivstation behandelt werden muss, spielte die Gefahr anfangs herunter. Bis Neil Ferguson Alarm schlug: Mitte März – da war Corona längst in ganz Europa verbreitet – legte der britische Epidemiologe eine Studie vor, die schockierte: Wenn Premier Boris Johnson sein laxes Vorgehen im Kampf gegen die Ausbreitung von Covid-19 nicht ändere, könnten 250.000 Briten sterben. Das rüttelte die britische Regierung auf.

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Es folgte ein abrupter Shutdown im Vereinten Königreich, und auch Experte Ferguson selbst begab sich gezwungenermaßen in Quarantäne – weil er sich selbst mit dem Coronavirus infiziert hat. “Da ist eine Menge Covid-19 in Westminster”, hatte er zuvor noch gesagt. Zehn Tage später wurden auch der Premier und sein Gesundheitsminister positiv getestet. Beide hatten Ferguson zuvor für Beratungen getroffen.

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Mit ihren Berechnungen zu den Zukunftsszenarien der Corona-Maßnahmen sind Ferguson und sein Londoner Team weltweit bekannt geworden. Der 1968 geborene Mathematiker beschäftigte sich auch in der Vergangenheit schon mit Seuchen: Aufgrund seiner Datenmodelle entschied Großbritannien 2001, zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche Massenschlachtungen anzuordnen. Auch in der BSE-Krise fünf Jahre später spielten seine Berechnungen eine wichtige Rolle für die Politik.

Fernando Simón, der Notfallkoordinator Spaniens

Auch die Corona-Galionsfigur Spaniens infizierte sich Ende März selbst mit Covid-19 – was Fernando Simón aber nur noch mehr Sympathien einbrachte. Über Wochen lieferte der Direktor des spanischen Gesundheitsnotrufzentrums täglich Updates und beantwortete Hunderte Fragen, die Bürger ihm online stellen durften. Seit Ausbruch der Krise stellte sich der 57-Jährige jeden Tag im Regierungssitz Palacio de la Moncloa am frühen Nachmittag vor die Kameras, um die neuesten Zahlen mitzuteilen und eine Einschätzung abzugeben. Seit er coronapositiv getestet ist, nimmt er an Pressekonferenzen der Behörden von zu Hause aus teil.

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Fernando Simón, Leiter der spanischen Behörde für Gesundheitliche Notfälle (CCAES), bei einer seiner vielen Pressekonferenzen.

Fernando Simón, Leiter der spanischen Behörde für Gesundheitliche Notfälle (CCAES), bei einer seiner vielen Pressekonferenzen.

Spanien verzeichnet jetzt schon mehr Corona-Infektionen, als China insgesamt je hatte, die Todesrate ist europaweit die zweithöchste nach Italien. Das Land lebt in Angst, und Fernando Simón ist ihr Notfallkoordinator – auch wenn er sich Anfang Februar noch daran festgehalten hatte, dass Spanien da noch keinen einzigen bestätigten Corona-Fall hatte. Inzwischen schlägt der Experte nachdenklichere Töne an. Als Arzt und Epidemiologe wurde Simón bereits 2014 bekannt – als Sprecher des Sonderausschusses für Ebola.

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