Fasching, Karneval, Fastnacht – alles das Gleiche?

Im Rheinland und weiten Teilen Norddeutschlands wird Karneval gefeiert. In anderen Regionen spricht man von Fastnacht oder Fasching.

Im Rheinland und weiten Teilen Norddeutschlands wird Karneval gefeiert. In anderen Regionen spricht man von Fastnacht oder Fasching.

Hannover. „Alaaf“ und „Helau“ – die Närrinnen und Narren sind los. Oder doch die Jeckinnen und Jecken? In Deutschland kursieren viele Begriffe rund um Karneval, Fasching und Fastnacht. Was sagt man wo, und was hat es mit der sogenannten fünften Jahreszeit überhaupt auf sich? Fragen über Fragen, auf die wir Antworten haben.

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Von wann bis wann ist Karneval?

Ursprünglich galt der Dreikönigstag am 6. Januar als Beginn der Fastnachtszeit. In den meisten Orten der schwäbisch-alemannischen Fastnacht ist das noch der Fall.

Seit dem 19. Jahrhundert beginnt die sogenannte Karnevalssession in vielen Regionen, unter anderem im Rheinland, bereits am 11. November, dem Martinstag. Pünktlich um 11.11 Uhr wird vielerorts an diesem Datum die „fünfte Jahreszeit“ offiziell verkündet. Hintergrund ist, dass es im Christentum auch vor Weihnachten eine vierzigtägige Fastenzeit, ähnlich der Fastenzeit vor Ostern, gibt.

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Die Hochphase der Narrenzeit markiert dagegen regionsübergreifend die sogenannte Karnevals-, Fastnachts- oder Faschingswoche. Diese beginnt traditionell mit der Weiberfastnacht und endet am Aschermittwoch. Dazwischen findet mit dem Rosenmontag der Höhepunkt einer jeweiligen Fastnachtszeit oder Karnevalssession statt.

Die Termine von Fastnacht, Fasching und Karneval 2022 im Überblick:

  • 24. Februar: Weiberfastnacht, je nach Region auch Altweiber, Weiberfasching oder Schmotziger Donnerstag genannt
  • 25. Februar: Karnevalsfreitag, auch Rußiger Freitag genannt
  • 26. Februar: Karnevalssamstag, auch Schmalziger Samstag genannt
  • 27. Februar: Karnevalssonntag, auch Rosensonntag, Tulpensonntag, Fastnachtssonntag oder Faschingssonntag genannt
  • 28. Februar: Rosenmontag
  • 1. März: Karnevalsdienstag, auch Faschings-, Fastnachts- oder Veilchendienstag genannt
  • 2. März: Aschermittwoch

Sind Karneval, Fasching und Fastnacht dasselbe?

Der Grund für die unterschiedlichen Bezeichnungen ist vor allem geografisch bedingt. Während im Rheinland und weiten Teilen Norddeutschlands vor allem Karneval gefeiert wird, ist in Teilen Bayerns, Sachsens, Schleswig-Holsteins, Mecklenburg-Vorpommerns und Österreichs überwiegend von Fasching die Rede.

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Fastnacht wird dagegen hauptsächlich im Südwesten gefeiert. Vor allem in Hessen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und dem Saarland sind Fastnacht und, je nach Region und Mundart, auch Fasnacht, Fasnet, Fassenacht und andere Abwandlungen geläufige Begriffe. Dasselbe gilt für Teile Oberbayerns, westliche Gebiete Österreichs, Südtirol, sowie für Luxemburg, Liechtenstein und die Schweiz.

Jecken, Narren und ganz viele Narrenrufe

Zusätzlich zu den unterschiedlichen Begriffen für die „fünfte Jahreszeit“ gibt es noch verschiedene Bezeichnungen für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Umzüge. Während im Rheinland die sogenannten Jeckinnen und Jecken durch die Straßen ziehen, treiben in anderen Regionen Närrinnen und Narren ihr Unwesen. Der Ausdruck „Narrenzeit“ hat sich regionsübergreifend als Synonym für die Karnevalssaison etabliert.

Zu den bekanntesten Narrenrufen zählen „Alaaf“ und „Helau“. Auch hier bestimmen regionale Unterschiede wieder, welcher Ruf zu hören ist. Als kölscher Begriff ist „Alaaf“ natürlich in erster Linie in der „Hauptstadt des Karnevals“ Köln zuhause. Dort schallt es während der Umzüge „Kölle Alaaf“, was so viel wie „Köln über alles“ oder „Alles lobe Köln“ bedeutet. Doch auch in Bonn, Aachen, Leverkusen und anderen Regionen im Rheinland ist „Alaaf” der Narrenruf.

Auf keinen Fall sollte „Alaaf“ dagegen in Düsseldorf gerufen werden. Dort, so wie in Koblenz oder Mainz, ist „Helau“ der bevorzugte Narrenruf. „Helau“ wiederum könnte eine Abwandlung von „Halleluja“ oder „Hölle auf“ sein. Auch eine Verbindung zu „hell auf“, also „aufgeweckt“ ist denkbar. Sicher ist das aber nicht.

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„Narri-Narro“ heißt es überwiegend in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Im Saarland ist „Alleh hopp“ zu vernehmen. Ein klarer Fall von Germanisierung der französischen Sprache: „Allez hop“ bedeutet so viel wie „na los“.

Doch damit nicht genug: in manchen Regionen werden „Ahoi“, „Aloha“, „Alä“, „Hex“, „Meck“, „Knolli“ oder „Wau-Wau“ und andere Tierlaute gerufen. Der Schifffahrtsgruß „Ahoi“ ist dabei nicht nur in nordischen Küstenregionen zuhause. Auch in der badischen Fasnacht und in der Pfalz schallt es so von den Umzugswagen und Narrenschiffen. „Aloha!“ hat sich als Narrenruf vor allem bei schwulen und lesbischen Karnevalistinnen und Karnevalisten etabliert.

Ursprünge von Karneval, Fastnacht und Fasching

Gemein ist allen Bezeichnungen der Bezug zur christlichen Fastenzeit. Der Begriff „Karneval“ basiert aller Wahrscheinlichkeit nach auf den mittellateinischen Worten „carne“ und „levare“, was sich mit „Fleisch wegnehmen“ übersetzen lässt. Auch Fasching und Fastnacht lassen sich etymologisch auf das Fasten zurückführen.

Als besonderes Ereignis, in der die Menschen stark in ihrer Lebensweise beeinflusst wurden, hat sich die christliche Fastenzeit somit als „fünfte Jahreszeit“ in vielen Kulturen etabliert. Sämtliche Bräuche und Traditionen, die um die 40-tägige Fastenzeit herum entstanden sind, werden in Karneval und Co. zum Ausdruck gebracht.

Doch auch vorchristliche Ursprünge lassen sich verfolgen. So soll das Gleichheitsprinzip als wichtiger Feiergrund des Karnevals bereits in der Antike entstanden sein. Frühlingsfeste, bei denen böse Wintergeister vertrieben werden sollten, stehen wiederum im unmittelbaren Zusammenhang mit der Fastnacht. Im Vergleich zum heiteren Karneval ist der eher düstere Charakter der Fastnacht vor allem in der schwäbisch-alemannischen Variante noch heute gut erkennbar.

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Wo gibt es die größten Karnevalsumzüge in Deutschland?

Städten und Gemeinden, die für ihr närrisches Treiben überregional bekannt sind, kommt während der fünften Jahreszeit eine besondere Bedeutung zu. Zum Höhepunkt der einwöchigen Feierlichkeiten sind in den Karnevalshochburgen jeden Tag Millionen Menschen unterwegs. Allein zum Kölner Rosenmontagszug reisen jedes Jahr bis zu einer Millionen Besucherinnen und Besucher - normalerweise. Denn in diesem Jahr gilt für Feiernde in Köln in der sogenannten „Brauchtumszone“ die 2G-Regel. Die Zone schließt das gesamte Stadtgebiet mit ein.

Auch die anderen beiden deutschen Hochburgen Düsseldorf und Mainz platzten in Vor-Corona-Zeiten während des Karnevals beziehungsweise der Fastnacht aus allen Nähten. Während die Karnevalsfeiern und -umzüge in Mainz für 2022 abgesagt wurden, gelten für Feiernde in Düsseldorf ähnlich strenge Regeln wie in Köln.

Große Festumzüge mit mehreren tausend Besucherinnen und Besucher pro Tag gab es zudem sonst auch in Aachen (Karneval), Rottweil (Fasnet), Nürnberg (Fasching), Köthen (Karneval), Bremen (Karneval), München (Fasching) und Berlin (Fasching). Doch auch diese fallen teils in diesem Jahr erneut aus.

Hat man während des Karnevals frei?

Weder bei Weiberfastnacht, Rosenmontag noch Aschermittwoch handelt es sich um gesetzliche Feiertage in Deutschland. Allerdings ist es in vielen Karnevalsregionen üblich, dass Arbeitgeber ihren Angestellten an ausgewählten Karnevalstagen frei geben oder halbe Arbeitstage einführen. Darüber hinaus gibt es in einigen Bundesländern schulfrei für Schulkinder.

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RND/pf

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